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Noch Fragen?

Philosophie II

Eine Frage die mich nach dem aggressiven Rumgehacke der letzten Tage im Forum und in Anlehnung an eine frühere Frage von bh_roth beschäftigt :

Zwei Menschen sitzen sich gegenüber. Beide machen Fehler oder einer macht einen Fehler. Jeder hält seinen Betrag, den er mit Mühen erstellt hat für richtig. Wie sollten die Beiden nun mit den Beiträgen das Anderen und dem Wiederspruch umgehen? Wie sollten die Beiden miteinander umgehen?
Frage Nummer 41547
Antworten (8)
Psychologen unterscheiden in der Streittheorie vier Phasen der Eskaltion:
[br]
1) Auf der Sachebene werden Argumente ausgetauscht
2) Der Gegner wird persönlich angegriffen und beleidigt
3) Die Gegner haben den Überblick verloren; Schuld am Streit ist der jeweils andere.
4) Jeder will seinen Kopf durchsetzen; es geht nicht mehr um die Sache, es geht nur noch darum, Recht zu haben. Der Streit ist zum Selbstzweck gworden.
[br]
Die Grenzen sind nicht immer eindeutig, sondern manchmal fließend. Aber es hilft, sich diese Eskalationsleiter mal bewusst zu machen...
In Anlehnung an die vorherige Antwort also: Streng auf der Sachebene bleiben. Das ist allerdings in Internetzeiten gründlich aus der Mode gekommen...

Es gibt allerdings auch Leute, die Lust auf Streit haben; von ihrer Motivlage muss man dann ganz anders argumentieren. Noch komplzierter wird es bei Leuten, die Lust auf Streit haben, aber dies abstreiten oder behaupten, es ging nur um den Inhalt.
Systemtheoretisch ist dies das Problem der doppelten Kontingenz, d.h. beide Seiten wissen nicht um die "wahren" Motive des Gegenübers, können also alles für möglich halten und alles unterstellen
Ja, man sollte nett sein, aber selbst die nettesten um ehrliche Antworten bemühten Nutzer werden irgendwann agressiv.
Wiederspruch ist technisch nicht möglich, da muss man eine kleine Änderung vornehmen, damit man den Spruch wiederverwenden kann. Threadübergreifend kann man auch einfach Copy&Paste machen, geht auch ohne Änderung.
Ich verstehe sehr gut die Psychologe welche hphersel zitiert.
Aber die Erweiterung von rrankewitz auf die Motivation ist ein wesentlicher zusätzlicher Kernpunkt.
Wieso wird die Sachebene verlassen. Hier scheint die Motivation dem anderen von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen eine wesentliche Kraft zu sein. Wieso ist es dem anderen so wichtig seine Wahrheit aus seiner Realität durchzusetzen.
Hier kommt dann die Sache mit dem Charakter, der Motivationen und der Fähigkeit (Un-Fähigkeit) des Differenzierens ins Spiel.
Ein Wiederspruch (lat. Rediktion) ist die ewige Wiederholung des Immergleichen, zum Beispiel der folgenden Belehrung:

Wenn „wider“ nur „dagegen“ meint,
dann ist das „e“ dem „i“ stets Feind.
Wenn „wieder“ nur „noch einmal“ meint,
dann sind dort „i“ und „e“ vereint!
**
Hier aber war es MEIN Fehler, der natürlich nicht ungestraft bleiben darf
Ein großer Philosoph hat mal gesagt das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie was drin ist? Kläffer, Gaukler, weise und nette Leute, alles möglich.
Dauert die Diskussion auf der Sachebene zu lange, und findet sich nach dem Austausch aller Argumente kein gemeinsamer Nenner, ist der Verlust der Konsensfähigkeit vorprogrammiert. Nach diesem Verlust geht jeder Beteiligte in den Angriff über, weil man darin die einzige Möglichkeit sieht, die Oberhand zu erlangen. Wer kann, sollte sich in dieser Phase aus der Diskussion zurückziehen, manchmal fehlt es zum Rückzug nur noch an der Möglichkeit, das eigene Gesicht zu wahren, oder es fehlt die Möglichkeit, dem Diskussionsgegner den Rückzug ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen.