User Image User
User Image User

Noch Fragen?

Gast

Warum sterben in Bayern die Gastwirtschaften aus?

In Bayern existiert in gut 1/4 der über 2000 Gemeinden keine Gastwirtschaft mehr. Auch Gegenden mit Tourismus sind von Schließungen betroffen. Und auch im starken Südwesten Deutschlands sieht es nicht gut aus. Stattdessen breiten sich Pizzerien, China-Restaurants und Kebab-Buden aus. In Österreich dagegen gibt es fast ein Überangebot an Gastwirtschaften, wie kommt das alles zustande.
Frage Nummer 3000123371
Antworten (5)
Das liegt daran, dass die finanzielle Vergütung und die Arbeitsbedingungen derart mies sind, dass der potenzielle Nachwuchs kein Interesse hat.

Auch die Bahn hat einen Mangel an zukünftigen Lokführeren. Aber wer hat Lust, diesen Beruf zu erlernen, wenn darüber sinniert wird, künftig die Züge ferngesteuert fahren zu lassen?

Das Zauberwort heißt Wertschätzung, aber daran fehlt es zur Zeit.
Seltsame Definition von Gastwirtschaften hast du. Also China-Restaurants und Pizzerien gehören für mich eindeutig dazu, bei Kebab-Buden lässt sich drüber streiten.
Eine bayerische Gastwirtschaft wird ab 10:00 Uhr zum Frühschoppen, Weißwurst essen und Karten spielen besucht. Zum Mittag gib es Schweinsbraten mit Knödel und ab 14:00 Uhr schwankt man nach Hause zum Mittagsschlaf. So gegen 17:00h trifft man sich wieder mit der arbeitenden Bevölkerung zum Feierabendbier und verweilt bis gegen Mitternacht oder erreichen der nötigen Bettschwere. Seit wann kann der China, Pizza oder Dönermann eine solche Gastfreundschaft bieten?
Die Ursache ist ganz einfach auszumachen: Die Gaststättenkonzession ist an die Person des Betreibers gebunden. Wenn vor 50 Jahren in einem Betrieb nach 250 Jahren im Familienbesitz ein Generationenwechsel stattfand, mussten in der Konzession oft nur der Name und das Geburtsdatum geändert werden. Heutzutage kommt die Begehung: Ordnungsamt, Feuerwehr, Bauamt, Gewerbeaufsichtsamt usw. Und dann geht es rund! Beispiel: Es wird festgestellt, dass die Decke unter den Fremdenzimmern den heute geltenden Feuerschutzbestimmungen nicht genügt. Also müssen entsprechende Platten eingezogen werden, um die Bestimmungen zu erfüllen. Eigentlich einfach. Aber dann wird nachgemessen und festgestellt, dass durch die Feuerschutzmaßnahmen nunmehr die Deckenhöhe nicht mehr ausreicht. Dazu kommt die Brandmauer, die den Wirtschaftsbereich vom Gästebereich abgrenzt. Sie ist 18 cm breit, muss aber 24 cm. Und sie ist 25 Meter lang und trägt die Dachkonstruktion (Musca weiß es präziser zu formulieren).

Im Saal für 250 Personen gibt es eine Herrentoilette mit zwei Pinkelbecken und einem Klo; die Damen haben deren zwei. Bei den Damen müssen aber vier Klos, bei den Herren 3 und 4 Pinkelbecken. Beide mit geräumigen Vorräumen. Getrennt nach Geschlechtern. Und die nötigen Fluchtwege berücksichtigen!

Wenn wir schon mal beim Thema sind: Gibt es Angestellte? Haben die in den vergangenen 250 Jahren die für die Gäste bestimmten Toiletten benutzt? Geht nicht mehr. Nach Geschlechtern getrennte Toilettenräume müssen her. Und dabei gleich an die Sozialräume denken, die neu erstellt werden müssen.

Die Feuerwehr wird sich die gesamte Elektroinstallation genau ansehen. Im Regelfall komplett neu. Der Wirtschaftskontrolldienst wird den Zustand der Räumlichkeiten in Bezug auf die Hygiene beurteilen. Das kann richtig teuer werden!

Und das ist erst der Anfang. Die Erfüllung der Auflagen erfordert oft einen finanziellen Aufwand, der den Wert des Anwesens übersteigt. Die Kinder haben miterlebt, wie sich die Eltern krumm legen mussten, um den Betrieb zu erhalten. Jetzt ihrerseits 25 Jahre rund um die Uhr schuften, um die Investitionen zu erwirtschaften, um dann erneut vor einem durch neue Vorschriften entstandenen Investitionsstau zu stehen, sehen viele Erben als nicht erstrebenswert an. Und dann bleibt der Laden eben zu, wird schließlich an die Gemeinde veräußert, die ihn mit öffentlichen Mitteln saniert und als Gemeindehaus für Veranstaltungen nutzt. Das passiert nicht nur in Bayern, das zieht sich durch alle Bundesländer.

Eine weitere Ursache ist das geänderte Freizeitverhalten der Deutschen …
Die Pizzen werden gefroren vom Großhändler geliefert. Preis höchsten 2€. Die Nudeln sind schnell gekocht. China-Restaurants und Kebab-Buden sind oft Familienbetriebe. Vielleicht sind alle Mitarbeiter/innen Selbständige. Also existiert kein Tarifvertrag etc.