Zum 20. Firmenjubiläum

Alibaba-Gründer tritt zurück: "Ich möchte lieber am Strand sterben als in meinem Büro"

Der Alibaba-Vorstandsvorsitzende Jack Ma beim Wirtschaftsforum in Wladiwostok – in einem Jahr will er aus dem aktiven Geschäft aussteigen
Foto: Kirill Kudryavtsev / AFP
12. September 2018
Der chinesische Milliardär Jack Ma kündigte seinen Rücktritt für 2019 an: "Ich will nie wieder ein Geschäft wie dieses haben. Ich will mein Leben genießen."
Am 10. September 2019, dem 20. Jahrestag des Unternehmens, soll es soweit sein: Dann will der chinesische Self-made-Milliardär und Alibaba-Mitgründer von seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Alibaba Group Holding, Asiens wertvollster Firma, zurücktreten. Ma hat einen Brief an seine Angestellten verfasst, in dem er die Gründe für die Entscheidung aufführt, Platz zu machen für wesentlich jüngere Generationen. Die "South China Morning Post" hat seine Presseerklärung auf Englisch als PDF verlinkt.
Ma erklärt, dass er mit seinem Führungsteam seit zehn Jahren daran arbeite, das Wachstum von Alibaba aufrechtzuerhalten, wenn er den E-Commerce-Riesen verlässt. Die Geschäftsführung soll Patrick Zhang übernehmen, mit dem er das kommende Jahr eng zusammenarbeiten will, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Ma, der früher als Englischlehrer gearbeitet hat, schreibt: "Lehrer wollen immer, dass ihre Schüler sie übertreffen. Für mich und das Unternehmen bedeutet das die Verantwortung, jüngere, talentiertere Leute die Führungsrollen übernehmen zu lassen, damit sie unsere Mission weiterführen, es einfach zu gestalten, von überall aus Geschäfte zu machen." Seine Aufgaben als CEO hatte Ma bereits 2013 an Daniel Zhang übergeben, den er als außergewöhnliches Talent bezeichnet und dem er nun endgültig den Staffelstab weiterreicht.

Im Herzen immer Lehrer

Ma hat in den vergangenen fünf Jahren das Gegenteil von dem gemacht, was er ursprünglich wollte. "Als ich als CEO zurückgetreten bin, sagte ich dem CEO-Team, ich wollte mehr Zeit haben, um am Strand Golf zu spielen", erzählte Ma im Juni 2017 in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehmoderator Charlie Rose. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass er statt wie früher 870 Stunden pro Jahr im Flieger zu sitzen, anschließend 1000 Stunden pro Jahr in der Luft war. "Das Ding ist, dass ich nicht in meinem Büro sterben will. Ich will am Strand sterben." Auch wenn Ma nicht mehr im Tagesgeschäft aktiv war, ist er das Gesicht von Alibaba geblieben und um die Welt geflogen, um Politikern und Entscheidern die Vorteile der Globalisierung und des technischen Fortschritts nahezubringen.
Berühmt wurde die Aussage von Ma, dass der größte Fehler, den er je gemacht habe, Alibaba sei – wegen des enormen Drucks und der Verantwortung, die er schultern musste, um das rund 363 Milliarden schwere Unternehmen mit 86.00 Angestellten zu leiten. "Ich wollte nur ein kleines Geschäft und nicht so stark wachsen, so viel Verantwortung übernehmen und so viel Ärger am Hals haben", hatte er 2016 beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg erklärt. Stattdessen sehnt sich Ma danach, wieder als Lehrer zu arbeiten. In einer Talkshow sagte er 2017, dass "die glücklichste Zeit in meinem Leben war, als er 91 Chinesische Yuan im Monat, umgerechnet 11,42 Euro, als armer Schullehrer verdient habe". Mit seinem humorvollen, lebendigen Unterricht war er 1994 zu einem der zehn herausragenden jungen Lehrer an seinem College in Hangzhou gewählt worden. Sich selbst bezeichnete er bei Alibaba gern als Chief Education Officer, als "Ober-Bildungsbeauftragten", der die Generation ausbildet, die ihn ersetzen soll.

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