User Image User
User Image User

Noch Fragen?

hphersel

Aktiv seit: 21.03.2011
8 Antworten in den letzten 30 Tagen
Alle Antworten von
hphersel

Arzneimittelverschreibungsverordnung nach mengen und packungen

Stelle diese Frage einem Arzt oder Apotheker, und er (oder sie) wird entweder einen Lach- oder einen Tobsuchtsanfall bekommen. Erklärung: Mittlerweile hat jede (noch so kleine) Krankenkasse mit diversen Pharmafirmen Verträge abgeschlossen, was am Ende dazu führt, dass kaum noch jemand durchblickt, welches Arzneimittel in welcher Menge von welchem Arzt verordnet werden darf. Daher haben sich die Verantwortlichen das "aut-idem" Feld auf dem Kassenrezept einfallen lassen: Im Idealfall schreibt der Arzt nur noch den Namen des Wirstoffes auf das Rezept, der Apotheker (oder vielmehr seine Software) überprüft dann anhand der Krankenkasse des Patienten, welches der vielen oft inhaltsgleichen Medikamente, die sich oft nur durch den Handelsnamen und damit durch den Hesteller unterscheiden, er diesem Versicherten überhaupt geben darf. Eine N3 als Kassenleistung ist ebenfalls eher die Ausnahme; der Doc muss das gegebenenfalls bei der Krankenasse sehr gut begründen können. Der Grund dafür ist in der Budgetierung zu finden: Die Krankenkassen legen im Voraus (!) fest, wieviel ein Arzt für Medis etc ausgeben (im Sinne von: verordnen) darf; Überschreitet er diesen betrag, kann es vorkommen, dass er in Regress genommen wird, dass also von seinem Honorar eine gewisse Summe abgezogen wird. Auch das früher häufige "ad rep. xx" - deutsch: "xx mal zu wiederholen" ist heute kaum noch auf einem Rezept zu lesen. Die Idee dahinter war ursprünglich, dass der Patient mit einem Rezept dreimal (beispielsweise) zum Apotheker laufen konnte, ohne sich jedes Mal für eine neue Packung zum Doc zu begeben. Aber irgendwann hat die Politik beschlossen, dass die Gefahr, dass die bösen Patienten Unmengen an Medis zuhause horten und nicht oder falsch benutzen, zu groß ist. Somit ist der Arzt spätestens seit Ulla S. in einer Zwickmühle: die Politik suggeriert dem Patienten, dass alles für sein Wohl getan werde, gleichzeitig werden dem Behandler strenge Sparzwänge verordnet. Und der Doc muss dem Patienten erklären, warum etwas in der Relität nicht möglich ist, obwohl die Politik immer das Gegenteil behauptet, und da die wenigsten Patienten überhaupt etwas über Budgetierung etc gehört haben, glauben sie dem Doc oft nicht und beschimpfen ihn. Zu Unrecht.

Weshalb gibt es das Universum?

mir ist gerade etwas dazu eingefallen. Ein Zitat, um ganz genau zu sein. Und zwar unserem Australier zuliebe auf Englisch: Whenever life gets you down, Mrs. Brown, And things seem hard or tough, And people are stupid, obnoxious or daft, And you feel that you've had quite eno-o-o-o-o-ough, Just remember that you're standing on a planet that's evolving And revolving at 900 miles an hour. It's orbiting at 19 miles a second, so it's reckoned, The sun that is the source of all our power. Now the sun, and you and me, and all the stars that we can see, Are moving at a million miles a day, In the outer spiral arm, at 40, 000 miles an hour, Of a galaxy we call the Milky Way. Our galaxy itself contains a hundred billion stars; It's a hundred thousand light-years side to side; It bulges in the middle sixteen thousand light-years thick, But out by us it's just three thousand light-years wide. We're thirty thousand light-years from Galactic Central Point, We go 'round every two hundred million years; And our galaxy itself is one of millions of billions In this amazing and expanding universe. Our universe itself keeps on expanding and expanding, In all of the directions it can whiz; As fast as it can go, at the speed of light, you know, Twelve million miles a minute and that's the fastest speed there is. So remember, when you're feeling very small and insecure, How amazingly unlikely is your birth; And pray that there's intelligent life somewhere out in space, 'Cause there's bugger all down here on Earth! (Jawohl: "The Galaxy Song" von Monty Python)

