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Noch Fragen?

Laut der Huffington Post halten 77% aller Deutschen die "Ankerzentren" für eine "gute Idee".

Ich habe da so meine Zweifel.
Woher bekomme ich wirklich neutrale Daten, wenn ich eine Schlagzeile anzweifle? Ich möchte und kann mir einfach nicht vorstellen, dass wirklich mehr als Dreiviertel der Deutschen einverstanden sind mit Lagern, in denen Menschen nur auf ihre Abschiebung warten. Selbst die deutsche Polizeigewerkschaft wehrt sich vehement dagegen.
Nun meine Frage: woher bekomme ich neutrale Aussagen zu diesen Abschiebelagern?
Also, darüber, ob tatsächlich so viele deutsche damit einverstanden sind? Hat hier Irgendjemand dazu eine gute Idee?
Frage Nummer 3000097546
Antworten (19)
Ich werfe mal einen kleinen Keks in die Schale:

Meine erste Idee wäre, die Huffington Post nicht mehr zu lesen.
Click bait auf Bild Niveau mit 15 Sekunden Inhalt.
Such Dir mal was anderes...

Die Frage nach alternativen und neutralen Infogebern ist keine leichte Frage...
Ja nach Formulierung der Frage halte ich die Zahl für absolut plausibel. Die meisten wissen dabei doch gar nicht, was ein Ankerzentrum ist. Das weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der SeeSöder.
Aber die Grundidee, dass jemand gar nicht erst hereinkommt, wenn die Voraussetzungen für Asyl nicht erfüllt sind, ist absolut reizvoll.
Wäre die Meldung, dass mehr als dreiviertel der Deutschen der Meinung sind, dass wir noch mehr Asylbewerber haben wollen, glaubwürdiger?

P.S. Die Polizeigewerkschaft ist nur dagegen, weil sie nicht will, dass die Polizei zu Lagerbewachern degradiert wird. Wer objektive Nachrichten verlangt, sollte selbst keine Unwahrheiten verbreiten.
Oder sie sind dagegen,

weil sie wissen, das sie die "Insassen" nur abschieben können, wenn sie mehrere Hundertschaften in Randale-Ausrüstung aufbieten. (Der durch die Presse gejubelte Ganaer war nur in einem normalen "Lager" für Asylbewerber.)

weil es sie irgendwie an Konzentrationslager erinnert.

weil die Lager, meiner Einschätzung nach, nur bis zur vorläufigen Entscheidung des BverfG, Bestand haben werden.

Das die Polizei dagegen ist, weil sie nicht zu Lagerbewachern werden will, ist so sicher nicht richtig.
Die GdP äußert sich:
"Im Prinzip handelt es sich hierbei um Kasernierungslager für Migrant*innen und Flüchtlinge während der langen Verwaltungsverfahren und für Abschiebehäftlinge." ...
"Das sind Lager! Bezeichnungen wie Einrichtung oder ähnlich sind verbale Kosmetik. Nennen wir die Dinge doch beim Namen!" ...
" Es wurde gefordert, das durch die Verfassung garantierte Rechtsstaatsprinzip einzuhalten. Schutzsuchende dürften nicht jahrelang kaserniert und isoliert werden. "

