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Matthew

Matthew

Aktiv seit: 30.11.2015
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Matthew

Der Anteil der regenerativen Energien (Sonne, Wind, Wasser) beträgt nun 40% am Stromaufkommen. Ist das eine gute Nachricht oder eine irreführende Statistik?

@Stechus Da muss ich ing beispringen, aber der Reihe nach: Sozialwissenschaftler sind etwas anderes, als Wirtschaftswisenschaftler. Weder Wirtschafts-Wissenschaftler noch Sozialwissenschaftler, haben halbwegs exakte Modelle um zu "berechnen" wie sich das Nachfrageverhalten nach bestimmten Gütern entwickelt. Man agiert mit "Elastizitäten" die man unter nur mäßig bekannten Bedingungen empirisch ermittelt hat. Und ja, das ist besser als vollkommen im Nebel zu stehen. Du glaubst gar nicht, wie viele unbrauchbare Wirtschaftlichkeits-Berechnungen von Ökonomen ich schon auf dem Schreibtisch gehabt habe, in denen eigentlich leicht zu ermittelnde Fakten völlig ignoriert wurden. Von den schwierig zu Ermittelnden ganz zu schweigen. Du glaubst auch nicht, wie viele Controller mich schon völlig entgeistert angeschaut haben, wenn ich von denen belastbare Zahlen gebraucht habe, um die Steuerung von Produktionsabläufen zu optimieren. Ja, es gibt Ökonomen, die einigermaßen eine Vorstellung von System-Verhalten haben. Viele habe ich aber noch nicht getroffen. Ja, soziale und ökonomische Systeme sind "weicher", als technische Systeme, es gibt wesentlich (!) größere Unsicherheiten. Die beherrscht man aber nicht dadurch besser, dass man Systemverhalten komplett ignoriert. Einerseits Unsicherheiten bei den Parametern aber, viel schwerwiegender, Unsichheiten in Bezug auf die System-Struktur. Und ja, als Ingenieur lernt man Systeme zu modellieren. Und, je nach Studienrichtung, lernt man dabei auch, mehr oder weniger ausgeprägt, Unsicherheiten einzuschätzen und zu berücksichtigen, z.B. in Messtechnik, Regelungstechnik, Signal-Theorie und Maschinen-Dynamik. Das heißt nicht, dass man die Berechnungen genauer durchführen könnte als Ökonomen, aber es hilft, heraus zu finden, wo die Schwachpunkte liegen und wo evtl. Stellschrauben nicht berücksichtigt wurden. Die Unsicherheiten in ökonomischen Modellen sind grundsätzlicher Natur, auch ein Ingenieur kann sie nicht beheben. Aber in aller Regel sind Ökonomen in Bezug auf diese Unsicherheiten wesentlich ignoranter. Das ist keine Überheblichkeit, das ist schmerzvolle Erfahrung. Als Ingenieur ist man ständig in wirtschaftliche Fragen involviert: Technische Design-Entscheidungen finden immer unter ökonomischen Gesichtspunkten statt. Ich habe auch nur sehr selten Ökonomen getroffen, die mit Begriffen wie z.B. Target-Costing etwas anfangen konnten, geschweige denn wussten, was dabei im Prozess die sensiblen Punkte sind. Oder die eine einigermaßen klare Vorstellung von Qualitäts-Kosten hatten oder welche Parameter da hinein spielen.

Warum werden Aktien verteufelt, obwohl nahezu alle wohlhabenden Menschen ihren Wohlstand auch ihnen verdanken?

Jemandem, der über genügend Spielgeld verfügt, dass er es sich leisten kann mit Aktien zu zocken, dem sei es gegönnt. Für jemanden, der schauen muss, wie er über die Runden kommt, nutzt es nichts, wenn Aktien "im Durschnitt" und in der Vergangenheit ein höheres Wachstum aufgewiesen haben als andere Anlageformen. Es würde ganz konkret darum gehen, dass die Aktien, die er im Portfolio hat, dieses Wachstum aufweisen. Er wäre also eher schlecht beraten, das bisschen Geld, was ihm zur Verfügung steht in spekulative Anlagen zu stecken. Ausserdem ist es einfach nicht jedermanns Sache, zu zocken. Wenn es also eine (we auch immer geartete) Institution gäbe, die eine sichere Anlage garantiert, dann dürfte diese gerne auch einen Teil in Aktien investieren um so die zugesicherte Verzinsung zu erwirtschaften. Blöd nur: Die durch Aktien erwirtschafteten Gewinne, können eigentlich nur aus dem Wirtschaftswachstum stammen. Wenn sie nicht daraus stammen, dann kommen eigentlich nur noch temporäre Blasen in betracht (die irgendwann platzen) oder aber, aus den Verlusten anderer Anleger. Und die instutionellen Anleger sind das in der Regel nicht. Die Argumentation man müsse sich nur etwas Geld vom Mund absparen, Aktien kaufen und dann würden auch Niedrig-Verdiener höhere Renditen erwirtschaften, ist ganz einfach dummes Zeug. Oder es ist die betrügerische Absicht von Leuten, die ihr Geld damit verdienen, anderen Leuten Aktien aufzuschwatzen und dabei an den Gebühren verdienen. Wenn die Aktien dann verkauft werden, kassieren sie erneut Gebühren, selbst dann, wenn de Aktien mit Verlust verkauft werden.

