Interview

Work-Life-Balance

Chef sein, wo andere Urlaub machen – dieses Paar arbeitet beim Segeln

Work-Life-Balance

Chef sein, wo andere Urlaub machen – dieses Paar arbeitet beim Segeln

Ein Interview mit Maren und Matthias Wagener, die eine neue Art von Arbeiten ausprobiert haben – und nie zurückgehen würden. Wo sind Sie gerade? "Immer noch in La Grand-Motte in Südfrankreich, wo das neue Schiff gebaut wurde. Hier werden gerade noch die letzten Arbeiten erledigt. Das ist glaube ich so ähnlich wie wenn man ein Haus baut. Man wird nie fertig." Wie kam es dazu, dass Sie vom Schiff aus eine Firma leiten? "Ich habe vor genau zehn Jahren meine Firma 'Vast Forward' gegründet. Wir sind ein Dienstleister für Dienstleister. Wir programmieren Kampagnenbestandteile für Mediaagenturen, Werbeagenturen vom Banner bis zu Android-Apps. Was uns besonders macht: Es gibt ein großes freies Netzwerk an Entwicklern, hauptsächlich in Deutschland aber auch in Europa verteilt. Wir vermitteln die Programmierer nicht, sondern es gibt ein zentrales Projektmanagement. Das sind alles Frauen, die steuern die Anfragen, die von den Agenturen kommen und verteilen die ans Netzwerk und koordinieren die Projekte." "Und der zweite Punkt, der uns unterscheidet, ist, dass alle Festangestellten, die im Unternehmen arbeiten, frei sind in der Wahl ihres Arbeitsortes. Es gibt zwar ein Büro in Hamburg, das ist aber meistens verwaist, weil das Management auf einem Segelboot lebt und die Projektmanagerinnen jeweils da, wo sie leben. Das kann in Toronto sein, Leipzig, Bremen, Hamburg, Berlin, Barcelona oder Paris.  Das war im Prinzip schon die Basis, als Maren 'Vast Forward' gegründet hat. Seit wir auf dem Schiff leben – also seit 2015 – versuchen wir aber auch, das weiter zu professionalisieren und das für alle Mitarbeiter reproduzierbar und gut händelbar zu machen. Dass sie sich nicht alleine fühlen und dass sie ein gute Gefühl haben in ihrem Arbeitsalltag und den auch sehr selbstbestimmt gestalten können." Wie kam Ihnen die Idee, dass das funktionieren könnte? "Auf dem Boot. Maren hat angefangen in einem kleinen Büro in Hamburg." "Genau. Und 2010 haben wir unser erstes Schiff gekauft und sind damit auf der Ostsee gesegelt. Im zweiten Jahr ist Matthias dann auch in die Selbstständigkeit gegangen und so konnten wir die Wochenend- und Urlaubs-Törns ein wenig ausdehnen und ausprobieren, ob wir auch von Bord aus arbeiten können. Das hat auch super funktioniert und so kam die Idee: ‚Das könnte man ja eigentlich auch auf Dauer machen und natürlich auch da, wo die Sonne ein bisschen öfter scheint und wo das Wasser ein bisschen wärmer ist als in der Ostsee.’ Und da ist die Idee geboren." "Genau. Beim Segeln auf der Ostsee als wir angefangen haben, längere Törns zu machen. Im Prinzip sind wir in die Möglichkeit hineingewachsen mit dem Segeln und der Chance, die dieses Unternehmen uns bietet." Wie lange leben und arbeiten Sie schon auf einem Schiff? "Seit drei Jahren und drei Monaten." "Im März 2015 sind wir in der Bretagne auf unser damals neues Schiff gezogen. Wir haben unsere Wohnung in Hamburg zwar noch behalten und untervermietet, haben aber unsere Autos schon abgeschafft und sind mit einem aufgeräumten Hausstand umgezogen nach Frankreich auf das Schiff und sind dort nach drei Monaten, in denen wir das Schiff eingeräumt und kennengelernt hatten, auch losgesegelt. Von der Bretagne die Atlantikküste runter bis Gibraltar. Das war unser erstes Jahr." "Genau. Und da in Gibraltar haben wir auch beschlossen, die Wohnung aufzugeben. Nach einem Jahr Untervermieten haben wir gemerkt, dass das eigentlich auch Quatsch ist. Wir sind so selten dann doch in Deutschland gewesen, dass wir gesagt haben, 'Das lohnt sich nicht'. Und falls man doch wieder auf festen Boden gehen will, dann sucht man sich einfach eine neue Wohnung. Deswegen haben wir alles