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Noch Fragen?

friedwald: Pros und Contras

Habe erstmals an einer Urnenbeisetzung in einem Friedwald teilgenommen und bin zugegeben schwer beeindruckt.
Ich weiß als ziemlich regelmäßiger Follower, dass die WC im Grunde von Einigen Wenigen als eine Art Chat, sehr häufig gewürzt mit teilweise erfrischenden Frozzeleien genutzt wird. Daher BITTE, BITTE: nur konstruktive Beiträge!!
Hat jemand von Euch eigene Erfahrungen, bzw. eine verwertbare Meinung bzgl. Beisetzungen in Friedwäldern?
Frage Nummer 105703
Antworten (29)
Die, die es wüssten, sind bereits verstorben.
Have a nice inurned cremation.
Nun mal ernsthaft: was genau möchtest Du denn wissen?
Ich bin mal bei einer solchen "Beisetzung" dabei gewesen und fand es ziemlich unwürdig. Natürlich kann man sich es sich aussuchen, wie man beerdigt werden will, aber ich wünsche es mir so nicht.
Mein Vater, Jahrgang ´29 wollte Vorsorge treffen, und hatte einem Bestattungsunternehmen mehrere tsd. € im Voraus gezahlt, für den Fall das....bereits nach drei Jahren sollte er weitere mehrere hundert € zahlen, wegen Kostensteigerung, Inflation..etc... Mit Mühe und viel Beistand ist er aus diesem sittenwidrigen Vertrag wieder herausgekommen. Das hat jetzt mit Friedwald nichts zu tun, ich möchte nur vor Abzockern warnen.
Das hat mit Friedland wirklich nichts zu tun.
Ich habe solch eine Beerdigung noch nicht erlebt, stelle es mir aber sehr friedlich vor, in einem Wald begraben zu werden. Sah mal einen Film darüber, würde das jederzeit einer Urnenbestattung vorziehen.
Ein echter Öko lässt sich in der Biotonne entsorgen. Alle bekannten alten Kulturen hatten einen Totenkult, nur unsere Ex-und-Hopp-Generation denkt sich Neues aus.
@primus: Dieses genau möchte ich 'wissen', ernsthaft: "Hat jemand von Euch eigene Erfahrungen, bzw. eine verwertbare Meinung bzgl. Beisetzungen in Friedwäldern?"
@depp: Genau so hatte ich mir konstrutive Gedanken der User dieser WC vorgestellt! DANKE , und... EX UND HOPP!
Nachtrag: ich wohne in der Nähe eines Friedhofes. sehe daher häufig Menschen mit Gießkanne und Pflanzen zur Grabpflege gehen. Was in deren Köpfen bzw. Gefühlswelt abgeht, kann ich nicht beurteilen. Bei mir sind nahestehende Verstorbene kein zu pflegendes Blumenbeet, sondern Erinnerungen, egal wie sie bestattet wurden
spende ein 'k'
Lieber umjo, anscheinend leidest Du unter Langeweile.
Hier meine verwertbare Meinung: Es ist recht preiswert.
@ umjö
Hätte ich gewusst, dass du so bösartig bist, hätte ich nicht geantwortet. Die dritte Antwort im Thread (meine) gibt meine ernsthafte Meinung wieder, wie gewünscht. Die andere Antwort ging an andere User, die offenbar andere Ansichten haben. Aber mich dafür anzupissen widerspricht genau den Erwartungen, die du an die Wissenscommunity hegst.
noch einen Nachtrag: Ich "durfte" es einmal erleben, wie einem Toten postmortum die Finger gebrochen wurden, nur damit er mit gefalteten Händen ein recht gottesfürchtiges Erscheinungsbild hatte, das ist in meinen Augen pietätlos, aber gängige Praxis
Teil1
Ich habe Erfahrung mit dieser Art der Beisetzung. Eine alte Dame aus meinem Bekanntenkreis hatte auf ihrem Grundstück eine herrschaftliche Eiche, die bestimmt schon 500 - 600 Jahre auf dem Buckel hatte. Ihr letzter Wunsch war, dort beigesetzt zu werden. Als es dann soweit war, wurde die Dame eingeäschert, und die Trauergemeinde, die aus den zwei Töchtern, deren Ehemännern, zwei Enkeln, meiner Frau und mir bestand, fanden uns an dieser Eiche ein, die beiden Enkel hoben ein Loch in der Nähe des mächtigen Stamms aus, schütteten aus der mitgebrachten Urne die Asche in das Loch, verschlossen es wieder. Eine Tochter legte auf diese Stelle eine kleine Sandsteinplatte mit den Initialen der Verstorbenen.
Teil2
Alles ohne großen Aufwand, ohne geistlichen Beistand. Das Ganze war ziemlich ergreifend und feierlich, ohne den sonst üblichen feierlichen Rahmen zu haben. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.
Heute steht das Haus verlassen an der kroatischen Grenze. Der Baum wird wohl noch in 300 Jahren dort stehen, und an ihren Wurzeln die Asche der alten Dame.
@ bh_roth
Es kommt nicht darauf an, ob die Asche der alten Dame noch in 300 Jahren dort sein wird. Es kommt darauf an, wo ihre Seele in 300 Jahren sein wird.
