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Noch Fragen?

Sind wir tatsächlich schon derart gleichgültig geworden? Nur die Städter?

Oder nur die Essener?
Mich erschütterte eben eine Meldung aus dem Stern, der gelegentlich tatsächlich noch über andere Dinge berichtet als über die Trennung von Sahra und ihrem Dingsda.
82-jähriger Mann bricht in einer Bank zusammen - keiner hilft. Müssen wir wirklich den US-Amerikanern alles nachmachen?
http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/bank--mann-bricht-zusammen---keiner-hilft-7123914.html
Frage Nummer 3000062062
Antworten (21)
Ist schon eine Weile her, dass ich in der Situation war, nach einem Verkehrsunfall Erste Hilfe zu leisten.
Was ich dabei beobachtet habe: Wenn man Umstehende anspricht und sie konkret um Mithilfe bittet, dann hat man den Eindruck, als würden sie aus einer Art Hypnose erwachen und helfen dann auch. Es gibt dann auch weitere, die Fragen, was sie tun sollen.

Daraus ziehe ich den Schluss: Es ist keine Gleichgültigkeit, aber viele Leute sind damit überfordert, eine verantwortliche Entscheidung zu treffen, bzw. fürchten etwas falsch zu machen und fallen dann in eine Art Schock-Starre.

Daran hat sich seither wohl wenig geändert. Was das allerdings mit den US-Amerikamern zu tund haben soll, erschließt sich mir nicht.
Damit meinte ich, daß mich eine solche Meldung aus den USA nicht weiter überrascht hätte, doch da sie aus Essen kommt, finde ich sie erschreckend.
Liebe moony, das solltest du nicht tun, es Opal gleichzutun, mit USA-Bashing ohne eigene Erfahrung. Das gleiche hätte mich aus Moskau nicht überrascht. Aber zur Sache: Die betreffenden Personen werden schnell und leicht über die Videos in Verbindung mit den getätigten Bankgeschäften ermittelt. Und stellt sich heraus, dass der Mann bei rechtzeitig gerufener Rettung gerettet worden wäre, ist sogar eine Gefängnisstrafe möglich.
@matthew: Während meiner zahlreichen Lehrgängen als Ersthelfer in extremen Situationen wurde immer auf eines Wert gelegt: Aufgaben verteilen an Umstehende. So werden sie konkret eingebunden und hören auf zu gaffen oder sich wegzustehlen. Manche brauchen lediglich einen Anstoß, jemanden, der die "Führung"übernimmt. Dann flutscht auch die Hilfe.
Lieber bh_roth,
ich will die Amis nicht schlechtmachen, wieso auch? Ich versuche nur zu verstehen, wie ich auch versuchte, die Ursachen für die plötzliche Beliebtheit der AfD zu verstehen.Für Dinge, die mir unbegreiflich sind, versuche ich immer, eine Erklärung zu finden.
Du suchst eine Erklärung, moonlady? Hier mein Vorschlag: Statt in den Schulen Textanalyse in vier Sprachen zu lernen (steht irgendwo), könnte man ab der 5. Klasse ein Fach „Zivilcourage“ lehren. Mit Schwerpunkt „Erste Hilfe“ in der Öffentlichkeit. Vermitteltet werden technische Kenntnisse - oft scheitert die Hilfe an der Unsicherheit -, aber insbesondere die ethische Seite des Mitgefühls. Wer in der Phase der körperlichen und geistigen Entwicklung gezwungen wird, sich permanent mit diesem Themenkreis zu befassen, wird als Erwachsener eher bereit und fähig sein, sich einzubringen.

Dieser Fall zeigt, wie gleichgültig die Deutschen im Alltag geworden sind. Aber der Fisch stinkt vom Kopf.

