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Noch Fragen?

Spielt die Ständeklausel in der modernen Literatur noch irgendeine Rolle?

Frage Nummer 32472
Antworten (4)
wenn du Frauenzeitschriften, die auf Adel abfahren als Literatur ansiehst, ja ;-)

Sonst nein. Adel gibt es bei uns in der Form nicht mehr, daher spielen in Tragödien meistens Bürgerliche die große Rolle. Ich nehme mal an, du meinst schon deutsche Literatur. Was z. B. die Briten so treiben, weiß ich natürlich nicht.

Ich habe nicht lange genug studiert, um zu wissen, ob die Ständeklausel auf die heutige Zeit übertragbar ist (also: statt Adel nimmt man Reichtum oder Herkunft aus [politisch] einflussreichen Familien als Kriterium). Das kommt sicher häufiger mal vor, aber eben auch nicht grundsätzlich.
Da die heutigen Regierungen und Verwaltugen nicht mehr von Fürsten oder im allgemeinen vom Adel geführt werden,gilt diese Epoche der Literatur und Theaterliteratur als überwunden und wird nicht mehr zur Verarbeitung von Authoren genutzt,zumindest in Europa.Da allerdings noch absolute Monarchien auf der Welt existieren,können hier sicher solche Misstände von Authoren in diesen Regionen/Ländern angeprangert/parodiert oder in anderer Form literarisch verarbeitet werden.
Heutzutage spielt die Ständeklausel in der Literatur keine Rolle mehr, da es keine relevanten Unterschiede mehr zwischen den Ständen gibt. Früher durften in Tragödien nur die Schicksale von Königen, Fürsten und anderen ähnlich hohen Standeshaltern dargestellt werden. Die Lebensweisen normaler, bürgerlicher Personen waren dagegen höchstens in Komödien gestattet. Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich das Bewusstsein.
Die herkömmliche Ständeklausel, wie sie zuvor fast 200 Jahre lang Gültigkeit in der Literatur und vor allem beim Theater hatte, ist heute nicht mehr vorherrschend. Sie ist funktional aber vor allem in Filmen zu beobachten, in welchen die Protagonisten auf ihre Art und Weise überdurchschnittliche häufig herausgestellte Persönlichkeiten sind (Helden, Politiker, Millionäre, Militärs). Nahezu parallel zur Entwicklung der Ständeklausel entwickelte sich auch das bürgerliche Trauerspiel in Frankreich und Deutschland. Der Paradigmenwechsel wurde hauptsächlich ausgelöst durch die Revolutionen in Europa, infolge derer das Bürgertum und teils auch der aufkommende städtische Mittelstand ins Zentrum des Interesses gerückt würde. Die Aufklärung und gesellschaftlichen Veränderungen trugen ihren Teil dazu bei.