Sind Vorurteile dem Rassismus gleichzusetzen?

pale-rider, ich habe nie bestritten, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen gehäuftem Auftreten einer Tatsache und notwendiger Konsequenz gibt (Dein Beispiel mit dem Autoverleih und Polen) - Die Frage ist letzten Endes die, wo Vorsicht aufgrund eigener Erfahrungen aufhört und wo Rassismus anfängt. Ich befürchte, dass es da keine scharfe Grenze gibt; der Übergang ist eher fließend. Ich denke, dass jemand, der bereits eigene (!) unangenehme Erfahrungen mit bestimmten Menschen in bestimmten Situationen hatte, in seinem Gehirn eine bestimmte Verknüpfung gespeichert hat, ähnlich wie einem pawlowschen Reflex. Wenn ich schon einmal von einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen angegriffen worden bin, ist nachvollziehbar, dass ich mich zumindest unwohl fühle, wenn ich erneut einer solchen Gruppe begegne. Das ist normal und entwicklungspsychologisch auch überlebenswichtig. Rassitsich wird's dann, wenn ich behaupte, dass nur dunkelhäutige Menschen andere Menschen angreifen oder dass dunkelhäutige Menschen generell angriffslustiger seien als hellhäutige. Oder frech formuliert: Die meisten Terroristen sind Muslime. Aber da es sehr viel mehr Muslime als Terroristen gibt, ist nicht jeder Muslim ein Terrrorist. Nur wird dieser Umkehrschluss viel zu häufig falsch gesetzt: Du bist ein Muslim? Dann bist Du sicher auch ein Terrorist! Und dann sind wir beim Rassismus, nämlich dann, wenn der abwertende Vorwuf objektiv falsch ist. Noch ein Beispiel: Hier in der Gegend gibt es viele rumänische Diebesbanden. Das ist nicht zu bestreiten. Dennoch sind nicht alle hier lebenden Rumänen Diebe, und erst recht nicht alle Rumänen weltweit. Aber unterm Strich denke ich, wir streiten gerade "um des Kaisers Bart". Inhaltlich liegen wir gar nicht so weit auseinander.

Sind Vorurteile dem Rassismus gleichzusetzen?

Hat Özil jetzt alles richtig, oder alles falsch gemacht?

Liebe Elfi, dann versuche ich es mal anders herum: Das Foto war auch für mich absolut nicht in Ordung, Das habe ich auch in meinem ersten Beitrag hier schon geschrieben. Aber angeblich ist Sport doch ach so unpolitisch. Das zumindest behaupten Sportfunktionäre so oft gebetsmühlenhaft. Und jetzt wechsele ich mal bewusst das Beispiel: was hat beispielsweise Dein Musikgeschmack mit Deinen beruflichen Fähigkeiten zu tun? Sollte ein Beatlesfan einen fäigen Teamkollegen, auf dessen Hilfe er angewiesen ist, dissen, nur weil dieser Stonesfan ist? Ein solcher Streit gefährdet das gemeinsame Ziel und sollte VORHER geklärt werden und nicht unterschwellig weiterschwelen. Das ist hier jedoch nicht geschehen. Lach nicht; es gibt genügend Beatles- oder Stonesfans, für die diese Frage wichtiger ist als alles andere. Das Beispiel ist in seiner Intensität also durchaus mit dem Özilbild vergleichbar. Der DFB hatte seine Antwort: Dass Özil für uns Tore schießt, ist uns wichtiger als dieses unsägliche Bild. Leider kam es anders, und nun muss dieses Bild als Erklärung herhalten. Ob Özil Erdogan mag oder nicht, spielt für seine Qualitäten als Fußballer keine Rolle. Und er wurde wegen seiner Fußballerischen Fähigkeiten für die Nationalmannschaft ausgewählt. Wenn von dem Foto ein störender Einfluss erwartet worden wäre, hätte dies im VORFELD geklärt werden müssen. Das ist nicht geschehen - vielleicht nur, weil es von den DFB-Verantwortlichen unterschätzt wurde - aber dafür ist Özil nicht alleine verantwortlich, auch wenn viele das jetzt im Nachhinein anders sehen.

Hat Özil jetzt alles richtig, oder alles falsch gemacht?

Hat Özil jetzt alles richtig, oder alles falsch gemacht?

