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Noch Fragen?

Gast

Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben- Rücktritt möglich?

Hallo,
Ich hatte mich bei einer Firma beworben und wurde danach auch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, zu der ich auch ging. Dort haben wir die Details besprochen und mir wurde mein erster Arbeitstag bekannt gegeben. Jedoch habe ich meinen Vertrag noch nicht unterschrieben. Jetzt habe ich von einer Firma ein Angebot, auf das ich schon länger gewartet hatte bekommen. Jetzt weiß ich nicht was ich tun soll, da mir die andere Stelle viel lieber wäre. Ist ein Rücktritt noch möglich?
Frage Nummer 3000122714
Antworten (19)
So etwas passiert immer mal wieder, viele Firmen kennen das aus Erfahrung.
Ich würde denen einfach ohne großes Tara wieder absagen, evtl. geht das ja auch per E-Mail?

Und aus die Maus
Ohne Unterschrift ist ja noch gar kein Vertrag zustande gekommen. Du brauchst also von keinem Vertrag zurücktreten. Klar plagt dich jetzt das schlechte Gewissen, aber du solltest an dich selbst denken und dort anfagen, wo du meinst, dass du glücklicher wirst. Es wäre aber fair, der Firma schnellstmöglich abzusagen, in der du nicht anfängst.
Heikle Aussage, latura! Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass es für einen Arbeitsvertrag zwingend Schriftform mit Unterschrift braucht. Siehe z.B. hier!
Ok, umjo akzeptiert. Trotzdem wird das den Fragensteller keinen Mut machen, seiner Glückseligkeit zu folgen. Ich rate dem Frangensteller trotzdem abzusagen und bei der "Wunsch-Firma" anzufangen.

Und mal ganz ehrlich: Als Arbeitnehmer kann ich in der Probezeit mit einer Frist von 2 Wochen kündigen und könnte dann trotzdem relativ schnell in dem anderen Unternehmen einsteigen.

@umjo: Ich hoffe, du suchst jetzt nicht die Paragraphen heraus, die die Ausnahmen der 2 wöchigen Kündigungsfrist in der Probezeit behandeln.
Na, dann ist die Sache für mich erledigt!

Und ich gebe Dir recht: 2 Wochen, um allen juristischen Stolperfallen aus dem Weg zu gehen, und dann zum Wunschverein wechseln...
Hier rächt sich eine weit verbreitete Schwäche:
!!Entscheidungsunfähigkeit!!

Völlig egal, was Du machst, Du bist eine Lusche und wirst nicht großartig vorankommen. Geh zu der Firma, auf deren Angebot Du gewartet hast, die andere verpasst nichts und sie wird das wohl auch so sehen und Dir keine Steine in den Weg legen.

Für die Nicht-Luschen:
- irgendwann trifft man eine Entscheidung. Man einigt sich auf Konditionen und Arbeitsbeginn, schließt eine Vereinbarung und hält sich daran.
- noch am gleichen Tag schreibt man allen noch offenen Bewerbungen mit Bedauern ab. Man habe sich zu einem anderen Job entschieden.
Man möge das nicht persönlich nehmen, das habe nichts mit der Eignung des Betriebes zu tun, der andere sei nun mal besser ...
Der letzte Satz ist natürlich Quatsch, aber eine Entscheidung zu einem "ja" hier ist gleichzeitig ein "nein" überall sonst, das ist die Crux bei Entscheidungen. Manchmal sind sie falsch, aber das ist erstaunlich selten.

Und wer nicht entscheiden kann, soll bei subalternen Tätigkeiten bleiben.
@umjo
Ich empfehle Dir mal, Deine verlinkte Seite zu lesen.
Copy&Paste:
"Es reicht sogar, wenn sich aus Ihrem Verhalten ergibt, dass der Arbeitsvertrag gelten soll. Typisch hierfür ist die Aufnahme der Arbeit."
Genau das tut aber der Fragesteller nicht. Er lehnt den Arbeitsvertrag ab und basta. Nix mit mündlich.
rayer, Du greifst Dir die Aufnahme der Arbeit -als das typischste- Merkmal eines bereits geschlossenen Arbeitsvertrags heraus, um daraus herzuleiten, dass 'nix mit mündlich', unterschlägst aber geflissentlich die im weiteren aufgezählten Merkmale
Copy&Paste:
"Entscheidend ist in jedem Fall, dass Einigkeit über die wesentlichen Punkte des Arbeitsvertrages besteht. Zu diesen wesentlichen Punkten gehören:

1. Einigung, darüber, dass ein Arbeitsvertrag bestehen soll
2. Einigkeit über die Art der Arbeit, also darüber, was Sie tun sollen
3. Höhe der Vergütung"

Der Beginn des Arbeitsverhältnisses ist also nach meinem Verständnis nur eines -wenn auch das stringenteste- von mehreren
Merkmalen.

Und die Punkte 1-3 sind ja wohl nach den Schilderung von Gast erfüllt.

Im übrigen können wir gerne über das Für und Wider diskutieren.
Deine Überheblichkeit kannst Du Dir dabei allerdings gerne sparen!
@umjo
Du solltest Deinen Link doch mal lesen. Es geht darum, ob der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Einhaltung eines mündlichen Vertrags hat, nicht um den Arbeitgeber.
rayer, der Artikel richtet sich sicherlich an den AN. Das ändert doch aber nichts daran, dass die aufgelisteten Kriterien für den Bestand eines -mündlich geschlossenen- Arbeitsvertrages sprechen.
Was für AN und AG gleichermaßen gilt.
Deiner Meinung nach.
Zum Glück sind Meinungen im Vertragsrecht nicht vorgesehen.
@rayer: dazu braucht man keine "Meinung" zu haben.

