Start-ups

Wie Deutschlands Supermärkte von "Die Höhle der Löwen" profitieren

Little Lunch in einem Supermarktregal
Foto: Hauke-Christian Dittrich/ / Picture Alliance
5. September 2018
Von: Katharina Grimm
Für Start-ups ist es unendlich schwierig, in Deutschlands Supermarktregale zu gelangen. Die TV-Show "Die Höhle der Löwen" hilft ihnen dabei. Von den jungen Produktideen profitieren auch die Supermärkte.
Der Badener Eugen Lacroix sorgte in den 1920er Jahren für etwas Neues: Er wollte, dass auch ungeübte Köche überzeugende Gerichte auf den Tisch bringen können. Und so füllte er sämige Suppe und feinste Brühen in Dosen ab und verkaufte sie. Mitte der 1960er Jahre griff auch Jürgen Langbein in Hamburg diese Idee auf. Er verkaufte zuerst Hummer- und Krebspaste auch außerhalb der Fangsaison. Später kamen dann auch Süppchen dazu. Bis heute wird das Dosensuppenregal von diesen Traditionsunternehmen dominiert. 
Doch die Platzhirsche bekommen Konkurrenz. In Hamburgs größter Edeka-Filiale müssen Lacroix und Langbein nun zusammenrücken, um Platz zu machen für Little-Lunch-Suppen. Das Start-up der beiden Brüder Daniel und Denis Gibisch überzeugte in der zweiten Staffel von "Die Höhle der Löwen" auf Vox die Investoren Frank Thelen und Judith Williams. Für 150.000 Euro gehört den beiden Löwen 30 Prozent am Suppen-Start-up. Und das boomt: Mitte Juli sammelten die Gründer innerhalb von 20 Stunden 1,25 Millionen Euro via Crowdfunding ein. "Mit der neuen Finanzierung werden wir den Vertrieb in Deutschland nochmal stark ausbauen und die Expansion in weitere europäische Länder vorantreiben", sagte Daniel Gibisch zur "Gründerszene". In rund 10.000 Einzelhandelsfilialen gibt es ihre Suppen schon, dazu kommt der Verkauf über Plattformen wie Amazon und der eigene Webshop. Little Lunch hat den Durchbruch geschafft. 
"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

Start-ups im Supermarkt

Für Gründer ist es unendlich schwer, im Lebensmitteleinzelhandel gelistet zu werden. Bei Edeka gibt es unabhängig arbeitende Kaufleute - sie allein wählen aus, welche Produkte in ihre Regale gelangen. Doch die jungen Unternehmen und ihre innovativen Produkte sind für Supermärkte kaum noch wegzudenken, denn sie können den Unterschied ausmachen im Kampf gegen die Discounter. Denn Aldi, Lidl und Co. haben zur Attacke auf die Supermärkte geblasen und listen zunehmend Markenprodukte. Das erhöht den Druck auf die Preise und nimmt den Supermärkten das Alleinstellungsmerkmal. Um noch gegen die Billigheimer punkten zu können, brauchen sie frische Ideen und neue Produkte. Und die liefern Start-ups.
Bei Rewe kümmert man sich deshalb gezielt um junge Unternehmen. "Wir haben inzwischen einen eigenen Start-up-Award", sagte Hans-Jürgen Moog, Einkaufschef bei Rewe, beim "Food Innovation Camp" von "Hamburg Start-ups" Anfang Juli. "Wir wollen den Kontakt zu Gründern." Man habe bei Rewe auch eine Emailadresse eingerichtet, damit Gründer sich schneller mit den Kaufleuten vernetzen können.
Anzeige
Anzeige

