Deutscher Gründerpreis

Der stetige Kampf gegen Softwarefehler

Zwei der vier CQSE-Gründer Martin Feilkas (l.) und Elmar Juergens.
Foto: Dirk Bruniecki/Deutscher Gründerpreis
9. September 2018
Von: Jan Boris Wintzenburg
Ein Start-up aus München hat die Idee schon bei der Entstehung von Software die Qualität zu überwachen. Inzwischen nutzen auch große US-Konzerne ihr Programm, um Software schneller, günstiger und besser zu erstellen.
Das Geschäftsmodell von CQSE klingt paradox: Ein junges Unternehmen, dass seinen Erfolg auf uralte Software stützt? Doch genau so ist es: CQSE aus München hat ein Geschäft daraus gemacht, das Altern von Unternehmenssoftware zu verhindern. Heute werden Programme über Jahre von Heerscharen von Entwicklern geschrieben, weiterentwickelt und umgebaut. Niemand weiß in der Regel mehr, wer welchen Teil des Programms geschrieben hat, was er genau macht und ob Fehler in ihm stecken. Manchmal sind die verantwortlichen Programmierer längst nicht mehr in der Firma. „Oft wird der Code einfach weiter  kopiert“, sagt Martin Feilkas, einer der Gründer von CQSE. „So entstehen Fehler, die sich in der gesamten Software ausbreiten. Aber wir finden diese Fehler.“
Das Kürzel CQSE steht für „Continous Quality in Software Engineering“ – am besten übersetzt mit „Gleichbleibende Qualität bei der Programmierung“. Die Software der vier Gründer Feilkas, Florian Deißenböck, Benjamin Hummel und Elmar Juergens heißt „Teamscale“. Sie überwacht schon bei der Programmierung, ob alle Standards eingehalten oder gar Fehler gemacht werden. Und sie checkt, ob unbeabsichtigt Konflikte mit anderen Teilen der Software entstanden sind. „Das spart viel Zeit und Geld, weil Probleme sofort gelöst werden können.“
Die besten Entwickler machen die meisten Fehler
Die vier promovierten Softwareexperten aus München hatten Teamscale eigentlich nur für den Eigenbedarf entwickelt, um Firmen besser beraten zu können. Aber sie erkannten schnell, dass es eine enorme Nachfrage nach genau so einem Programm gab und entwickelten eine Version für den eigenständigen Einsatz bei Kunden. Ihnen ist wichtig, dass Teamscale kein Mittel zur Leistungskontrolle ist: „Die besten Entwickler machen die meisten Fehler“, erklärt Florian Deißenböck. „Sie arbeiten nämlich immer an den schwierigsten Problemen. Deswegen ermöglichen wir bewusst keine Fehlerzählung.“
Die Programmierer sollen das Programm als Hilfe ansehen, nicht als Mittel des Unternehmens oder ehrgeiziger Chefs, den Leistungsdruck zu erhöhen. Schließlich sind Software-Entwickler momentan die wohl gefragtesten Mitarbeiter auf dem globalen Arbeitsmarkt.
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Im Kern der Softwareentwicklung
Ihre eigenen Mitarbeiter gewinnt CQSE vor allem an der TU München, an der alle vier Gründer studiert haben. Ein neues Bürogebäude in strategischer Nähe ist bereits in Bau. Aber große Sorgen, dass einige der momentan 33 Beschäftigten abgeworben werden könnten, gibt es offenbar nicht: Alle stehen mit ihren kompletten Mail- und Telefondaten auf der Homepage der Firma. „Ein System wie Teamscale ist für Programmierer total faszinierend“, erklärt Martin Feilkas, der sich selber durchaus ein bisschen als Nerd bezeichnet. „Wir arbeiten im Kern der Softwareentwicklung.“ Außerdem stimme die Unternehmenskultur bei CQSE.
Momentan macht das 2009 gegründete Startup rund drei Millionen Euro Umsatz. „Aber der Markt ist riesig“, schwärmt Deißenböck. „Die Systeme werden immer komplexer, Softwareupdates immer schneller veröffentlicht Das spielt uns total in die Karten. Als nächstes steht die Gründung einer Filiale in den USA an. Auch da soll es ja viel alte Software geben.
CQSE ist für den Deutschen Gründerpreis 2018 nominiert, der am 11. September vom stern zusammen mit den Sparkassen, Porsche und dem ZDF in Berlin verliehen wird.