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Noch Fragen?

Warum fällt es vielen Menschen so schwer zu verstehen, dass es nicht für jedes Unglück einen eindeutig Schuldigen gibt?

Duisburg Loveparade: Niemand wollte die Katastrophe, viele haben mit mehr oder weniger Dilettantismus zur Katastrophe beigetragen: Die Veranstalter, die Polizei, die Stadtverwaltung und andere.

Das Unglück ist passiert, viele Menschen starben, keinem kann eindeutig die Verantwortung zugewiesen werden. Alle sind traurig darüber.
Die einen sterben mit 30 am Hirntumor, andere geraten in einen Verkehrsunfall. Es ist immer traurig. Es hat einem zur Geburt aber niemand garantiert, dass man 100 Jahre alt wird. Unglücke geschehen.
Warum ist das so schwer zu akzeptieren?
Frage Nummer 3000112902
Antworten (10)
bei großen Katastrophen wird erwartet, dass die örtlichen Verantwortlichen ihren Urlaub unterbrechen und vor Ort irgendwelche Plattitüden absondern.

Da wird dann den Hinterbliebenen versprochen, man werde "die Angelegenheit lückenlos aufklären" und "die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen".

Und das erwarten die dann auch.

Insbesondere unter dem Blickwinkel, dass sich JEDES Unglück für den einzelnen verhindern ließe. Hätte Mutti es nicht erlaubt oder hätte Vati noch 60 Sekunden am Telefon weitergesprochen oder hätte der Busfahrer den Reifen nicht so schnell gewechselt ... Wer von denen ist jetzt schuld?

Ich habe mal gelesen, dass die Titanic nicht untergegangen wäre, wenn man das Ruder entweder 30 Sekunden vorher (dann wäre sie vorbeigekommen) oder hinterher (dann wäre sie gerade hineingerauscht) herumgeworfen hätte (ich glaube, es war sogar noch weniger).
Manchmal gibt es einfach Murphys Law.
ungewöhnlicherweise stimmen wir bei dieser Frage in unserem Unverständnis ziemlich überein ...
Was daran so schwer ist, wirst Du begreifen wenn Du betroffen bist. Das Menschen sterben ist jedem klar. Wenn es aber zu früh für unser Verständnis ist, durch Krankheit oder Unfall, stellen sich die nächsten Angehörigen immer die Frage nach dem Warum. Es scheint die Trauerarbeit zu erleichtern, wenn man eine Erklärung oder den Schuldigen für die Ursache gefunden hat. Es liegt wohl auch in der Natur des Menschen den Verursacher bestrafen zu wollen, um einen gewissen Ausgleich für das erlebte Leid zu erhalten.
Dass Menschen sterben, dafür bestraft mal euren Gott schön.
Eine Bankrotterklärung der deutschen Justiz.
Eher das Gegenteil. Die Justiz macht es sich nicht einfach.
Wenn niemand eindeutig schuldiger gefunden werden kann, darf man auch niemand exemplarisch bestrafen nur damit die, die Gerechtigkeit verlangen, zufrieden sind.
Das wäre Unrecht für den Verurteilten.
Den Hergang des Unglücks muss man jetzt als Warnung für die Zukunft sehen, für mehr Sicherheit zu sorgen.
Das betrifft nicht nur Unglücke. Auch für Krankheiten wird gesucht, was daran schuld ist. Gewiss gibt es nachgewiesene schädliche Stoffe und Verhaltensweisen.
Aber die Schuldsuche nimmt zuweilen groteske Züge an und man fragt sich, was man noch essen oder tun darf.
Es gibt ängstliche Menschen, die richten danach freudlos ihr gesamtes Essverhalten und ihren Alltag.
Als Folge gibt es noch den riesigen Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln, die oft sogar schädlich sind.
Und dubiose Heilmittelchen. Scharlatane werden reich.
Eine Schuld, wenn es denn eine gibt, wird immer in barer Münze abgegolten.
Man hat eine Konsequenz daraus gezogen, es gibt keine Loveparade mehr, finde ich gut.
Sicher geschehen immer wieder Unglücke, aber was spricht dagegen, diese zu analysieren um weitere Unglücke zu verhindern ?
Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Kausalität. Wenn es sich dann herausstellt, es war kollektives menschliches Versagen, dann kann man es auch als Unfall bezeichnen.
Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler. Die Auswirkungen hier waren fatal. Es hat aber niemand absichtlich oder grob fahrlässig gehandelt. Leichtfertig wohl.