Ein mündlicher Vertrag ist ein Vertrag. Das sieht das deutsche Vertragsrecht so vor.

Ein mündlicher Vertrag kann sowohl durch eine einheitliche Willenserklärung beider Partner (im Sinne von: "ich mache Ihnen ein Angebot" und "ich nehme das Angebot an") zustande kommen (das sollte völlig unstrittig sein)
Als auch durch gemeinsames konkludentes Handeln. Da wird oft als Beispiel herangezogen, dass ein AN einfach anfängt zu arbeiten - wenn der AG ihn dann lässt, dann ist das auf einmal ein Arbeitsvertrag. Wenn man mit dem AG den ersten Arbeitstag vereinbart, dann ist das nach dem ersten Anschein ein solches konkludentes Handeln.

Ohne Zusatzinfos ist die geschilderte Situation geeignet, einen mündlich geschlossenen Arbeitsvertrag zu begründen.

Aber wie ich oben bereits geschrieben habe, wird der AG keinen großen Wert darauf legen, dass er eingehalten wird.
@ing
Den Link lesen, verstehen und dann darfst Du Deine Meinung gerne äußern.

Copy&Paste
Dieses "Ja" zum Arbeitsvertrag müssen Sie nicht zwingend aussprechen; Sie können z.B. auch einfach die Arbeit aufnehmen. Natürlich hat auch eine Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag die gleiche Wirkung.

Zwei wichtige Kriterien die nicht erfüllt werden:
1. Einigung, darüber, dass ein Arbeitsvertrag bestehen soll.
2. Beginn des Arbeitsverhältnisses.

Fragesteller unterschreibt nicht und fängt das Arbeiten nicht an.

So, jetzt könnt Ihr euch das schönreden.
Es fehlt an einer Einigung darüber, dass ein Arbeitsvertrag bestehen soll, rayer?

Gast schrieb: "...Dort haben wir die Details besprochen und mir wurde mein erster Arbeitstag bekannt gegeben..."

Was braucht's noch an Einigkeit?

Ach ja, die Unterschriften...
Rayer, nein, eine Unterschrift muss nicht erfolgen.

Eine Einigung und somit ein Arbeitsvertrag kann mündlich abgeschlossen werden. So wie Ing es schreibt.

Du meinst nun:
Zwei wichtige Kriterien die nicht erfüllt werden:
1. Einigung, darüber, dass ein Arbeitsvertrag bestehen soll.
2. Beginn des Arbeitsverhältnisses.

Nun behauptest du, dies hätte nicht vorgelegen, aber aus den Informationen geht nichts diesbezüglich. hervor.

Wenn die beiden in dem Gespräch nicht nur "die Details besprochen" haben sondern auch ein Einverständnis getroffen haben, wenn nicht nur gesagt wurde, ihr erster Arbeitstag wäre der 1.7., sondern:
"Wir sehen uns dann am 1.7. ihrem ersten Tag bei uns" und zustimmend mit "Ja" geantwortet wurde, dann ist in den wichtigen Punkten eine Einigung erzielt und der Vertrag ist gültig.

Da der Gast hierzu keine Details gibt, kann es sein, dass keine Entscheidung gefallen ist, aber ich habe noch nie von einem Personaler gehört, der einen Vertrag zugeschickt hätte, wenn das Vorstellungsgespräch nicht mit einer beiderseitigen einvernehmlichen Willenserklärung geendet hätte.
Mit einer solchen Willenserklärung ist das Unterschrieben des Vertrages, wenn nicht ungewöhnliche Details enthalten sind, reine Formsache.
Dann besteht mal auf euren Vertrag. Viel Glück.
Auf seinem Vertrag bestehen, das will der Fragesteller ja eben nicht, im Gegenteil.

Aber wenn die Situation umgekehrt wäre: es ist wie immer im Leben eine Frage der Beweisbarkeit.
Der AG könnte so etwas in aller Regel, denn in einem Bewerbungsgespräch sitzen im allgemeinen zwei AG-Vertreter.
Der AN hat da eher Schwierigkeiten, sitzt er doch alleine dort. Auch ist das Verhältnis zwischen AG und AN ein strukturell ungleiches, daher gehen die meisten Ratgeber völlig zu Recht davon aus, dass der AN Hilfe braucht.

Ist ein mündlicher Vertrag aber beweisbar, dann lässt er sich ohne weiteres einklagen, da braucht es keinerlei Glück.
Viel Glück
Ich hab mich mal mit unserem Personaler unterhalten. Grundsätzlich braucht es einen unterschriebenen Vertrag bei befristeten Arbeitsverhältnissen, da gibt es kein mündliches Einverständnis. Bei unbefristeten Verträgen wird sich kaum eine Firma finden, die die Kosten riskiert eine mündliche Zusage durchzusetzen. Es gilt aber hier die ganz einfache Vorgehensweise der 2-wöchigen schriftlichen Kündigungsfrist auch vor Arbeitsantritt um auf nummersicher zu gehen.
So, das ist jetzt auch die Antwort auf die Frage.
"Ist ein Rücktritt möglich?" Der Rest waren nur Grabenkämpfe um Kaisers Bart und mal wieder wurde (auch von mir) nicht auf die Frage eingegangen.