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Noch Fragen?

Grosse Wohnungsgesellschaften enteignen?

Das wäre doch toll: Alle Steuerzahler legen zusammen, um einer Handvoll Mieter, die dort zufällig schon wohnen und ganz ohne Bedarfsprüfung niedrige Mieten für alle Zukunft zu ermöglichen. Warum sind wir nicht schon viel früher auf diese Idee gekommen?
Hat die Politik versagt?
Oder gar unsere WC?
Frage Nummer 3000119469
Antworten (11)
Mir fehlt hier die Definition, was "niedrige Mieten" sind. Sind 2000 Euro kalt für eine 90 qm-Wohnung ein Schnäppchen (Standpunkt Vermieter), oder ist das zu teuer (Standpunkt Mieter)?
As always,

Angebot und Nachfrage machen den Preis.
Soweit ich informiert bin, liegt die durchschnittliche Miete von Deutsche Wohnen bei 6,40 Euro/Qm, im letzten Jahr hat diese Gesellschaft die Mieten um durchschnittlich 3,4% erhöht. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass viele Luxuswohnungen in deren Bestand sind.
Immer wenn man es sich einfach macht, holt es einen praktisch immer wieder ein.

Nach der Wiedervereinigung waren in Berlin etwa 30% aller Mietwohnungen in kommunaler Hand. Allerdings in bedauernswertem Zustand.
Berlin hätte Geld in die Hand nehmen müssen, um die Wohnungen zu renovieren. Das wollten oder konnten sie nicht, und privat kann ja sowieso alles besser als Staat. Also wurde ein Großteil verkauft, bei gut 200.000 Wohnungen und Gesamterlösen von gut 2 Milliarden Euro scheinen das gut 10.000 Euro/Wohnung gewesen zu sein.

Die Verwerter arbeiten sich seither langsam aber sicher durch den Bestand: die Wohnungen werden saniert, gerne mal weit über den normalen Wohnwert hinaus, die Kosten werden entsprechend der Gesetzeslage auf die Mieter umgelegt, die in den betroffenen Häusern gerne mal annährend die doppelte Miete zahlen sollen.
Wer sich das nicht leisten kann, muss raus und solvente Schwaben ziehen nach (oder was glaubt Ihr, warum man dort Schwaben nicht leiden kann).

Das lief lange unter dem Radar, weil Berlin einfach so groß ist, dass die Verlierer immer ausweichen konnten. Mittlerweile allerdings scheinen die Grenzen erreicht. Billige Ausweichquartiere werden seltener, die Menschen strömen in die Stadt und viele Gutverdiener akzeptieren einfach die höheren Mieten. Die "einfachen" Bewohner werden an die Ränder und ins Umland gedrängt.

Durch die Mietpreisbremse hat man den direkten Anstieg der Mieten jetzt versucht zu begrenzen. Die großen Gesellschaften begegnen dem mit viel Kreativität ...
Wenn ich die Miete nicht anpacken darf, dann nehme ich halt die Nebenkosten. Ich gründe einen Hausmeisterdienst und betreue damit meine Wohnungen. Die Preise dafür lege ich selber fest, genau wie für den firmeneigenen Elektriker-, Glaser- und Reinigungsdienst. All diese Firmen verdienen Geld für den Wohnungsbaukonzern, das die Mieter zahlen sollen.

Die Durchschnittsmiete in B lag um 2000 bei etwa 4€/m2, heute bei etwa 10€/m2. Preise, über die man in M lacht, aber die Rate von fast 10% im Jahr über fast 20 Jahre lässt für die Zukunft nichts gutes erahnen.
Enteignung ist natürlich Schwachsinn, zumal die jetzigen Eigentümer entschädigt werden müssten, zu dem Zwanzigfachen des Preises von vor 20 Jahren.

Aber vielleicht hat man zu sehr nach Wien geschaut. Einer der lebenswertesten Städte der Welt (nach Umfragen sogar DIE lebenswerteste Stadt in, ich meine, acht der letzten zehn Jahre).
Dort ist ein großer Teil der Wohnungen praktisch seit Jahrhunderten in städtischer Hand.
Die Stadt hat direkten Einfluss darauf, und durch die Konkurrenzsituation indirekt ebenso auch auf die privaten Anbieter und kann diese ein wenig disziplinieren.