Warum hat die SPD in Bayern verloren und die Grünen gewonnen?

Es kommt selten vor, dass ich ing widerspreche. Aber hier muss es sein! Die "mediterrane Lebenseinstellung" ist nicht auf muslimische Länder beschränkt, die findet man auch in Spanien, Italien (jeweils römisch-katholisch), Griechenland (griechisch-orthodox). Man findet sie in etwas anderer Form auch in den Ostblock-Staaten (römisch-katholisch, russisch-orthodox, ukrainisch-orthodex und atheistisch). Es ist ein bisschen ein Teufelskreis: Wo die Organisation nur mäßig funktioniert (aus welchen Gründen auch immer) entwickeln Menschen die Fähigkeit, extrem zu improvisieren und einen gewissen Fatalismus. Wenn sich das mal etabliert hat, ist es kaum mehr möglich eine funktionierende Organisation hinzubekommen. Langfristig zu planen ist unter diesen Bedingungen keine Tugend, sondern nur ein wenig weltfremd. Ich habe das eine Zeit lang in der erz-katholischen Slowakei miterlebt. Sehr freundliche und intelligente Leute, aber wenn es in der Organisation hakt, wird das nicht in der Organisation begradigt, sondern sofort um alle Standards und organisatorischen Vorgaben herum improvisiert. Und bloß nicht nach oben weiter melden, da könnte sich jemand auf den Schlipps getreten fühlen. Also wird es auch im Großen nicht korrigiert Kismet ist vielleicht eine griffige Vokabel dafür. Auch wenn es woanders anders heißt oder vielleicht gar keinen Namen hat. Die Einstellung findet man auch in Sibirien oder in Süd-Amerika genauso. Und was Arbeitskollegen mit arabischen Wurzeln angeht, die haben sich (jedenfalls im Ingenieurbereich) relativ schnell die hiesigen Standards übernommen, was vielleicht daran liegt, dass es hier eine kritische Masse an Kolleginnen und Kollegen gibt, die das vorleben und eben eine funktionierende Infrastruktur (jedenfalls halbwegs). Auch Mediziner mit arabischen oder persischen Wurzeln habe ich nie als fatalistisch erlebt (ich bin zwar selbst kein Mediziner, habe aber im bereich medizinischer Technik einige Zeit eng mit Medizinern zusammen gearbeitet). Also von wegen Islam und Kismet, das ist, zumindest zu einem großen Teil, grober Unfug.

Prozentrechnung: Wie viel ist 3 von 7 in Prozent?

Was abhängige Wahrscheinlichkeiten betrifft: Die Rahmen gehen ja nicht irgendwie spontan kaputt, sondern da ist das Paket z.B. herunter gefallen, dabei ist ein Teil der Rahmen kaputt gegangen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rahmen kaputt geht, wenn das Paket aus 50cm Höhe fällt? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, wenn es von der Laderampe, 1,5m tief fällt? usw. Wie hoch ist jeweils die Wahrscheinlichkeit, für einen Rahmen, der auf der Seite des Paketes liegt, dass auf die Erde trifft? Wie groß für einen Rahmen, der auf der gegenüber liegenden Seite des Paketes liegt? Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rahmen kaputt geht, ist also abhängig von der Wahrscheinlichkeit, dass das Paket herunter fällt und von weiteren Parametern, wie z.B. der Fallhöhe und der Position innerhalb des Pakets. Dies sind "Abhängige Wahrscheinlichkeiten". Aus einem einzelnen Ereignis (Versandt des Pakets) ist die Wahrscheinlichkeit, dass es herunter fällt aber gar nicht ableitbar. Auch 2 oder 3 derartige Ereignisse reichen nicht aus, um daraus statistisch relevante Zahlen abzuleiten. Auch über die "Varianz" (Ein Maß dafür wie Reproduzierbarkeit oder besser Nicht-Reproduzierbarkeit) lässt sich aus den gegebenen Informationen nichts aussagen. Nehmen wir hypothetisch einmal an, dass wir über zusätzliche Informationen verfügen würden, aus denen wir tatsächlich eine Wahrscheinlichkeit von 3/7 ableiten könnten, dass ein Rahmen kaputt geht, und nehmen wir weiter den sehr hypothetischen Fall an, dass diese Ereignisse von keinem weiteren Ereignis (herunter Fallen) abhängen würde, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass alle 7 Rahmen unversehrt ankommen (4/7)^7 = 2% und die Wahrscheinlichkeit, dass alle 7 Rahmen kaputt gehen (3/7)^7 = 0,27%. Wahrscheinlichkeit ist etwas Nicht-Lineares und lässt sich deshalb nicht mit Dreisatz lösen.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali fordert ein neues Wort im Duden: "Heimaten"