aufgelöst, gespendet, verschenkt und einen ganz kleinen Teil an persönlichen Dingen und Wertsachen eingelagert in einem Storage in Hamburg." "11 Quadratmeter Storage ist unsere Basis sozusagen. In Hamburg neben dem Büro." Wie sieht ein normaler Arbeitstag an Bord aus? "Ich glaube, die Beschreibung ist fast schon langweilig, weil er sehr ähnlich ist zu einem Arbeitstag im Büro. Er unterscheidet sich vor allem morgens. Wenn wir irgendwo vor Anker sind springen wir kurz mal ins Wasser. Dann gibt es einen Kaffee im Cockpit und so um halb neun, neun spätestens klappen wir unsere Laptops auf und fangen an zu arbeiten." "Wir mussten uns erst einmal eingrooven auf diese Form des Lebens. Wir haben wirklich sehr, sehr viel gearbeitet im ersten Jahr. Da gab es, wenn wir uns so zurückerinnern auch relativ wenig Entdeckungszeit. Wir sind die spanische Küste heruntergesegelt und die Portugiesische. Da gibt es wahnsinnig schöne Ecken, die man natürlich auch erkunden könnte, aber wir haben uns kaum aus den Häfen herausbewegt, weil wir die ganze Zeit viel gearbeitet haben. Dazu muss man auch sagen, dass die Firma einen ziemlichen Wachstumsschub hatte 2015, aber wir mussten das auch erst verstehen. Dieser Wechsel war schon eine ziemliche Veränderung für uns Auch, wenn wir das schon ein bisschen geübt hatten auf der Ostsee, ist es doch etwas anderes als Geschäftsführer und Gesellschafter gar nicht mehr vor Ort zu sein. Und diese Art zu arbeiten war dann erst einmal überhaupt nicht alltäglich. Und das hat schon bedeutet, dass wir uns verändern mussten." "Aber im letzten Jahr hat das sehr gut geklappt, dass wir bis 14, 15 Uhr versuchen, konzentriert zu arbeiten - an Bord meistens, weil es mit dem Rechner am bequemsten und einfachsten ist. Und dann nehmen wir unsere Telefone oder iPad mit und bleiben weiterhin erreichbar und arbeiten von unterwegs. Das heißt, wenn wir das Schiff verlassen und die Gegend erkunden wollen. Wir sind dann bis 18, 19 Uhr, solange unsere Kunden erreichbar sind, auch erreichbar für adhoc-Geschichten. Also tatsächlich von 9 bis 18, 19 Uhr ein ganz normaler Arbeitstag von Montag bis Freitag. Aber wir versuchen, die Hauptarbeit in den Vormittag und frühen Nachmittag zu stecken." "Vielleicht kann man noch ergänzen, dass die Dienstleistung, die wir anbieten, ist häufig zeitkritisch. Kunden, die uns anrufen, die brauchen schnelle Unterstützung. Häufig bei kleinen Projekten. Wir haben mehr als 500 Projekte im Jahr. Ganz viele davon sind auch sehr, sehr klein. Das ist also nichts Großartiges, es muss aber immer schnell gehen. Und darum ist unsere Erreichbarkeit das Haupt Asset für unsere Kunden. Das heißt unser Telefon mit einem Europa-Vertrag von der Telekom hilft uns, in Verbindung zu bleiben und das ist auch im gesamten Mittelmeer kein Problem gewesen." Wie funktioniert das technisch? Wie hoch sind Ihre Handyrechnungen? "Anfangs haben wir das erste Schiff auch technisch sehr hochgerüstet. Das ist 2012 bis 2014 gebaut worden, da gab es relativ wenig auf dem Markt, um im Schiff stabil und seewasserfest eine Datenverbindung herzustellen. Wir hatten einen Router an Bord, der konnte im Prinzip drei Quellen anzapfen: Erstens das normale Mobilnetzwerk, zweitens eine WLAN-Antenne, um im Hafen oder an der Küste irgendwelche WLANs anzusprechen und drittens eine Satellitenantenne, die wir am Mast hatten. Die Satellitenantenne haben wir überhaupt nicht genutzt, die ganze Anlage haben wir nicht gebraucht. Am Anfang haben wir viel die Hafen-WLANs genutzt und dann haben aber sämtliche Mobilfunk-Provider begonnen - als 2017 die Roaming-Gebühren weggefallen sind - ihre Verträge zu verändern. Erst gab es Europa-Tarife und wir haben jetzt einen Deutschland, Europa und USA-Tarif, der uns freie Nutzung von Telefonie und Daten erlaubt und das kostet jeden von uns 200 Euro im Monat, das ist also gut kalkulierbar und auf jeden Fall günstiger, als