Natürlich kann man die vier Ignoranten über die Uhrzeit und die aufgerufenen Konten ermitteln. Es steht jedoch die Frage im Raum, ob die betreffende Bank diese Daten herausgeben darf. Der Datenschutz verbietet die Weitergabe auch an die Staatsanwaltschaft.
bh_roth, ganz so einfach ist es nicht. Und von wegen Gefängnis - der Richter hebt kurz den Zeigefinger „Mach’ das nie wieder“ und das war’s.

Es erstaunt mich zudem überhaupt nicht, dass der Stern diese Meldung übernommen hat. Es gibt ja sonst nichts Wichtiges zu berichten. Oder zumindest nichts, was "Die Bürgerinnen/Der Bürger" wissen sollte.
Lieber bh, in den USA hätten die Cops ihn erstmal die Hände auf dem Rücken gefesselt und wenn er ein Schwarzer gewesen wäre eh gleich erschossen.
Es scheint einem Teil der Bevölkerung jegliche Fähigkeit zu Empathie, bzw. zu einem sozialen Miteinander abhanden gekommen zu sein. Mitgefühl wird gezeigt, wenn es mediengerecht ist, einem Promi Unbill widerfahren ist, wenn es gilt öffentlich zu trauern an Schauplätzen eines Verbrechens (Kerzen, Blumen, Sprüche etc.) Andererseits wird bei schweren Verkehrsunfällen auf Teufel komm raus mit dem Handy gefilmt und geknipst, so dass Rettungskräfte vermehrt dazu übergehen, mobile Sichtschutzwände aufzustellen.
Im Übrigen sollte man nicht alle Erziehungsaufgaben der Schule zu schieben. Meiner Meinung nach ist das in erster Linie der Job der Eltern, die leider allzu oft an dieser Aufgabe scheitern, wie der Essener Fall zeigt.
Trotzdem, nicht vergessen: Auch in der Essener Bank hat ein Kunde geholfen, leider war er erst später gekommen.
@DerDoofe. Deine Behauptung, die Bank würde die Daten nicht herausgeben, ist falsch.
In dem Schaltervorraum wurden Straftaten begangen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft muss die Bank die Daten der betreffenden Kunden herausgeben. Das hat nichts mit Datenschutz oder Bankgeheimnis zu tun. Es werden keine Bankgeschäfte offenbart, lediglich die Anwesenheit. Und Datenschutz für gefilmte Straftäter? Überleg mal, ob man dann überhaupt Überwachungskameras bräuchte.
Elfi,
in der Presse las ich, daß die ersten vier, die einfach über den bewußtlosen Mann hinüberstiegen, mit einer Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung zu rechnen haben. Immerhin starb der alte Mann wegen ihrer Gleichgültigkeit.
@ moonlady

Wir müssen den Amerikanern nicht alles nachmachen, tun wir auch nicht. Aber es gibt Parallenen, z.B. den Trump-Effekt. Die AfD ist nicht beliebt, ihr Erfolg resultiert aus einer Unbeliebtheit der gängigen Politik.

Jahrzehntelang war es salonfähig, das "kleinere Übel" zu wählen, nur das sich die so Gewählten nie als das kleinere Übel verstanden haben, sondern die Stimmen als Zustimmung zu ihrer Politik gewertet haben. Das hat dazu geführt, dass sich die Nichtwähler als größte Fraktion etabliert haben, ohne dass die Politik darauf reagiert hat. Mit der AfD haben diese Nichtwähler eine wirksame Plattform gefunden, beachtet zu werden. Es liegt nun an den Etablierten, von ihrem bequemen "weiter so" abzukehren und die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und nicht elitär abzubügeln.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich wähle die AfD nicht, ich erkläre nur das Phänomen. Aber ich wähle 2017 trotzdem eine Partei, die ich noch nie gewählt habe, die FDP. Da geht meine Stimme nicht verloren, und die enttäuschende große Koalition kriegt sie nicht. Was hätten die alles erreichen können, und was haben sie erreicht? Keine notwendige große Steuerreform, keinen Schuldenabbau, dafür die Steuermehreinnahmen für soziale Projekte verfrühstückt, für die die nachfolgende Generation blechen muss.