@Dorfdepp, dass Du versuchst neutral zu sein, mag ich Dir ja gerne glauben. Wenn es Dir auch gelingen würde, müsstest Du ings Argumentation aber doch eigentlich folgen können: Ja, es gibt Parallel-Gesellschaften. Z.B. bei Vertriebenen-Treffen zu beobachten, Ing nennt Schlesier und Siebenbürgen, ich ergänze Sudetendeutsche. Und ja es gibt auch Türken, Araber, Perser, Chinesen, Russen, Briten, Nord- und Süd-Amerikaner und viele mehr, die zuweilen in Parallel-Gesellschaften leben. Z.B. viele von den GIs , die früher in Deutschland stationiert waren. All diese Menschen, die in Parallel-Gesellschaften leben, haben nur eine Heimat! Nämlich die, von der sie sich nicht lösen können. Sie sind hier nicht angekommen, haben also Deutschland nicht als zusätzliche Heimat gefunden. Diejenigen die mehrere Heimaten haben (und sich deshalb wünschen, dass auch sprachlich ausdrücken zu können), die sind hier angekommen und haben Deutschland (oder was auch immer für sie Heimat ausmacht) als Heimat. Zusätzlich aber eben noch, dass, was sich mit ihren Kindheits-Erinnerungen verbindet. Dazu gehört, da bin ich mir sicher, auch Dunja Hayali. Eigentlich ist das doch gar nicht so schwer zu verstehen. Für mich ist Heimat, zum Einen, die Gerüche meiner Kindheit: Der Geruch nach Salz und fauligem Seetang und das Geschrei der Möven. Und der Geruch nach Bauernhof. Übrigens völlig unabhängig davon, in welchem Nationalstaat sich die Küste oder der Bauernhof befindet. Das könnte auch in Frankreich, Korea oder Afrika sein. Es ist das Gefühl von "nach-hause-kommen" und von "Vertrautheit", egal wo. Oder es ist, die Silhuette des Stuttgarter Fernsehturms am Horizont zu sehen, obwohl ich schon seit fast 50 Jahren nicht mehr in Stuttgart lebe. Genauso aber auch, nach einer Reise in die Stadt zurück zu kommen, in der ich heute lebe. Ich habe eine ganze Reihe von Heimaten, die übrigens alle durch Orte in Deutschland geprägt sind (aber das ist Zufall), aber (zumindest teilweise) auch an vielen anderen Orten auf der Welt Resonanz finden und das Gefühl von Heimat auslösen.

Zum Tag der Deutschen Einheit

Ist 'ne Mischung aus verschiedenen Aspekten: Erstens: Sagen das die Ossis oder ist das den Ossis so in den Mund gelegt? Nach der Wende habe ich viel in den neuen Bundesländern gearbeitet und auch Urlaub gemacht. In den Kneipen: Bier aus dem Westen, in den Läden nur West-Produkte, wenn man nach lokalen Produkten und Marken gefargt hat: Haben wir aus dem Sortiment genommen, die Leute hier wollen das "Ost-Gelump" nicht, das sind nur Ladenhüter. Natürlich sind viele der Ost-Firmen dann pleite gegangen, auch wenn sie gute Qualität produziert haben. Wenn's keiner kauft, geht die Firma den Bach runter. Das ist jetzt nicht wirklich überraschend. Viele der Betriebe wurden an westliche "Investoren" verkauft, teils, wegen fehlender Kunden (siehe oben), teils Privatisierung von VEBs. Und viele der westlichen "Investoren" wurden auf diese Weise billig lästige Konkurrenz los oder kamen für 'nen Appel und ein Ei an den Maschinenpark oder waren Glücksritter, schon im Westen gescheitert, die im Osten sich kurz nochmal dicke tun konnten, bevor sie dann auch im Osten erneut gescheitert sind und dabei viel mit sich gerissen haben. Nur ein Teil haben wirklich investiert, im Sinne des Wortes. Dann gab es bei vielen den Glauben, wenn die Mauer fällt wird irgendwie alles besser. Man könne irgendwie so weiter machen, nur mit Luxus. Westgehälter kombiniert mit Ost-Preisen. Teilweise wurden Ost-Ausbildungen von Westlern nicht anerkannt und Handwerksmeister mussten schlecht bezahlte Hiwi-Jobs machen. Das erzeugt natürlich Unmut. Wie eingangs bereits gesagt, eine wilde Mischung aus überzogenen (und dann enttäuschten) Erwartungen an ein kapitalistisches Schlaraffenland einerseits und tatsächlicher Abzocke andererseits.