wenn wir mit Satellit arbeiten, denn da kostet der Basis-Tarif ohne jegliche Daten über 400 Euro im Monat." "Ja, oder mit diversen SIM-Karten hätten wir arbeiten müssen. Bei WLANs im Hafen sind die schnellen eben nicht kostenlos. Das ist auf jeden Fall ein Top-Tarif, den die Telekom da anbietet." "Aber erst seit einem Jahr. Davor haben wir schon ziemlich jongliert, um möglichst schnelle Datenverbindungen zu haben. Es gibt auch ein Video, das zeigt das ganz schön. Häufig haben wir in Cafés gesessen oder in Restaurants, weil es da einfach schneller ging als an Bord." "Und wir haben unseren Kunden und Mitarbeitern beigebracht, ein wenig Datenhygiene zu betreiben und nicht Gigabyte Daten durchs Netz zu jagen, was ja auch grundsätzlich nicht gut und schön ist und da sind wir auch immer noch dabei. Wenn man jetzt mit LTE-Geschwindigkeit arbeiten kann, ist es ja einfach nicht notwendig." "Also erst einmal sind unsere Kommunikationsmittel Skype, Telefon und E-Mail, wir halten  es also intern wirklich sehr einfach. Das kann jeder, das hat jeder. Mit unseren Kunden sieht das ein wenig anders aus, da richten wir uns ganz nach unseren Kunden. Das sind ja meist Agenturen, die nutzen auch gern einmal die ganzen fancy Projektmanagement- und Kommunikationstools. Die benutzen wir dann natürlich für unsere Kunden mit ... zum Beispiel Slack oder wenn es um komplexere Projekte geht auch ein Gira beispielsweise. Da bilden wir dann die Schnittstellen aus in Richtung Kunden, wenn es notwendig ist und ihnen hilft. Intern versuchen wir aber, es möglichst einfach. Unser Projektmanagement-Kern ist eigentlich ein Set von Google-Tabellen, wo alle unsere Projekte drinstehen und eben auch die Stunden erfasst werden. Also möglichst einfach und effizient ist eigentlich die Hauptaufgabe für uns." "Dann gibt es alle zwei Wochen einen Projekt-Status mit allen Projektmanagerinnen über Skype und dann gibt es jeden Mittwoch als Achsamkeitsübung ein Skype-Yoga. Da gibt es dann eine echte Yoga-Lehrerin auf der anderen Seite die jeden Mittwoch die Konferenz startet und die Ladies dürfen mitmachen. Die Programmierer dürfen natürlich auch mitmachen, aber dazu haben wir noch keinen gebracht. Und ansonsten sind wir so vier Mal im Jahr in Deutschland. Hauptsächlich zum Ende beziehungsweise Anfang des Jahres, weil wir Jahresgespräche mit den Mitarbeitern führen, weil es Zielvereinbarungen gibt. Und dann meist noch einmal mitten im Jahr ein, zwei Mal und vor allem kommen die Mitarbeiter auch zu uns. Wir laden also die Mitarbeiter auch an Bord ein und sie können von hier aus arbeiten. Und zwei Mal gab es ein Frühlingsfest, wo auch der feste Kern der Programmierer auch eingeladen wird und dann sieht man sich auch mal." "Vielleicht zur täglichen Kommunikation noch ein Wort. Wenn alle so verteilt sitzen, ist das eben schon eine Herausforderung. Jeder sitzt in seinem Kämmerlein und da ist es schon wichtig auch darauf zu achten, dass die Kommunikation funktioniert. Es gibt einen permanenten Chat, in dem alle drin sind und wenn es Fragen gibt oder auch nur, um Hallo zu sagen, kann dort eben der Austausch stattfinden. Da wird nicht unbedingt angerufen, sondern da wird schnell jemand angeschrieben und da finden eben auch so Frage-Antwort-Geschichten statt, wenn jemand ein neues Projekt hat oder wenn jemand einen Kunden übernommen hat. Dann können alle im Prinzip Fragen beantworten, sodass es intern eine permanente Verbindung gibt. Und dann gibt es ja noch die Sub-Teams. Die Projektmanager arbeiten ja dann mit Entwicklern und Programmierern an ihren jeweiligen Projekten. Das findet dann aber dezentral und nicht zentral statt und wird von der jeweiligen Projektmanagerin auch einzeln gesteuert. Welche Mitarbeiter sind für diese Art der Zusammenarbeit geeignet? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten müssen Ihre Mitarbeiter mitbringen? Und wie finden Sie die? "Es gab bisher eine Mitarbeiterin, die gesagt hat, das ist nichts für sie. Das hat sie nach acht Wochen festgestellt, also in der ganz normalen Probezeit und ist dann ausgeschieden. Die anderen Mitarbeiterinnen sind sehr lange dabei und fühlen sich damit auch wohl. Ich glaube schon, dass man dafür gestrickt sein muss. Darum findet die Akquise meist nicht statt, indem wir suchen, sondern es sind häufig Bewerbungen bei uns, weil die Arbeitsform ja schon erst einmal attraktiv erscheint. Selbstverständlich bedeutet sie auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Disziplin und Loyalität. Das sind so Werte, die für uns wichtig sind. Gleichzeitig braucht es aber auch ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen zwischen uns und den Mitarbeitern. Was eben nicht geht, ist, dass man sich wie in einer größeren Unternehmung versteckt und nicht arbeitet. Jeder Mitarbeiter bei uns arbeitet eigentlich wie ein selbstständiger Unternehmer eigentlich, was immer zwei Seiten einer Medaille mit sich bringt. Auf der einen Seite die Freiheit und die Möglichkeit, den Alltag selbst zu steuern und die Projekte auch selbst zu gestalten wie es für den jeweiligen Alltag am besten passt. Wir haben eine alleinerziehende Mutter, eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, eine mit zwei größeren Kindern, die jetzt gerade die Schule fertig machen. Die (Projektmanagerinnen) sind sehr, sehr frei darin, ihren Arbeitsalltag jetzt auch an Familie zum Beispiel anzupassen. Die müssen nicht morgens um 8 Uhr aus dem Haus und kommen um 19 Uhr wieder nach Hause, sondern können das schon ganz gut einrichten. Und ich glaube, in so einem Fall ermöglicht das sehr, sehr viel. Dann ist eben die Frage: Bringe ich die Energie auf und habe ich Lust, den Arbeitsalltag selbst zu gestalten? Und zur Akquise: Zwei Kontakte sind auf dem Hundeplatz zustande gekommen, weil die Frauen sich unterhalten haben und gesagt haben: ‚Hier, Du willst Dich doch umorientieren. Melde Dich doch einmal bei Maren. Sprich mit ihr, vielleicht ist das ja etwas für Dich.’ Das ist dann einfach Empfehlungsmanagement und so wächst übrigens auch unser Geschäft. Das ist Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Leute reden drüber und dann finden sich schon die richtigen." Für welche Branchen eignet sich Ihr Arbeitsmodell? "Selbstverständlich ist das nicht 1:1 übertragbar. Wir würden auch nie sagen, dass das das beste Arbeitsmodell für jeden ist. Oder für jede Unternehmung. Ich glaube, dass es auch in unserer Branche Projekte gibt, für die unsere Art zu arbeiten nicht die beste Form darstellt. Wenn Teams zusammensitzen müssen, weil das eben in sehr komplexen Aufgaben Effizienzgewinn bedeutet, dann kann ich mir vorstellen, dass es besser ist, wenn das Team in einem Raum zusammensitzt und sich in die Augen schaut. Wenn die sich gut kennen, kann das auch viel Effizienz bringen. Von daher machen wir keine Propaganda für unsere Arbeitsform. Wir haben festgestellt, dass das für Vast Forward super funktioniert und gleichzeitig für unsere Kunden nicht bedeuten muss, dass wir uns weg anfühlen. Für unsere Kunden war  es vorher schon so: Der Kontakt war E-Mail, Skype und Telefon, weil wir in Hamburg gesessen haben und unsere Kunden halt in Deutschland verteilt und in der Schweiz. Die wissen ja gar nicht, wo wir sind. Wenn wir jetzt telefonieren würden statt skypen, könnten wir auch in Hamburg sitzen und es würde genauso stattfinden. In ganz, ganz vielen Medienberufe kann vieles freier stattfinden als 9 to 5. Ob das immer besser ist, steht auf einem anderen Blatt." "Unsere Strukturen sind ziemlich klar. Wenn Du fragst, was ein Nachteil ist, würde ich vielleicht ein anderes Wort verwenden. Was immer wieder anstrengend ist und was Konsequenzen sind, ist, dass wir zum Beispiel sehr viel Wert darauf legen müssen, wie wir miteinander sprechen