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Noch Fragen?

Ist es entlarvend, wenn "in alle Richtungen" ermittelt wird?

Eben im Radio höre ich, dass bei dem Auto, das in Berlin in Richtung Menschenmenge fuhr, "in alle Richtungen ermittelt " werde. Ist es nicht die Aufgabe der Polizei, die Umstände einer Straftat zu ermitteln, um eine Tat aufzuklären? Und umfasst diese Aufgabe denn nicht automatisch, dass man alles in Erwägung zieht?
Anders herum gesagt: Semantisch ermittelt man nicht, wenn man nicht in alle Richtungen ermittelt. Das ist so wie mit "ein bisschen schwanger", oder nicht?
Frage Nummer 3000086042
Antworten (6)
StechusKaktus,
es freut mich, dass du die deutsche Sprache ernst nimmst.
Jetzt sind wir in dieser WC schon zwei.
"In alle Richtungen ermitteln", diese Aussage vermittelt zunächst Planlosigkeit.
So wie "nach allen Seiten offen" eigentlich "nicht ganz dicht" darstellt.

Fakt scheint mir doch, die Ermittlung in bestimmte, wenige Richtungen ist die Standard Methode.
Richtig Rentier: Die Polizei hat noch keine Ahnung und kann nichts ausschließen.
Ich vermute, dass in dem weitaus überwiegenden Teil der Straftaten nicht "in alle Richtungen" ermittelt wird. Die Polizisten können kraft Ausbildung und Erfahrung in aller Regel recht schnell und zuverlässig eingrenzen, was einer Straftat zugrunde liegt und warum sollte man Ressourcen verschwenden für alternative Richtungen?

Wenn die Polizei davon spricht, dass "in alle Richtungen" ermittelt wird, dann ist das in aller Regel nichts als eine hohle Phrase dafür, dass man im Grunde genommen weiß, was passiert ist, dies aber derzeit (noch) nicht laut sagen darf (oder möchte).
Wenn der Satz nur nicht so sinnlos wäre. Denn natürlich wird strenggenommen NIEMALS in alle Richtungen ermittelt, sondern nur in die aussichtsreichen. Ich glaube kaum, dass gecheckt wird, wo sich zu der Zeit Boris Becker oder Donald Trump aufhielten. Diese Richtungen scheiden damit shchon einmal aus. Klänge halt komisch, wenn gesagt würde " wie ermitteln in alle Richtungen die uns aussichtsreich erscheinen.." (lach)
Eigenartige Vorstellungen.
Beispiel, bei dem nicht "in alle Richtungen" ermittelt wurde, weil Ermittler augrund ihrer "Erfahrungen" allzu schnell die Suche eingegrenzt haben: die NSU-Anschläge. Und das ist nur ein Beispiel von Vielen.
Immerhin die Polizei hat daraus gelernt. Ansonsten ist "in alle Richtungen" ermitteln nicht gleichbedeutend mit "konzeptlos zu ermitteln", sondern mit "nichts voreilig auszuschließen".

Es heißt einfach nur:
  • Wir haben eine Reihe von Ansätzen
  • Wir haben aus der Vergangenheit gelernt, Hypothesen erst zu prüfen, statt uns mit voreiliger Ausschließeritis gründlich zu blamieren
  • Wir werden einen Teufel tun, uns von etwaigen Hintermännern der Tat in die Karten schauen zu lassen