Alarmierendes Ranking

Umfrage zeigt: Darum wird Deutschland bei ausländischen Fachkräften immer unbeliebter

Das Image der Deutschen im Ausland ist nicht das Beste
Foto: franckreporter / Getty Images
6. September 2018
Von: Daniel Bakir
Eine internationale Studie zeigt: Ausländische Fachkräfte fühlen sich in Deutschland immer unwohler. In einer zentralen Kategorie der Umfrage schneiden nur Kuwait und Saudi-Arabien noch schlechter ab.
Die deutsche Wirtschaft verlangt nach Fachkräften aus dem Ausland. Doch diese haben laut einer Studie immer weniger Lust, nach Deutschland zu kommen. In einem jährlich erhobenen Attraktivitäts-Ranking für ausländische Fachkräfte stürzt Deutschland im internationalen Vergleich dramatisch ab. Demnach liegt die Bundesrepublik auf der Beliebtheitsskala für ausländische Fachkräfte nur noch auf Platz 36 von 68 Ländern. Im Vorjahr war es noch Rang 23 gewesen, vor vier Jahren Rang 12.
Für die Studie "Expat Insider 2018" befragte das Netzwerk Internations mehr als 18.000 Menschen aus 178 Nationen zu ihren persönlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Ausland. Die 1700 Teilnehmer aus Deutschland stellen ihrem Gastgeberland vor allem in einer Kategorie ein verheerendes Zeugnis aus: "Ease of settling in", also wie leicht es fällt, sich in der neuen Heimat einzugewöhnen. Hier liegt Deutschland auf Platz 66 von 68 - ein Sturz um zehn Plätze. Nur in den Golfstaaten Kuwait und Saudi-Arabien ist es aus Sicht der Befragten noch schwieriger, sich zu integrieren.

Von wegen Willkommenskultur

Dass die Deutschen allgemein nicht als die freundlichsten Menschen gelten, wurde bereits in früheren Umfragen deutlich. Besonders negativ stößt den Befragten der aktuellen Studie allerdings die Einstellung gegenüber Fremden auf: Nur 13 Prozent sagen, die Deutschen seien sehr freundlich gegenüber Ausländern - ein äußerst schwacher Wert. Der Durchschnittswert aller Länder liegt mit 28 Prozent mehr als doppelt so hoch. Zudem erklärt mehr als jeder Zweite, es sei hierzulande schwer, einheimische Freunde zu finden. Ein US-Amerikaner bezeichnet Deutschland als "sehr kaltes und sozial isolierendes Land". Ein Kanadier beklagt das "fehlende Verständnis für die Vorteile einer multikulturellen Gesellschaft".
Die Befragung fand übrigens vor den Vorfällen von Chemnitz statt. Doch auch so dürfte der verschärfte Ton in der Flüchtlingsdebatte zu den schlechten Werten in der Studie beigetragen haben. "In den letzten zwei Jahren wurde viel öffentlich über Migration diskutiert und das kriegen unsere Befragten natürlich mit", sagt Internations-Chef Malte Zeeck dem "Manager Magazin". Nach den Ausschreitungen von Chemnitz hatten sich zahlreiche Wirtschaftsvertreter besorgt über die Folgen für das Image Deutschlands in der Welt geäußert. Der Chef der IHK Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich, sagte: "Das Bild, das jetzt von unserer Stadt weltweit gezeichnet wird, droht auch unsere Anwerbeversuche von Arbeitskräften im In- und Ausland zunichte zu machen."

Gute Jobs, lahmes Internet

Als einer der Hauptgründe für Schwierigkeiten bei der Integration gilt den Befragten aber auch die Sprachbarriere, die in kaum einem anderen Land als so groß empfunden wird wie in Deutschland. "Die Sprache ist sehr schwer zu lernen und wenn man sie nicht kann, fühlt man sich isoliert", sagt ein Umfrageteilnehmer aus den USA.
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Das Privatleben ist also für viele schwierig, mit dem Arbeitsleben sind die meisten dagegen sehr zufrieden. Die wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit der Arbeitsplätze sind in den Augen der Expats das größte Plus in Deutschland. Die meisten sind mit ihren Jobs sehr zufrieden.
Überdurchschnittlich zufrieden sind ausländische Fachkräfte in Deutschland auch mit dem Bildungs- und Gesundheitssystem sowie mit der Verkehrsinfrastruktur. Negativ fällt dagegen die schwache digitale Infrastruktur auf. So bemängelt ein Studienteilnehmer aus Moldau die mangelhaften Online-Services der Behörden sowie die "primitive Internetverbindung" in Deutschland.