Huffington Post wird (wahrscheinlich) irgendeine Seite zum Abstimmen ins Netz gestellt zu haben, wo jeder entscheiden konnte "Ja, Toll" oder "Och, Nö" zu klicken.
Solche "Umfragen" sind nicht repräsentativ und leicht manipulierbar.
Die nicht mit Quellenangaben Platz verschwendende HuffPost hat die Zahl von "WELT-Trends, einer repräsentativen Umfrage, die exklusiv vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag von WELT erhoben wurde", nachzulesen bei www.welt.de.
Ich halten mich bei Nachrichten, die Deutschland betreffen, an ausländische, deutschsprachige Medien. Die haben weder etwas mit der deutschen Lobbywirtschaft zu tun, noch sind sie Murksel in irgend einer Weise verpflichtet, oder haben in bestimmten Bereichen Redeverbot.
Während bei Straftätern mit Migrationshintergrund in Deutschland so lange wie irgend möglich die Staatsbürgerschaft des Straftäters zurückgehalten wird, kann ich in österreichischen Medien sofort lesen, wo der Täter herkommt.
Dass die DPolG sich dagegen wehrt - deine Aussage, steht im Widerspruch zu dieser Stellungnahme des Bundesvorsitzenden eben dieser Gewerkschaft:
"Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat die Absicht des Bundesinnenministers begrüßt, mehr Verantwortung für die Abschiebung von ausreisepflichtigen Asylbewerbern zu übernehmen. Die Einrichtung von Abschiebezentren sind geeignet, die Überforderung mancher Länder bei der Durchsetzung der Abschiebung zu beseitigen, äußerte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt. Die DPolG hatte seit langem gefordert, dass die Verhandlungen mit den Herkunftsländern der Betroffenen zentral durch den Bund geführt werden müssten, etwa wenn es um die Beschaffung von Ersatzpapieren gehe."
@bh_roth, genau dasselbe habe ich auch bemerken müssen.
Deutsche wie auch französische Medien geben oftmals einen anderen Blickwinkel auf Ereignisse des anderen Landes betreffend.
Mich macht der kaltherzige Zynismus, der sich durch die Frage und viele der Antworten zieht, nur traurig und lässt mich fassungslos zurück. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Menschen -jawohl, genau darum geht es hier nämlich - häufig traumatisiert sind und sich in Stresssituationen befinden.
Diese Menschen nun in Abschiebelager einzupferchen, wie es die Fragestellerin vorschlägt, verschlägt mir ob der mangelnden Empathie die Sprache.
@stahlfaust: Ich habe dann wohl eine andere Frage als du gelesen. Jedenfalls kann ich aus dieser Frage hier nicht herauslesen, dass die FS diese Abschiebelager favorisiert, sondern sie will Quellen, bei denen sie getroffene Aussagen verifizieren kann.
Ich würde sogar sagen, es geht aus der Frage klar hervor, dass Moonlady diese Lager ablehnt.
Ich komme nochmal auf die Frage zurück:

Zur Zeit scheint die einzige verfügbare Umfrage eines spezialisierten Instituts die zu sein, die von DIE WELT bei Civey in Auftrag gegeben wurde. Civey sitzt in Berlin-Kreuzberg und scheint jede Menge Umfragen zu machen (siehe civey.com).
Die fragliche Umfrage (tolles Deutsch) wird von vielen Medien zitiert. Es scheint aber keine Rohdaten zu geben, sondern nur (interpretierte) Ergebnisse. Ich recherchiere jetzt aber nicht weiter, denn ich finde das Thema und die Begeisterung der Medien nicht schön.
@Cheru
und wie macht das Institut Civey die "repräsentativen" Umfragen?
Online, jeder der will kann mitmachen, gibt selber die persönlichen Daten an, kann die Antworten geben und sich erneut mit anderen Daten erneut beteiligen. So oft er will.
Civey nennt die Umfragen "repräsentativ", weil sie die Antworten gewichten, nach dem Anteil an der Bevölkerung.
Aber ich habe nichts gefunden, was eine mehrfache Abgabe der Stimmen, mit unterschiedlichen Angaben zur Person verhindert.
@bh_roth
Ich habe nicht von der DPolG geschrieben, sondern von der größeren Schwester der GDP.

Gerade die DPolG ist schon öfters damit aufgefallen, dass

ihr Vorsitzender Wendt extreme Ansichten vertreten hat,
(Polizeiliche Einsatzmittel müssen Waffen sein, die weh tun, nur dann wirken sie.“)("... den zukünftigen Einsatz von Gummiwucht- und Gummischrotgeschossen gefordert.")

deutliche Kritik an Urteilen des Verfassungsgerichtes geübt hat. ("Man sieht wieder einmal, die Gerichte machen schöngeistige Rechtspflege")

das Alter für Strafmündigkeit auf 12 senken will und bei Heranwachsenden Erwachsenenstrafrecht anwenden will.

und sogar einen Zaun an der 800 KM langen Grenze zu Österreich gefordert.

