Fischereirechte

Normannen rammen britische Boote – der Muschelkrieg im Ärmelkanal eskaliert

Die "Honeybourne 3 " aus Schottland wurde von den Normannen umzingelt und verjagt.
Foto: Andrew Matthews / DPA
30. August 2018
Von: Gernot Kramper
Der Muschelkrieg zwischen Franzosen und Engländern schwelt seit Jahren. Nun haben normannische Fischer britische Boote im Ärmelkanal gerammt. Der Grund: Während für die Franzosen ein Fangverbot gilt, räumen die Briten ihre Bestände ab.
Seit Jahren schwelt der Muschelkrieg zwischen französischen und englischen Fischern. Sie streiten um die Rechte an den begehrten Jakobsmuscheln im Ärmelkanal. Ärmelkanal trifft es dabei nicht genau: Die Briten fischen exakt zwölf Meilen vor der französischen Küste in der Bucht der Seine. Nun hatte sich eine Flotte von etwa 40 französischen Booten versammelt, um die Briten vom weiteren Plündern der Bestände abzuhalten. Dabei wurden die Boote von der Insel offenbar mit Absicht gerammt.

Der Muschelkrieg im Ärmelkanal

Im Prinzip dürfen die britischen Fischer dort arbeiten, die Franzosen werfen ihnen illegale Raubfischei vor, die die Bestände ruiniere. "Wir Franzosen fuhren zu den Briten rüber, um sie von ihrer Arbeit abzuhalten, und die Schiffe kollidierten miteinander", sagte Dimitri Rogoff ungerührt. Er leitet das das Fischereikomitee der Normandie.
Die Briten wurden schließlich verjagt. Zwei Boote, die "Golden Promise" und die "Joanna C", kehrten mit beschädigten Fenstern in ihren Hafen zurück. Dort sagten die Fischer, sie seien von den Franzosen umzingelt und mit Steinen und Metallteilen beworfen worden.
Nathan Clark, der Skipper der dreiköpfigen Joanna C aus Brixham, sagte im TV, es sei "sehr beängstigend", wenn Steine und Fackeln auf das Boot geworfen würden. "So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. Es war ein absoluter Albtraum. Da wurden Gegenstände geworfen und wir wurden gerammt. Mein Neffe Callum war wie versteinert - es ist sein erstes Jahr auf den Booten und er hatte Angst um sein Leben. Wir mussten ihn ins Bootshaus bringen, damit er Deckung hatte."
"Das wird uns nicht aufhalten. Wir nehmen uns jetzt ein paar Tage frei, aber dann gehen wir wieder raus. "
Die Sprecherin der französischen Lokalregierung, Ingrid Parrot, relativierte: "Diese Dinge wurden von beiden Seiten geworfen - von den Engländern und von den Franzosen. Beide Seiten waren extrem angespannt."
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Normannen müssen die Muscheln schützen

Kern des Ärgers: Paris hat strenge Restriktionen für den Fang der teuren Muscheln erlassen. Die französischen Fischer dürfen die Muscheln nur vom 1. Oktober bis zum 15. Mai fangen. Jetzt also nicht. Der konservativen Regierung in London liegt der Schutz der Bestände vor Frankreichs Küste nicht so am Herzen, ihre Fischer dürfen das ganze Jahr auf Jagd gehen.
Ihr Trick: Sie graben jetzt die Bestände ab, wo es sich schon lohnt, die Normannen aber noch im Hafen bleiben müssen. Die lokalen Fischer fürchten, dass für sie nur die Reste übrig bleiben.  
"Die Briten benehmen sich wie an einem All-inclusive-Buffet - sie fischen, wann sie wollen, wo sie wollen und so viel sie wollen", beschwerte sich Rogoff. "Wir wollen sie nicht vom Fischen abhalten, aber sie könnten wenigstens bis zum 1. Oktober warten, damit wir teilen können. Jakobsmuscheln sind ein Vorzeigeprodukt der Normandie, eine wichtige Ressource. Das ist ein hochsensibles Thema."
An einem Schutz der Bestände werden die Briten jetzt weniger Interesse haben, als je zuvor. Im März 2019 steht der Brexit bevor. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Briten dann weiterhin so nahe an französischen Gewässern fischen dürfen, ohne sich um die Pariser Schutzzeiten zu scheren. 

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