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Noch Fragen?

Wie kann der Betrug in der Abrechnung von Pflegediensten wirksam verringert werden?

So wie das Pflegesystem in Deutschland aufgebaut ist, lädt es zum Betrug ein. Denn die Pflegedienste rechnen nicht gegenüber den Kunden ab, sondern lassen sich nur die Leistungen vom Kunden bestätigen, die sie abrechenen wollen. Und weil die Pflegedienstkräfte viel freundlicher sind, wenn auch nicht erbrachte Leistungen bestätigt werden, wird eben mehr abgerechnet als erbracht. Der Schaden geht in die Milliarden pro Jahr.

Mein Vorschlag: Die Pflegekasse übernimmt nur noch 90% der Kosten, jeder Kunde zahlt 10% aller Leistungen selbst. Nur dann wird sichergestellt, dass die Leistungen einer Prüfung unterzogen werden.
Gute Idee, oder?
Frage Nummer 3000107282
Antworten (13)
Leidest Du eventuell seit längerer Zeit unter Langeweile?
Ich freue mich, dass Deine Eltern noch fit sind.
Warum ich das annehme? Nun, ganz offensichtlich hast Du noch nie die Dienste eines Pflegedienstes in Anspruch genommen.
Das stimmt. Aber wie trägt jetzt deine Antwort zur Lösung des Problems bei? Ich halte es für ein extremes Problem. Denn es droht die Auflösung des gesellschaftlichen Konsenses, wenn zu viel Geld aus dem System versickert. Häufig gibt es dann radikale Lösungen. Deswegen lieber zur rechten Zeit eine Anpassung.
Eben so wenig, wie deine Frage oder dein Vorschlag.

Obwohl ich den gut finde.
Wer sich die 10% nicht leisten kann, der muss sich ja nicht pflegen lassen ...

Ich habe keine Ahnung, ob die Pflegepatienten die Leistung, die abgerechnet werden sollen, unterschreiben müssen, aber kann der Patient denn nun unterscheiden, ob dies nun eine Körperpflege für 4,50 Euro oder 8,90 Euro war? Kann der Patient unterscheiden, ob die Pflege von einer Fachkraft oder Aushilfe durchgeführt wurde?
Kann man ihn für die Abrechnung haftbar machen?

Wie der Betrug verhindert werden kann?
Nun wenn man die Artikel zu dem Thema liest, steht doch drin, wie man den Betrug verhindern könnte. Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle.

Insgesamt haben die Krankenkassen 14 Millionen Euro von den Pflegediensten zurückgeholt. Dabei wurden 5,5 Millionen durch 5 Krankenkassen eingetrieben. Wenn alle 110 Krankenkassen so genau kontrollieren würden, dann wäre dies Problem schon um 100 Millionen Euro kleiner.
Es kann aber doch keiner vom Schreibtisch aus kontrollieren, welche Leistungen erbracht wurden. Da fallen doch nur die unverschämtesten Unplausibilitäten auf. Und die wenigen zurückgeforderten Beträge, die durch Kontrollen erzielt werden, ändern nichts an der grundsätzlichen Betrugsanfälligkeit des Systems.
Mit gegenseitigen Vorwürfen kommen wir doch nicht weiter, auch wenn es schick ist, sich über die Vorschläge anderer zu empören.

In der Schweiz zahlen Krankenkassen grundsätzlich nur 90% der Behandlungskosten. Härtefälle werden gesondert geregelt. warum ist so ein Modell für Deutschland -wenigstens in der Pflege- scheinbar unmöglich?

Und hast du schon einmal eine Reparaturrechnung für ein Auto gesehen? Du würdest dich wundern, was sich die Werkstätten alles für Positionen einfallen lassen würden, wenn es eine entsprechende Versicherung gäbe.
Weil die Kunden aber selbst bezahlen, lassen sie sich die Rechnung erklären. Warum soll das bei Pflegeleistungen schwieriger sein?
Du siehst darin ein extremes Problem - ich nicht.

Es ist nicht so, dass ein Pflegedienst morgens zum Patienten kommt, machen kann, was er für notwendig hält und das dann abrechnet.

Es läuft anders herum. Der maximale Betrag steht fest, und er ist fast (eigentlich ohne das "fast") immer zu niedrig.
Dann wird mit dem Pflegedienst gesprochen, was er wann zu diesem Preis erledigen kann. Der Rest muss über Verwandte oder Freunde unentgeltlich laufen.

Betrug ist möglich, indem Leistungen nicht erbracht werden. Das merkt aber in aller Regel derjenige, der die Restarbeiten erledigt.
Nur da, wo es keine solche weitere private Betreuung gibt oder wo fiktive Patienten erfunden werden, ist wirklich Betrug möglich.

Und ja, das gibt es. Genau wie Ärzte falsche Abrechnungen mit der Krankenkasse durchführen, Außendienstmitarbeiter ihre Spesen manipulieren, Steuerzahler ihre Werbungskosten "interpretieren".

ÜBERALL führt kriminelle Energie zu wirtschaftlichem Schaden. Nun bin aber mal so naiv, den meisten Menschen kriminelle Energie einfach abzusprechen (ich weiß, für einen Wirtschaftsliberalen ist das schwer vorstellbar).

Die meisten Pfegedienste (wie auch die meisten Ärzte und Außendienstmitarbeiter - Steuerzahler lasse ich hier mal außen vor) arbeiten sauber, aber am Limit. Wenn die jetzt noch zusätzlich einen bräuchten, der für den 10%-Anteil Rechnungen schreibt, die Zahlungseingänge überwacht und ggfs. Mahnungen in die Wege leitet, dann sind die "tot". Darum halte ich das für keine gute Idee.
Jetzt bin ich verwirrt. So wie du das beschreibst, kann es Betrug ja nur in äusserst geringem Mass geben und damit gäbe es gar kein Problem.

