Brief an Führungskräfte

Deutsche Bahn: Pünktlichkeit "weiter abgerutscht", Gewinne unter Zielsetzung

Das ist der Deutsche Bahn-Chef Richard Lutz. Er wendet sich alle drei Monate mit seinen Kollegen im Rahmen eines Vorstandsschreibens an die Führungskräfte des Staatskonzerns. Im September fiel das Schreiben nicht so rosig aus.
Foto: Soeren Stache / DPA
10. September 2018
Die Deutsche Bahn hat sich laut einem Vorstandsschreiben des Unternehmens weiter verschlechtert. In Sachen Pünktlichkeit sei man weiter abgerutscht und die Gewinne stünden klar unter Zielsetzung. DB-Chef Lutz beschwört Geschlossenheit.
In einem Vorstandsschreiben der Deutschen Bahn, dass an einige tausend Führungskräfte ging, wird deutlich, dass die Lage bei der Deutschen Bahn sich weiter verschlechtert. Bahn-Chef Richard Lutz machte in dem Schreiben deutlich, dass man in Sachen Pünktlichkeit, Gewinn oder Fahrzeugverfügbarkeit unter den Zielsetzungen liege. Lutz kündigt außerdem eine strenge Kostenkontrolle und ruft zu einer innigeren Zusammenarbeit auf. 
Die schwierige Situation der Bahn habe sich in den vergangenen drei Monaten "nicht verbessert, sondern verschlechtert", schreiben Lutz und seine fünf Vorstandskollegen in dem auf den 7. September datierten Brief an die Führungskräfte im Konzern. Sie erhalten alle drei Monate ein Schreiben des Vorstands mit aktuellen Zahlen.  Lutz beginnt mit der Pünktlichkeit im Fernverkehr: Sie sei "weiter abgerutscht" und habe im August bei nur 76 Prozent der Fernzüge gelegen. Dies sei schlechter als 2015, als die Bahn mit dem Projekt Zukunft Bahn gestartet sei. "Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist außerdem klar, dass wir 2018 weder die Vorjahreswerte und schon gar nicht unser Ziel erreichen werden." 

Deutsche Bahn: Negativabweichung zum Gewinnplanung beträgt 160 Millionen Euro 

Dieses Ziel ist, dass vier von fünf Fernzügen (80 Prozent) weniger als sechs Minuten Verspätung haben. Ein Grund für die schlechten Werte in diesem Jahr: Die Bahn habe "eigene Themen wie zum Beispiel die Fahrzeugverfügbarkeit schlicht nicht im Griff", moniert der Vorstand. Auch der Gewinn vor Steuern und Zinsen liege "deutlich unter dem Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung", heißt es weiter. Die Einzelmonate Juni und Juli seien schlecht gewesen, die negative Abweichung zum Plan habe sich auf mittlerweile 160 Millionen Euro vergrößert. Daher stehe das bereits auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnisziel "im Risiko".
Eine dritte Gewinnwarnung in diesem Jahr will Lutz aber möglichst vermeiden. Der Vorstand habe daher eine "qualifizierte Ausgabensteuerung" beschlossen. Dies gelte ab sofort und bis auf Weiteres, betont Lutz. Über inhaltliche Details würden die Führungskräfte "noch gesondert informiert". Sinnvolle und notwendige Ausgaben für den laufenden Betrieb und für alle Anstrengungen, "die wir im Sinne Kunde, Qualität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit unternehmen, laufen selbstverständlich weiter". Lutz versichert, es sei nicht die Zeit für Schuldzuweisungen - "das bringt uns nicht weiter". Er ruft in dem Brief dazu auf, zusammenzustehen und gemeinsam zu kämpfen. Auf lange Sicht müssten die Führungskräfte aber die "Managementkompetenz bei Prozessen, Steuerung und Führung verbessern". Zudem gelte es, die "geschäftsfeldübergreifende Zusammenarbeit" zu stärken - derzeit werde "Verantwortung hin- und hergeschoben". Der Vorstand sei aber überzeugt, dass "wir diese schwierige Situation überwinden" werden. 

Aufgehübscht

Guido Maria Kretschmar hat die neuen Bahnuniformen entworfen – so sehen sie aus

Anzeige
Anzeige
wlk/AFP