Sozialer Wohnungsbau hat seine Berechtigung. Wie sehr, das wird man irgendwann, wahrscheinlich zuerst in München, mitbekommen, wenn die Stadt keine Polizisten oder Müllmänner mehr findet, weil die die Mieten einfach nicht mehr bezahlen können.
Enteignen? Warum und mit welcher Begründung?
Ganz abgesehen davon, dass die Enteignung für die Städte garnicht bezahlbar ist - mehr Wohnungen gäbe es davon auch nicht. Die sollen lieber neue Wohnungen bauen. Ohne Schnickschnack, einfache, bezahlbare Wohnungen. Evtl als wohnbaugenossenschaft. Das ist ein in vielen Städten erfolgreiches Modell.
Was da in Berlin abgeht, ist Humbug.
Die Mieten kann man auch anders deckeln
In solchen Fragen gibt es bei mir nur eine Ansicht. Der Markt regelt das besser als der Staat.
Der Markt regelt nur dann gut, wenn es einen Markt gibt. Bei monopolartigen Strukturen ist der Markt weitgehend außer Kraft gesetzt. Wenn eine Wohnungsgesellschaft Mietpreise festlegt, werden sich auch private Vermieter daran orientieren, solange die Nachfrage größer als das Angebot ist. So entsteht keine Konkurrenzsituation.

Dazu kommt, dass Wohnen kein Konsumgut ist, sondern ein soziales Grundbedürfnis. Hier kann der Staat mit Fördermaßnahmen ein Gegengewicht zum Profitstreben privater Firmen setzen. Dieses Gegengewicht kann eigentlich nur in Form eines staatlichen Wohnungsangebots liegen, denn finanzielle Zuschüsse preisen die Vermieter ein und erhöhen damit ihren Profit.

Ich bin kein Anhänger von Staatswirtschaft, aber in Bereichen wie dem ÖPNV, dem Schienennetz der Bahn und den Leitungsnetzen der Energieversorger würden wir besser fahren, wenn das unter staatlicher Regie laufen würde.
Was für ein Monopol Deho? Die Experten schätzen, dass bundesweit inzwischen etwas mehr als zwei Millionen Wohnungen leerstehen. Es kann nun mal nicht jeder Stadtmitte warm für 500€ in 100 Quadratmetern leben. In den Ballungsräumen steigen die Immobilienpreise kräftig an, doch in vielen ländlichen Kreisen stagnieren sie oder sinken sogar. Für meine Begriffe sind das langjährige Wellenbewegungen. In den 1970 -80er Jahren sind die Menschen aus den Städten auf das Land gezogen und die Grundstücks und Hauspreise sind im ländlichen Gebiet gestiegen, nun ist es seit Anfang des Jahrtausend eben umgekehrt.
Für mich gibt es im wesentlichen drei Problemkreise, die mit unterschiedlichen Ansätzen gelöst werden können:

1. Neumieter müssen sehr hohe Mieten zahlen.
Lösung: Angebot erhöhen durch Neubau und bessere Verkehrsanbindung von Aussenbezirken. Beispiel: In Frankfurt ist in den letzten Jahren die S-Bahn ausgebaut worden, es sind nun auch günstige Wohngegenden angebunden (Kreis OF)

2. Instandhaltungen werden verschleppt, um spätere "Modernisierungen" als Anlass für Mieterhöhungen zu nehmen:
Lösung: Strengere Auslegung von Modernisierungsaufwendungen.

3. Vermieter finden Tricks, um bei Nebenkosten Gewinne zu erzielen (Riesensauerei)
Hier muss ein Gesetz her, das so etwas verhindert. Und zwar SOFORT!

Sehr gute Beiträge hier!

Ich finde, es wird deutlich, dass diejenigen, die eine Enteignung fordern, nicht das grosse Ganze im Sinn haben, sondern ausschliesslich auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Da gibt es überhaupt keine Solidarität mit denjenigen, die eine Wohnung suchen, denn für diese ist der Vorschlag unbrauchbar.