Warum werden dann in den Medien (z.B. SPON) immer so hohe Beträge genannt, um die die Kassen betrogen werden? Wer irrt?
Nun, zumindest können einige Krankenkassen diese Betrügereien deutlich besser aufdecken als andere und es wäre schon mal ein wichtiger Schritt.

Ich hab denn aber mal ein paar Artikel mehr gesucht.
Die wichtigsten Betrugspunkte sollten sein:

Die Täter fälschen Nachweise und rechnen nicht erbrachte Leistungen ... ab.
Bei deinem Vorschlag, würde der Betrug einfach weiterlaufen und die Täter hätten halt nur 10% weniger, bzw. müssten 10% mehr fälschen.
Da die ganze Abrechnung gefälscht ist, hat auch kein echter Patient unterschrieben.

Die Täter schulen vermeintliche Patienten , um die Prüfer des Medizinischen Diensts der Krankenkassen und den Sozialfachdienst über die tatsächliche Pflegebedürftigkeit der Betroffenen zu täuschen.
Nun, da dürft sich auch mit Eigenanteil nichts ändern.
Der Patient braucht (ohne Betrug z.B. für 800,00 Euro Pflege und muss 80,00 Euro selber zahlen 720,00 EUro zahlt die Kasse.
Der Bedarf wird auf 1.200,00 Euro getrickst. Die Kasse zahlt 1.080,00 Euro das sind 360,00 Euro mehr, die sich die Täter irgendwie teilen. Der Patient hat immer noch eine geringere Selbstbeteiligung.

Dann gibt's noch die Möglichkeit mit Scheinrechnungen die Steuer, nicht die Kasse zu betrügen.

Vom Spiegel:
"Patienten und Angehörige wirken häufig an den Betrugshandlungen mit", sagt ein Ermittler aus Nordrhein-Westfalen. "Dafür erhalten sie einen Teil der Beute."

Da hilft wie oben aufgeführt keine Selbstbeteiligung, da der Mittäter ja nicht seinen (Eigen-)Anteil am Betrug auch bezahlt.

Auch wenn es schwierig ist, es bleibt dabei, es hilft nur Kontrolle und dazu muss der Wille vorhanden sein.
Nach einem Bericht der SZ liegt der Schaden bei etwa einer Milliarde. Das will ich nicht klein reden, aber angesichts eines Gesamtvolumens von 38 Milliarden entspricht das 2,5%.
Lustigerweise beträgt der Anteil der tatverdächtigen Personen irgendeiner Straftat an der deutschen Gesamtbevölkerung auch 2,5%.
Mit anderen Worten : der Betrug bei der Pflege liegt voll im Schnitt. Man muss ihn bekämpfen, aber er zersetzt nicht die Gesellschaft.
@ ing793

Könntest du liebenswürdigerweise dem verdutzen Publikum erklären, was die 2,5 % der Tatverdächtigen mit den 2,5% der Schadenssumme zu tun haben? Lustiger Zufall, wirklich, aber mehr auch nicht. Kaum erwähnenswert, außer es ist eine Absicht dahinter, nämlich abzuwiegeln.

Also was sollte es? Vergleichbar ist es nicht. Den Tatverdächtigen muss eine Straftat nachgewiesen werden, was schwierig sein kann, beim Versicherungsbetrug müssen die Täter nur überführt werden, was wesentlich leichter ist, sofern ein Interesse daran besteht.

An letzterem zweifele ich. Es geht ja nur um das Geld der Versicherten. Wenn das nicht reicht, werden eben die Beiträge erhöht. Weiß ich, ob mein Arzt eine komplette Untersuchung bei der Krankenkasse abrechnet, wenn ich nur ein Rezept hole? Das lädt doch gerade dazu ein, es mit der Abrechnung nicht ganz so genau zu nehmen, weil der Beitragszahler leider keine Lobby hat.

Das Parlament könnte die Lobby der Bürger sein, aber das sage ich nicht laut, weil ich niemanden auf dem Gewissen haben will, der deswegen an einem Lachanfall stirbt.
"Kriminologen schätzen, dass durch Betrug im Gesundheitswesen fünf bis zehn Prozent des Gesamtbudgets abgezweigt werden. Auf die bundesweiten jährlichen Ausgaben in der ambulanten Pflege von rund 20 Milliarden Euro gerechnet, kämen allein dort ein bis zwei Milliarden Euro zusammen. "

Womit sich nur zeigt, dass sich die Experten nicht einig sind oder unterschiedliche Zahlen vergleichen.
Sind es nun bei der Pflegeversicherung 1 Milliarde Betrugssumme, was 2,5% des gesamten Umfangs der Krankenversicherung (evtl. 38 Milliarden)?
Oder geht die SZ von 38 Milliarden an Pflegekosten aus?

Die Höhe des Schadens ist ohnehin nur geschätzt, da nur die Summen, die zurückverlangt wurden, als gesichert gelten können.

Bedenklich ist m.M. nach, dass die Versicherungen kein Interesse haben, den Betrug aufzudecken. Es entstehen Personalkosten und Aufwand, während die Betrugssummen genau so einfach auf die Beiträge umgelegt werden können, aber keinen Aufwand bedeuten.
@ dorfdepp:

You made my day!

Danke.
@ moonlady

You're welcome. Always.