oder auch schreiben. Es ist ja heutzutage so: In dieser Chat-Zeit wird häufig etwas geschrieben, was ganz schnell falsch verstanden werden kann, wenn man das Gegenüber nicht kennt und die Tonalität nicht einschätzen kann. Und bei uns findet ganz viel Abstimmung statt über Chat oder über E-Mail. Wie schreiben wir also? Da müssen wir viel Energie reinstecken. Überhaupt Kommunikation: Wann ist welches Mittel eigentlich richtig? Asynchron – also ich schicke eine E-Mail und die kann da irgendwo rumliegen – oder rufe ich an oder versuche einen Chat, der sofort wahrgenommen wird, als synchrone Kommunikation. Das ist jetzt kein Nachteil, das ist eine Herausforderung. Das ist ein Punkt, den wir erst lernen mussten: Die gesamten Formen der Kommunikation professionell zu betrachten. Das ist nichts, was von selbst funktioniert und das ist auch nichts, was man von jedem Mitarbeiter einfach so erwarten kann." Wie lange wollen Sie noch so leben und arbeiten? "Erst einmal haben wir uns kein Datum gesetzt, wo das alles vorbei ist. Solange die Gesundheit mitspielt, hoffen wir, dass wir das noch viele Jahre machen können. Aber natürlich denken wir, dass wir irgendwann aufs Festland zurückgehen, weil die Gesundheit – wir werden ja auch älter – nicht mehr mitspielt. Wir sind momentan auch auf dem Weg, dass wir dann nach Deutschland zurückgehen. Aber wahrscheinlich nicht mehr in die Stadt, sondern in die Nähe vom Meer." "Wir haben ja auch Familie. Genauso, wie wir versuchen, über das Jahr, wenn wir reisen, die Familienbesuche mit dem Job immer wieder zu vereinen, ist das auch für die Zukunft immer die Frage: Welches Szenario könnte dazu führen? Wenn wir keine Lust mehr haben, dann würden wir aufhören oder wenn einer von uns keine Lust mehr hat, würden wir auch aufhören. Oder wenn wir uns aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen fühlen, dann würden wir es auch lassen. Wir haben das jetzt nicht gewählt als Zwangsmaßnahme für die nächsten zehn Jahre, sondern als das für uns im Moment am besten passende Lebensmodell und sagen immer, wir haben kein Enddatum, wir planen aber auch nicht weiter als sechs Monate. Wenn sich in einem halben Jahr die Bedingungen ändern, werden wir flexibel sein. Und dann ist nicht der Traum zu Ende, sondern der Abschnitt, den wir bis dahin hatten. Wir gucken ja auch schon auf drei Jahre Erfahrung zurück und es ist nicht so, dass wir jetzt irgendwas anders machen würden, sondern es ist toll so wie es ist, solange es so ist." "Wir lieben es." "Ja, das auch." Wohin geht es als nächstes? "Für dieses Jahr ist der Plan, dass wir noch ein bisschen Südfrankreich mitnehmen, dann rüber nach Elba, dann italienisches Festland nach Süden, nach Neapel. Eventuell noch einmal nach Sardinien, wobei wir da nicht sicher waren, weil wir da schon sehr lange waren – fast sechs Monate im zweiten Jahr – aber eventuell nehmen wir das nochmal mit, weil es eine wirklich wunderschöne Insel ist und dann Sizilien und wir denken, -weil wir doch sehr langsam unterwegs sind mit dem Arbeiten und wetterbedingt, dass wir in Sizilien überwintern werden. Und dann ist der Plan, relativ früh im Jahr – also im Februar – wenn das Wetter mitspielt nach Griechenland rüber - beziehungsweise Griechenland, Kroatien und Venedig steht auf dem Plan. Und dann im Sommer wieder hierher. Und dann geht es rüber Richtung Kanaren, sodass wir im November nächsten Jahres auf den Kanaren sind, um dann den Atlantik zu überqueren und in die Karibik zu gehen. Und dann kommt die nächste Herausforderung auf uns zu, nämlich die Zeitverschiebung und Arbeiten." "Aber so weit sind wir noch nicht." mehr…
31. August 2018
Von: Thomas Krause
Morgens ein Bad im Meer, den ersten Kaffee gönnt man sich im Cockpit: Das Arbeitsumfeld von Maren und Matthias Wagener ist alles andere als normal. Die Hamburger leiten ihre Firma von einer Segelyacht aus. Wie klappt das?