bh_roth,
ich meine, diese Dame hat wunderbar Abschied genommen.
danke bh-roth für Deine Antwort. Ohne selbst betroffen zu sein... das Fremdschämen hat sich durch Deine Antwort deutlich reduziert
Zunächst mal ging es darum, wer dazu eine Meinung hat und eigene Erfahrung. Die spirituelle Seite zu beleuchten war nicht gefordert.
Maulkorberlass? Gibt es in der Zivilgesellschaft nicht.
Für mich war mein Opa eine ziemlich wichtige Bezugsperson.
Als er gestorben ist, wurde er ganz normal in einem Erdgrab bestattet. Ich habe ihn dort besucht, nicht oft aber eben immer mal wieder. Als die Liegezeit abgelaufen war, haben meine Eltern sie nicht verlängert. Mittlerweile liegt dort jemand anderes und trotzdem komme ich - nicht oft, aber immer mal wieder - dort hin.
Ich finde die Vorstellung reizvoll, sehr lange auch sporadisch gedenken zu können (so wie ich es hier tue), aber nicht kontinuierlich zu müssen (so wie meine Eltern während der Liegezeit). Der andere, der heute dort liegt, stört mich nicht besonders, aber noch entspannter wäre es, wenn eben nicht an genau der gleichen Stelle einer läge.
moonlady:
Zitat: Ich meine, diese Dame hat wunderbar Abschied genommen.
Ich finde, man hat ihr einen wundervollen Abschied gegeben.
Dorfdepp, deine Aussage mit den "Alle Kulturen" und "Totenkult" ist falsch. Schau Dir mal an, was die Zoroastrier mit ihren Toten tun... Auch Hindus haben keine Gräber; die Asche wird bevorzugt im Ganges verschüttet.
Von daher gilt aus meinen eigenen interkulturellen Erfahrungen, dass das, was als "angemessen" gilt, eine Frage der durch die Erziehung angenommenen Werte ist. Ein strenggläubiger Christ, der an die Auferstehung des Fleisches glaubt, wird sich nicht einäschern lassen, ein Zoroastrier wird sich nicht beerdigen lassen. Ein Freidwald kann eine wunderschöne Empfindung bei einem auslösen und Abscheu beim anderen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur ein "gefällt" oder "gefällt nicht".
Das Einstreuen von menschlicher Asche in deutsche Flüsse würde wahrscheinlich als schweres Umweltvergehen bestraft. Indien sieht das anders.
Ich kenne einen Friedwald in meiner Nähe. Der ist schwer zu erreichen. Weil in meiner Gemeinde auf den Friedhöfen inzwischen viel Platz ist hat man Bäume gepflanzt. Darunter werden die Urnen begraben. ich habe im letzten Jahr an mehreren Urnenbeerdigungen unter teilgenommen. Das finde ich sinnvoller weil auch einige Trauergäste etwas älter waren.
Eine Freundin von mir hat die Urne ihres Mannes in einem Friedwald bestatten lassen. Die Beisetzung und die Trauerfeier waren sehr würdevoll, auch weil da kein Pfarrer irgendwelche Standard -Texte aufgesagt hat, sondern weil ein freier Redner aufgezeigt hatte, was der Verstorbene für Spuren im Leben der Hinterbliebenen lässt. Das Grab ist unter einer großen Buche und das Gelände dort ist weitläufig. D.h. eine sehr große Wiese mit Bäumen. Ein schlichter Stein mit dem Namen markiert die Stelle. Es ist eine Oase der Ruhe und des Friedens. Welch ein Gegensatz zum örtlichen Friedhof, wo eine Art Wettbewerb herrscht, wer den tollsten Grabstein und die üppigste Bepflanzung hat. In Schweden sah ich einen Friedwald, da waren ca. 20 Urnen unter einem Baum bestattet und es waren Namensteine darunter. Das sah ein wenig inflationär aus. In einem Friedwald, wie dem erstgenannten, möchte ich auch mal begraben sein.
Amos: Ich finde es gruselig, aber vor dem Verbrennen werden z.B. Herzschrittmacher entfernt und nach dem Verbrennen manchmal die Metalle entfernt.
Ich war kürzlich an einer Urnenbestattung im Friedwald am Bonner Heiderhof beteiligt. Eine sehr schöne, ruhige Anlage, eine durchaus würdevolle Feier, und im Nachhinein hat man eine Stelle zu der man seine Trauer tragen kann, ohne daß eine regelmäßige Grabpflege erforderlich wird. Das war in diesem Fall wichtig, weil alle Angehörigen selbst schon in sehr fortgeschrittenem Alter sind und/oder weit entfernt leben. Es gibt zu einem solchen Urnenfeld eine zentrale Gedenkstelle, wo an Stelen die Namen der dort Beigesetzten angebracht sind und der Blumenschmuck der jeweils jüngsten Beerdigungen gewissermaßen zu Ehren aller Verstorbenen ausgelegt wird. Dort kann man natürlich bei einem Besuch auch noch weitere Blumen ablegen.

Übrigens: In dem Friedwald am Heiderhof gibt es auch konventionelle Grabstätten für Erdbestattungen.
Liebe/r Umjo,

ich habe mich jetzt mal extra für Dich hier angemeldet, weil ich gerne meine Meinung zum Friedwald abgeben möchte. Ich habe noch keine direkte Erfahrung, sondern habe mich zwecks eigener Vorsorge damit beschäftigt. Ich war bei einer kostenfreien Waldführung dabei, d. h. man kann sich das alles ansehen und Fragen stellen. Ich bin von der Bestattungsform überzeugt und möchte das für mich (derzeit 45 Jahre) genauso arrangieren. Ich habe den Wunsch unter einer bestimmten Baumsorte bestattet zu werden. Diese möchte ich im Idealfall selbst pflanzen. Leider kann ich Dir keine Erfahrung aus erster oder zweiter Hand (Witz) mitteilen, dennoch: ich bin davon überzeugt. 1) ich finde den Gedanken, mit meiner Bestattung ein Stück Natur zu erhalten, tröstlich, da nützlich im Tod. 2) ich habe in der Zukunft vermutlich niemanden, der längerfristig mein Grab pflegen würde (kinderlos). 3) ich mag den Gedanken, alles im Vorfeld geregelt zu haben. 4) wenn ich den Baum gepflanzt habe, kann ich ihn besuchen. Mit seinem Voranschreiten im Wachstum erfahre ich meine eigene Sterblichkeit und erkenne hoffentlich damit den Wert der Zeit, die ich voraussichtlich und hoffentlich noch habe.

Es ist Voraussetzung, dass man sich einäschern lässt. Das ziehe ich sowieso einer Erdbestattung vor, denn ich mag den Gedanken daran, dass ich langsam zersetzt werde, nicht so gerne. Für mich also die ideale Bestattungsform: zuerst eingeäschert werden und dann in einer Urne, die sich zersetzt, zurück in die Natur übergeben zu werden.

Nach allem, was ich bei der Waldführung erfahren habe, kannst Du Deine Bestattung arrangieren, wie Du willst. Ob mit Geistlichem oder lieber weltlichem Redner oder gar keinem. Ob mit Trauerfeier oder nicht. Ich persönlich glaube daran, dass die Energie unseres Daseins in eine andere Form übergehen wird. Das stimmt mit der Naturwissenschaft überein, dass sich Energie wandelt und nicht verbraucht wird. Und das erscheint mir mit der natürlichen Form am nähesten an meinem "Glauben", der sich am Buddhismus orientiert. Ich kann das jetzt vielleicht nicht so toll wiedergeben. Anyway, sicher ist Friedwald auch ein gewinnorientiertes Unternehmen. Aber das sind ja alle. Die wichtige Botschaft, glaube ich, ist, dass Du anscheinend so ziemlich alles, was Du Dir vorstellst vorbestimmen kannst. Nur nicht Grabschmuck und so. Du musst damit OK sein, dass Du kein aufsehenerregendes Grabmal Dein Eigen nennen kannst, sofern Du diese Eigenschaft einem Baum nicht zugestehen magst. Denn Grabschmuck und ähnliches ist wegen der Naturnähe nicht erlaubt (also auch keine Blumen oder so, die Deine Angehörigen hinterlassen könnten oder dürften). Du trittst also ziemlich sang- und klanglos aus der Welt.

Ich hoffe, meine Antwort war nützlich für Dich, denn auch wenn ich noch keine Friedwald-Bestattung erlebt habe, möchte ich dafür sprechen (wobei ich es egal finde ob Friedwald oder Ruhewald oder wie sie heissen mögen). Übrigens gibt es Baumbestattungen meines Wissens nach auch auf verschiedenen "normalen" Friedhöfen... LG und schön, dass Du über so etwas nachdenkst. Ich versteh Dich.