... und jetzt mische ich mich auch mal ein: »Sportler der Nationalmannschaft vertreten ihr Land und dessen Werte bei internationalen Wettkämpfen, deshalb hätte man ihn gar nicht erst aufstellen dürfen.« Sorry, Leute: da bekomme ich einen Lachanfall. Werte? Was für Werte? Ich habe mal einen Artikel aus wer "Welt" aus dem jahr 2008 ausgegraben: https://www.welt.de/sport/olympia/article2340499/Olympia-2008-Der-Trend-geht-zum-Ueberlaeufer.html. Machen wir uns doch nichts vor: für den DFB ging es einzig und allein darum, zu gewinnen. Es geht um Geld, es geht um Macht, es geht ums Prestige. Und von Özil hat man sich viele Tore etc erhofft. Deswegen durfte er mitspielen. Und wenn er die erwarteten Tore gebrachthätte, wenn wir wieder Weltmeister geworden wären, würde sich niemand mehr aufregen. Motto: ja klar, das mit dem Erdoganfoto war blöd, aber immerhin hat er geholfen, dass wir wieder Weltmeister sind. - Stellt Euch mal vor, wir wären ohne Özil gefahren und in der Vorrunde ausgeschieden. Es hätte genug Leute gegeben, die gesagt hätten, unser schlechte Abschneiden hätte nur daran gelegen, dass wir aus politischen Gründen auf die besten Leute verzichtet hätten. Nach allem, was ich weiß, hat Özil während der WM eine im Vergleich zu den anderen Deutschen Spielern überdurchschnittliche Leistung gezeigt. An ihm alleine lag es sicherlich nicht, dass wir so früh rausgeflogen sind. Aber jetzt muss ja ein Sündenbock herhalten, und für diese Rolle bot sich Özil geradezu an. Wegen des Fotos und weil er sonst so ein ruhiger Kerl ist, der den Mund schon nicht aufmachen wird. Nur hat er's jetzt doch mal getan und da ist das Erstaunen groß. Den Rassismusvorwurf, den Özil ausspricht, haben zu viele Menschen mit optisch oder sonstwie erkennbarem Migrationshintergrund - und damit meine ich nicht nur Türken oder Polen - schon erlebt, mich eingeschlossen: Machst Du etwas gut, bist Du eben ein guter Türke, Pole oder Inder, machst etwas falsch, ist es "typisch" polnisch, indisch oder türkisch (um mal bei diesen drei Beispielen zu bleiben) - begeht ein "normaler" Deutscher ohne Migrationshintergrund den gleichen Fehler, wird oft (nicht immer!) weniger streng hingesehen. Dazu kommt ein gewisses Maß an Frust, wenn ich mich anstrenge und trotz besserer Leistung oft übergangen werde. "Dass Du als Ausländer eine solche Leistung bringst, hätte ich Dir gar nicht zugetraut!" Hallo? Wieso nicht? Ich bin hier geboren, groß geworden, habe die deutsche Staatsangehörigkeit, habe diesem Land als Offizier gedient - und muss mir dann anhören, "ja schon fast ein richtiger Deutscher " zu sein oder mich fragen lass, woher ich so gut deutsch sprechen könne - alles Erlebnisse, die ich lange vor 2015 gemacht habe. In den letzten Tagen wurden genügend Studien und Artikel (wieder-)veröffentlicht, die diese Erfahrung belegen und bestätigen. Noch einmal kurz zusammengefasst: Auch meiner Meinung nach war das Foto von Özil mit Erdogan falsch. Aber die nun einsetzende Menschenjagd ist es ebenfalls. Dass Özil sich wehrt, wenn alleine ihm wegen es Fotos das schlechte Abschneiden der Deutschen bei der WM angelastet wird, ist verständlich, und diejenigen, die Özil vorwerfen, übers Ziel hinauszuschießen und zu wenig zu differenzieren, sollten mal in den Spiegel schauen und sich fragen, ob sie nicht vielleicht auch mal zu wenig differenzieren. Was habe ich sinngemäß weiter oben in diesem Thread gelesen? "ich bin nicht rechts und habe nichts gegen Ausländer, ausser gegen Polen, weil mir einer von denen mal etwas Böses getan hat" - So etwas ist natürlich völlig sachlich und klar differenziert. Unbedingt. Logisch. Klar...

Ist Angeln ein Sport?