Edeka will junge Firmen locken

Ähnlich will auch Edeka Start-ups an sich binden. Anfang 2018 eröffnete die Supermarktkette den Food Tech Campus in Berlin. Die Idee dahinter: Unter einem Dach sollen Experten aus den Bereichen Food, Technologie und Handel neue Produkte für den Einzelhandel entwickeln. Schon seit Sommer 2017 gibt es Edeka Foodstarter, eine Online-Plattform, über die sich Start-ups bei teilnehmenden Kaufleuten vorstellen können. Gefallen die angebotenen Produkte, können diese direkt gelistet werden. "Mittlerweile nutzen rund 900 Edeka-Kaufleute mit insgesamt 1500 Märkten die Plattform. Mehr als 900 Start-ups haben sich registriert, rund 600 Artikel sind aktuell bestellbar", so ein Edeka-Sprecher. "Das Feedback ist positiv – die Kaufleute sehen in der Innovationskraft der Start-ups eine große Chance."
Und diese Chance müssen die großen Supermärkte auch nutzen, denn die Discounter graben ihnen das Wasser ab. Mit schickeren Filialen und erweitertem Sortiment dringen Aldi, Lidl und Co. in die Jagdgründe der Vollsortiment-Märkte vor. Die Billig-Zeiten sind vorbei, zeigte eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung schon vor einigen Jahren. Wollen die Discounter wachsen, müssen sie mehr bieten. Das tun sie - zum Leidwesen von Rewe und Edeka.
Also suchen die Supermärkte neue Anreize. Den Einkauf zum Erlebnis machen, viel Neues anbieten - so wollen sie die Kunden in ihre Läden locken. "Der Handel ist gierig nach neuen Produkten", sagt Moog. Die Sendung "Die Höhle der Löwen" kommt für die Einzelhändler wie bestellt: Abends werden den Zuschauern zur Primetime Produkte vorgestellt, am nächsten Tag finden sie diese in Drogerien und Supermärkten um die Ecke. Vor allem mit dem Einstieg von Ralf Dümmel als Investor nahm diese Dynamik richtig Fahrt auf. Allerdings listet der seine Deals nicht nur bei den großen Supermärkten, sondern auch bei Discountern wie etwa Netto. Dort werden die Produkte aus der Show zur Angebotsware.   

"Die Fläche muss den Umsatz machen"

Doch ob "DHDL"-Gründer oder Start-up ohne TV-Unterstützung: Selbstläufer sind die Produkte von neuen Unternehmen nicht. Denn in den Supermärkten wird um jeden Meter Regal gekämpft. "Es gibt bei uns keine garantierte Listungszeit", sagt auch Moog. "Die Fläche muss den Umsatz machen. Wir merken schnell, ob der Kunde auf das Produkt anspringt." Oder eben nicht - dann segelt es wieder aus dem Sortiment. Für Gründer eine riskante Wette, denn mit der Listung müssen sie häufig die Produktion hochfahren. Das bedeutet Investitionen, höhere Lager- und Personalkosten. Setzen sie sich im Supermarkt nicht durch, kann das schnell das Aus bedeuten. "Der Platz in den Supermarktregalen ist begrenzt. "Ob Eigenmarke oder Marke: Wir legen Wert darauf, dass sich neue Produkte tatsächlich im Regal differenzieren und dem Verbraucher einen nachvollziehbaren Zusatznutzen bieten - zum Beispiel durch neue Geschmacksrichtungen, besondere Rezepturen oder hochwertige Rohstoffe", so ein Edeka-Sprecher. 
Little Lunch hat sich durchgesetzt. Im Juli konnte die junge Firma in nicht einmal 20 Stunden ein Crowd-Investment über 1,25 Millionen Euro einsammeln. In rund 20.000 Läden im deutschsprachigen Raum bekommen Kunden die Suppen. Inzwischen zählt die Suppe-Firma laut der "Lebensmittelzeitung" zu den 100 Top-Marken in Deutschland. Dabei ist das Unternehmen erst 2014 gegründet worden. 

"Die Höhle der Löwen"

Po-Duschen bis Hundehaufen: Das waren die 5 kuriosesten "DHDL"-Momente 2017