Wer eine solche Regierung will, kann nicht ganz dicht sein, deswegen finde ich es nicht ungewöhnlich, dass die AfD diesen Zulauf hat. Niemand will die in der Regierung, deswegen ist deren Parteiprogramm völlig unerheblich, es geht nur um Denkzettel. Aber die scheinen nötig zu sein.
@dorfdepp: eine sehr schöne und m.E. in weiten Teilen zutreffende Analyse. Allerdings ist sie -im wahrsten Sinne des Wortes- nur die halbe Wahrheit.
Denn ein hoher Anteil der AFD-Wähler (und da wären wir m.E. etwa bei der Hälfte) hegt tatsächlich - nun, drücken wir es höflich aus - rückständiges, deutsch-nationales Gedankengut. Und selbstverständlich wollen die die AFD in der Regierung. Die Partei bietet ihnen einen Ort, an dem sie endlich das offen zeigen dürfen, was seit langem in ihnen schlummerte.

Die "Protestwähler" müssen sich darüber im Klaren sein, mit wem sie sich da "ins Bett legen".
Quand meme hätte die AfD nicht diesen Zulauf, hätten die Jugendlichen dieser Republik eine bessere Zukuntsperspektive. Das gleiche gilt für den IS. Wären die Jugendlichen sicher, hier einen Weg in die Zukunft zu haben, gäbe es weder Pegida noch verrückte Zuläufer des IS!
Dortfdepp, hast du schon darüber nachgedacht, weshalb die Politiker die Zahl der Bundestagsabgeordneten auf 750 erhöhen wollen? Erste Reaktion: Das kostet zusätzliche Millionen. Aber wir haben es ja. Und machen kann man da sowieso nichts.

Wenn ich allerdings an die Bundestagswahl im kommenden Jahr denke, fallen mir im Zusammenhang mit der Erhöhung nur Vokabeln wie Wahlbetrug und Wahlmanipulation ein.

Es ist das Wesen demokratischer Wahlen, dass Politiker abgewählt werden. In früheren Jahren war das überschaubar, du hast es im Wesentlichen beschrieben. Erhöht sich jedoch die Zahl der Parteien, ist Schluss mit lustig. In den Landtagswahlen der jüngeren Vergangenheit ist die AFD in die Parlamente eingezogen. Dafür mussten Abgeordnete der nun gar nicht mehr so etablierten Parteien CDU, SPD und Grüne ihre Pfründen abgeben.

Mit der Erhöhung der Anzahl der MdB-Mandate auf 750 wird das für einige (viele) Abgeordnete, die über die Listen in den Bundestag gekommen sind, verhindert.
Will heißen, dass einige sogenannte Spitzenpolitiker, die bekannten Politschwätzer, nur wieder in den Bundestag einziehen, weil die höhere Zahl der Plätze statt bis zum 2. jetzt bis zum 3. oder 4. Platz der Liste greift. Sie haben berechtigte Angst, dass der Wähler sie in die Wüste schickt. Das zu verhindern ist ihnen jedes Mittel recht. Auch Manipulation und Betrug.

Und dieses Gesindel beklagt sich auch noch über Politikverdrossenheit!

Ob es eine Lösung ist, die AFD zu wählen, bezweifle ich. Und eine Mobilisierung der jüngeren Wähler, der Hartz-4-Emfänger und nicht zuletzt der informierten Nichtwähler würde nur der AFD dienen.

