User Image User
User Image User

Noch Fragen?

Gibt es eine historische Vorlage zu dem Roman „Die Deutschstunde“ von Siegfried Lenz? Oder ist der Roman reine Fiktion?

Frage Nummer 42621
Antworten (3)
Die "Deutschstunde" orientiert sich an hunderten realen Vorbildern, wie es sie im Nachkriegsdeutschland tatsächlich gegeben hat, jedoch nicht an einem konkreten Vorbild oder Lenz' Leben selbst. Es geht hauptsächlich um die Zusammenhänge von individueller und kollektiver Schuld sowie um die "bloße Pflichterfüllung" während der Zeit das Nationalsozialismus. Die Beschreibung des fiktiven Falles von Siggi Jepsen ist daher exemplarisch und auch äußerst zutreffen, aber beruht nicht auf tatsächlichen Ereignissen einer besonderen Person. Natürlich hat Lenz auch eigene Lebenserfahrungen im Roman verarbeitet, völlig trennbar sind Autor und Werk daher nie.
Die Personen in Siegfried Lenz' Roman "Die Deutschstunde" sind erfunden, spiegeln aber alle die nicht nur zur Entstehenszeit wichtigen Fragen zu den verschiedenen Charakteren und Verhaltensweisen, zu Pflicht und Schuld zur Zeit des Nationalsozialismus wider. Das Malverbot der Malers Max Ludwig Nansen allerdings hat wirklich ein historisches Vorbild: Emil Noldes "Ungemalte Bilder".
Mit diesem Buch Hat Siegfried Lenz die Welt der 68er erzählt. Er selbst kam damit nicht persönlich in Berührung. Er als Autor aus der Generation des Krieges hat die Geschichte für die nachfolgende junge Generation in verständlichen Wörtern nacherzählt. Es war das versöhnliche Angebot gegenüber dieser nachfolgenden Generation, die Geschehnisse der Vergangenheit zu begreifen. So war es auch ein Versöhnungsangebot an und für das Ausland.