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Noch Fragen?

Sind Internate der Entwicklung förderlich?

Ich frage mich, ob es nicht schlecht für Kinder ist, so lange von ihren Familien getrennt zu sein, anstatt innerhalb der Familie aufzuwachsen. Entfremdet das die Familie nicht zu sehr? Oder ist das mit einem Persönlichkeitsgewinn für das Kind verbunden?
Frage Nummer 91725
Antworten (9)
Dein Kind kennst nur Du. Manche sind reif dafür und fühlen sich wohl im Internat. Viele Internate bieten auch die Möglichkeit, erst mal ohne Übernachtung im Internat nur den Schulbetrieb zu besuchen - Heimschläfer.
Also für mich war das der absolute Horror. Meine Alten hatten mich vor 42 Jahren - gegen meinen Willen - ins Internat abgeschoben. Da mein Alter mir immer gedroht hatte, dass ich - wenn ich nicht gehorche - in ein Erziehungsheim komme, habe ich das Internat als Heim verstanden. Die eigentliche Chance konnte ich damals nicht sehen.

Ich werde auch heute noch hin und wieder von gewissen Verhaltenstörungen eingeholt. Das von den Eltern verstossen werden, der Liebesentzug, die dadurch entstehende Unsicherheit hat bei mir tiefe Wunden hinterlassen. Diese sind heute noch nicht verheilt.
Cessna: Verheilen wird eine solche Erfahrung nie.
Da du aber deine Entwicklung so gut erkennen und beschreiben kannst, würde ich diesen Erkenntnisgewinn andeiner Stelle als Vorteil an Sensibilität gegenüber anderen bewerten.
Hallo Starmax: eigentlich möchte ich die Sensibilität gerne als Vorteil einsetzen. Aber in der heutigen, "extrem skrupellosen" Welt, ist das für mich schwer möglich.

Aktueller Anlass: die Gemeinde bricht geltendes Recht. Antwort auf meine Anfrage: "Leute wie Sie machen wir zur Schnecke!" (Sic !) Ohne Sensibilität könnte ich vielleicht nachts schlafen... Übrigens arbeite ich mit einem Therapeuten an meinen Problemen.

Was die Internatserfahrung anbelangt, so hängt diese immer vom Umfeld ab. Simonetta Sommaruga (aktuelle Schweizer Justizministerin) ist ein Jahr jünger als ich. Sie hat, im nachfolgenden Jahr, das gleiche Internat besucht wie ich... und gehört heute zur Landes-Exekutive. Da kann das Problem ja nicht beim Internat liegen.

Deshalb mein Anregung an alle Eltern welche den Gedanken hegen, Ihre Jungmannschaft in ein Internat zu schicken: im Interesse und für das Wohlbefinden Eures Kindes, tut diesen Schritt nur, wenn der Nachwuchs voll damit einverstanden ist. Danke.
Hi Cessna, danke fü rdeine Antwort, die doch sehr für deine positive Grundhaltung gegenüber der Gesellschaft spricht. Die elterliche Entscheidung hat dich in einer Phase erwischt, wo du autoritative Fremdeinwirkung (noch) nicht gebrauchen konntest.
Mehr oder weniger stark haben wir diese Abnabelungsprozesse alle durchgemacht und ich hatte mit dem Zeitpunkt mehr Glück.
Was ich meinte, war, dass du genau diese unbewußten seelischen Verletzungen und Motivationen bei anderen leichter erkennen kannst.
Insofern hast du bei den Bürokraten vielleicht nicht den richtigen Weg eingeschlagen?
Ich bin taoistisch orientiert und in China bittet man um drei Dinge: Die Kraft der Erkenntnis, die Kraft zum Handeln - und das Wissen(!), wann Nichthandeln angebracht ist.
Sage dir generell auch:Es hätte schlimmer kommen können...
Bin mit 15 Jahren und noch völlig kindlich ins Internat, in dem ich 4 Jahre bleiben musste. Wurde dort sehr schnell erwachsen, was aber nicht mit Reife zu verwechseln ist. Denn ich fühlte mich völlig entwurzelt und desorientiert. Habe mein Zuhause täglich vermisst, vor allem die fehlende Rückzugsmöglichkeit, wenn ich ungestört sein wollte. Teamfähigkeit habe ich dort nicht gelernt, aber schreckliche Zickenkriege erlebt. Ich glaube inzwischen, dass ein Internat nur für wirklich starke Persönlichkeiten geeignet ist. Labile oder noch sehr kindlich-naive werden sich wohl anpassen, aber innerlich immer leiden und sich fremd fühlen. Für mich war es ein Bruch aus einem behüteten, recht frei bestimmten Leben im Elternhaus. Der sollte jedoch m.E. erst in späteren Jahren erfolgen, nicht für ein Kind!
Nur mit angemessener Probezeit. Nicht zu früh. Es wird einem viel zugemutet: Ausschluss aus der Familie, Trennung von den Freunden, Freiheitsentzug, klosterähnliches Leben mit erzwungenen tägl. Kirchgängen. So war es zumindest zu meiner Zeit (1968 bis 1976). Ich war in katholischen Internaten, ausschließlich für Jungen. Gymnasium sollte und wollte ich machen. Ein entsprechendes Internat war zu teuer. Langweilte mich durch die Schuljahre. Keine Möglichkeit Lernen zu lernen, totale Unterforderung. Mit 16 Jahren raus. Keine Ahnung von Mädels und zwischenmenschlichen Beziehungen. Keine Ahnung von Geld. In Rekordzeit die Mittlere Reife nachgeholt. Verlorene Jugend. Dann verloren in Kneipen, Nikotin und Alkohol. Sehr spät konnte ich noch was aus meinem Leben machen.
Es gibt sicher Kinder die in den gleichen Internaten glücklich waren.
ich war im Internat.
Es kommt wohl auf folgende Faktoren an: Einzelkind ja/nein ( da kann ein Internat vorteilhaft sein wenn sonst keine Geschwister da sind ), wie ist das Elternhaus, welches Internat, wo liegt das Zuhause... Mein Internat lag an einem See, z.B. Segeln und Rudern mit eigenen Booten waren Wahlfächerm, auch Reiten und tennis... sind die eltern unter der woche unter tags zuhause? wenn nein, macht es doch eh keinen unterschied wenn das kind unter der woche im internat und jedes wochenende zuhause ist. Wichtig ist, dass das Kind nicht den Eindruck bekommt es stört die Mutter bei shoppen/pilates/selbstinszenierung und wird abgeschoben.
Das kommt ganz auf das Internat an. Ich selbst war auf zwei völlig unterscheidlichen Internaten. Das eine hat mir wenig geholfen beid er eigenen Entwicklung, das zweite war dagegen eines der strengsten überhaupt in Deutschland. Letzteres hat aber dazu geführt, dass ich in der Schule gleich mal um zwei bis drei Noten besser wurde und auch der "Persönlichkeitsgewinn" war wesentlich besser. Meistens sind die Internatskinder am Wochenende zu hause, wo dann noch genug Zeit bleibt um mit der Familie zusammen zu sein. Internate bitte nie mit Heimen vergleichen.