Es gibt einen Ausweg. Aber die Guillotine ist ja nicht populär. Noch nicht ...
DerDoofe. Selten so ein dummes Geschwätz gelesen. Das ist reine Polemik, nur Hassgefasel mit Null Wissen.
Auch unsere Wahlen sind an geltende Gesetze gebunden.
Du kannst Dir die Hintergründe in dem Link unten mal zu Gemüte führen. Falls Du das überhaupt wissen willst.
Und was Wahlbetrug oder Manipulation angeht. Das halte ich schlicht für unmöglich. Ich war viele Male Wahlvorstand im Wahllokal. Bei der Auszählung war jedesmal von fast jeder angetretenen Partei mindestens einer dabei. Und alles anständige Leute.
Weiter oben hast Du in diesem Thread auch schon Blödsinn verkündet.
Zahl der Abgeordneten
@ ing793

Wenn du schreibst, dass ein Großteil der AfD-Wähler rechtsextremes Gedankengut vertritt, ist das absolut richtig. Den Teil habe ich bei meiner Betrachtung genau so weggelassen wie die Tea-Party unter den Trump-Wählern. Die Frage ist, welchen Schluss man daraus ziehen soll. Es gab in Deutschland immer ca. 5% Rechtsextreme, die kann man nicht ändern. Davon wählt der harte Kern immer noch die NPD. Die von Bernd Lucke als Anti-Euro-Partei gegründete AfD hat Rechtsextreme angezogen, die jetzt die Meinungsführerschaft beherrschen, die aber m.E. nicht den Großteil der AfD-Wähler repräsentieren. Die haben andere Gründe, und die muss man finden, man kann denen ja schlecht das Wahlrecht entziehen.

Da kommen wir wieder auf das leidige Integrationsproblem, welches ich als völligen Quatsch ansehe. Zuwanderer müssen sich nicht intergrieren, indem sie Sauerkraut essen und Dackel halten. Ich erwarte lediglich, dass sie unsere Gesetze und Verhaltensregeln einhalten. Daran hapert es, wenn der Staat es zulässt, das libanesische Clans ganze Stadtviertel terrorisieren, oder ein Pulk von Leuten der Polizei zuruft, dass sie verschwinden soll, weil das ihre Straße wäre. Ein solches Verhalten nicht zu akzeptieren ist keine Deutschtümelei. Wenn der Staat hier ordentliche Verhältnisse schaffen würde, gäbe es die Unzufriedenheit der demokratisch gesinnten AfD-Wähler nicht (ja, die AfD ist eine demokratisch legitmierte Partei), und das Problem wäre erledigt.
elfigy, du behauptest mit deinem (unqualifiziert formulierten) Beitrag also Folgendes: Ein Politiker, der bei z.B. 620 Parlamentssitzen knapp an den Zweitstimmen scheitert, wird auch bei 750 Sitzen nicht in den Bundestag einziehen.

Du hast offensichtlich Probleme mit dem kleinen 1 x 1. Wie solltest du dich dann mit dem d'Hondschen Verfahren auskennen.

Oder ich versuche es mal in deinem Duktus: Ziemlich dümmlich.
elfigy

Schon mal drüber nachgedacht, wer für die Gesetze verantwortlich ist?
Das dafür verantwortliche Gesetz wurde zwar vor der offiziellen Gründung der AfD verabschiedet aber es war schon damals abzusehen, dass die Anzahl der Abgeordneten deutlich steigen würde. Hätte man auch anders lösen können aber wollte man wohl nicht.
@derDoofe: es besteht für Elfi keinerlei Notwendigkeit, sich mit dem d'Hondtschen Verfahren auszukennen. Es wurde auf Bundesebene zuletzt 1983 angewendet. Selbst der Nachfolger ist schon wieder passé.
Bevor man versucht, jemanden ans Bein zu pinkeln, sollte man prüfen, ob der Schwanz lang genug ist ...
abgesehen davon bin ich mir 100% sicher, dass sie es besser erklären als Du es schreiben kannst ...
das Wahlverfahren ist schlicht und ergreifend darauf ausgelegt, dass es zwei große Parteien (mit quasi allen Direktmandaten) und wenige kleine gibt.
Wenn es nun zu der Situation kommt, dass eine Partei regelmäßig mit 30% der Stimmen innerhalb eines Wahlkreises trotzdem das Direktmandat gewinnt, dann hat sie am Ende in der Summe zu viele Mandate.
Es wird mittelfristig dazu kommen müssen, weniger Mandate direkt zu vergeben.