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Noch Fragen?

Wie erfolgreich ist die CO2-Steuer in der Schweiz?

Derzeit hört man von CO-2-Steuer-Befürwortren, dass das in der Schweiz doch so gut funktioniere. Ich habe recherchiert: Auf Flugbenzin wurde keine Abgabe durchgesetzt, der Benzinpreis wurde mit 8 Rappen (ca. 7 Eurocent) je Liter belastet.
Zum Ausgleich erhält jeder Schweizer eine Rückvergütung über die Krankenkasse von ca. 90 Franken. Pro Jahr! Also 7,5 Franken pro Monat.

Mit Verlaub: Steuerungswirkung = Null. Oder nicht?
Frage Nummer 3000123655
Antworten (6)
Ich versuche zu verstehen, was Du als "Steuerungswirkung" erwartest.

Wer ca. 20.000 km/Jahr fährt und das beibehält, für den ändert sich nichts.
Wer mehr fährt, zahlt mehr als vorher, wer weniger fährt, zahlt weniger.
Sein Auto stehen zu lassen, spart also Geld. Absolut gesehen ist das nichts, wofür ich mein Leben ändern würde. Aber multipliziere das ganze gedanklich doch mal mit zehn, dann könnte man schon anfangen zu überlegen. Und vielleicht ist genau das das mittelfristige Ziel nach einem vorsichtigen Einstieg.
Es ging mir darum, dass in den Diskussionen rund um die CO2-Steuer die Schweiz stets als Vorbild genannt wird, wie gut eine solche Steuer funktionieren kann.
In der Schweiz ist aber eine CO2-Steuer mit Lenkungswirkung grandios gescheitert, denn am Ende lief es auf einen so faulen Kompromiss heraus, dass eben gerade keine Lenkungswirkung eintrat. Bei einem Benzinpreis von 160 Rappen machen 8 Rappen gerade einmal 5% aus. Und die 750 Rappen Rückerstattung /Monat merkt dort auch keiner.

Damit sage ich nicht, dass eine CO2-Steuer grundsätzlich unsinnig ist. Die Schweiz als Beispiel zu nennen bedeutet aber ein Beispiel GEGEN die CO2-Steuer.
Ich frage mich, wo und wie Du recherchiert hast, wenn die Steuer für Dich in der Schweiz "grandios gescheitert" ist.
1. gilt sie sehr wohl für Flugbenzin. Zwar nur für innerschweizerische Flüge (das sind etwa 5%), aber das liegt nicht an den Schweizern sondern an internationalen Verträgen. Die Bevölkerung jedenfalls würde die Ausweitung mit sehr großer Mehrheit unterstützen
2. ist sie in den zehn Jahren um das achtfache gestiegen. Die Schweizer selber stehen dahinter und wenn die Lenkungswirkung nicht ersichtlich wird, dann erhöhen sie sie weiter.

Insgesamt wird die CO2-Steuer in der Schweiz von der großen Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen und weiterentwickelt. Das Thema ist dadurch im Fokus der Menschen und dann bedarf es vielleicht noch nicht einmal extremer Werte, um zu wirken.
Immerhin nehmen sie 96 Franken je Tonne CO2 - an der Börse kostet derzeit ein Zertifikat gerade mal 25 Euro.
Ich habe mir im Laufe meines Lebens angewöhnt, nicht die schlechten, sondern die guten Beispiele als Vorbild zu nehmen. Die Schweiz hat in der Tat keine guten Resultate erzielt. Vielleicht hat die Verkopplung mit dem Krankensystem nicht so richtig funktioniert.
Dann schauen wir doch mal Richtung Norden, z.b. Schweden.
Die haben eine CO²-Abgabe seit 1991 !!!!!
Der Ausstoß an Klimagasen ist dort bis 2013 um 14% gesunken, gleichzeitig stieg der BIP um 60%.
Das sind ordentliche Werte.( Quelle : Die Zeit ).
Aber nein, es steht die Angst vor Wählerverlusten, niemanden wehtun, aber trotzdem langsam aber sicher untergehen.
Umweltbundesamt:

"Emissionsentwicklung 1990 bis 2017
In Deutschland konnten die Treibhausgas-Emissionen seit 1990 deutlich vermindert werden. Die in Kohlendioxid (CO2)-Äquivalente umgerechneten Gesamt-Emissionen (ohne Kohlendioxid-Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) sanken bis 2017 um rund 344 Millionen Tonnen (Mio. t) oder 27,5 %."
Jetzt stellen sich noch die Fragen:

Wie viel Anteil haben die Bereiche Kohlendioxid-Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft hat an der Gesamtbelastung?

Ist der Anteil der Bereiche so groß, dass die Senkung prozentual viel kleiner ausgefallen wäre, wenn die Bereiche nicht rausgerechnet worden wären?

Ist in den Bereichen der Ausstoß ggf. noch gestiegen?

Rechnen die anderen Länder den Anteil auch heraus?