Das also der Bundesvorsitzende der DPolG, der nicht wirklich ein Vertreter der Rechtsstaatlichkeit ist, Ankerzentren begrüßt, kann ich nachvollziehen.
Und jetzt erst wäre der "kaltherzige Zynismus" angebracht, um diese Umfrage, Ihre scheinbaren Ergebnisse und deren kritiklose bis marktschreierische Übernahme in den Medien (siehe merkur.de) zu kommentieren.
Selbstverständlich halte ich die Errichtung solcher sogenannter "Ankerzentren" , die nichts anderes sind als Abschiebelager, für eine ausnehmend schlechte Idee. Die "Huffington Post" lese ich i.A. auch nur, wenn mein Wlan langsam ist, während ich meine Emails abrufe. Erschreckend fand ich vor allem die Dimensionen, die manche Politiker aus Bayern im Auge haben, einer der Politiker sprach von ca. 2000 Bewohner/Insassen...wie auch immer man die dort Wohnenden dann bezeichnen möchte. Ich finde, die Idee dazu ist an Menschenverachtung kaum mehr zu übertreffen.
Also 2000 "Insassen" (mir fällt auch kein besserer Begriff ein) je Ankerzentrum.
Hmmm ... es sollen ja ANKunft, Entscheindung, Rückführungszentren sein.

Flüchtlinge sollen in den Zentren bleiben, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Es ist ja ruhiger geworden im Bereich Flüchtlinge, aber im ersten Quartal 2018 waren es rund 40.000. Wird also im Jahr ca. 160.000 neue Flüchtlinge. Es dauert ungefähr ein Jahr, bis über einen Asylantrag entschieden wird. Ungefähr die Hälfte (2015) wird anerkannt, das heißt 80.000 bleiben länger als ein Jahr (bis zu 2 Jahren bis zur Abschiebung).
Kommt das nächste Jahr hinzu, brauchen wir also Ankerzentren für 240.000 Menschen.
Also nur 120 verteilt auf Deutschland.
Einfach mal durchrechnen...

Es gibt ein funktionierendes System der verschiedenen Durchgangsstufen der Asylbewerbung.
Es gab nur mal kurzfristig Probleme mit zu vielen Neuankömmlingen.
Und nun soll deshalb was genau gebaut werden?

2000 Menschen die nicht etwa morgens im Aufenthaltsraum eingesperrt werden und abends wieder in die Zelle müssen...

Nein, eher 2000 Menschen wie im Hotel.
Und wenn jemand das "Hotel" verlässt (verlassen muss) dann wird sicher nicht um 10 ausgecheckt und die Mädels putzen die Zimmer...

2000 Menschen die auch warm verpflegt werden wollen.

Also, nochmal durchrechnen bitte...

Was kostet so ein Hotelbetrieb und wer betreibt den?

Wer das vermutlich bezahlt ist mir eh klar...

Hat jemand District 9 gesehen btw.?
Liebe Moony, danke für Deine Frage.
Was bisher nicht angesprochen wurde, ist die Weltpolitik und die Klimafrage, ...last not least die Überbevölkerung. Es wird in der Zukunft massive Völkerungswanderungen geben,wir werden umdenken müssen. Da geht es nicht mehr um allgemeine oder spezielle Ansichten, sondern um das nackte Überleben aller, und glaube mir, das wird nicht lustig.
Die vorherige Lösung mit frei zugänglichen Lagern war auch keine Lösung. In meiner Umgebung wird eine LEA mit ähnlichen Regeln entstehen. Ich kann mir nur vorstellen, dass sich die Regelung herumspricht und so den Werbern in den Heimatländern potentieller Flüchtlinge erschwert wird, mit Phantasievorstellungen über Europa und speziell Deutschland Menschen zur Auswanderung zu motivieren.