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Noch Fragen?

Wie wollen die Grünen die Energieversorgung sicherstellen?

Aus dem Wahlprogramm:
"Wir wollen bis Ende 2022 rund ein Viertel der Braunkohlekapazitäten und rund ein Drittel der Steinkohlekapazitäten abschalten. "

Es kann natürlich sein, dass die ganzen Kraftwerke bisher Strom produziert haben, der gar nicht gebraucht wurde. Aber einmal angenommen, der Strom wurde gebraucht: Woher kommt dann nach der Abschaltung der Kohlekraftwerke (Ausfall ca. 63 TWh, ca. 40% des hergestellten regenerativen Stroms) der Strom? Und wie würde sich die Ersatzbeschaffung auf das Klima auswirken?
Frage Nummer 3000122449
Antworten (25)
Anders gefragt:
Welche Energiepolitik bekommt man, wenn man die Grünen wählt?
Eventuell überfordert Dich Giga und Terawatt. Aus der Steinkohle werden 26,9 GW, aus der Braunkohle 20,9 GW erzeugt. Das sind 14,7 und 11,4 % der netto Stromerzeugung in Deutschland.
Zusammen also 26 % davon ein Drittel abgeschaltet wären rund 9 % des Nettoaufkommens. Laut Managermagazin exportiert Deutschland etwa 10 % seines Stromaufkommens, da wären ja noch 1 % Reserve. ( Quelle: Wiki und Manager Magazin )
DAS hier war meine Quelle.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stromerzeugung.
Ist sie falsch?
Laut Deinem Wiki Artikel sind es 2018 ca. 35 % des Bruttoaufkommens und keine 40 % die aus der Kohle kommen. Davon schalten wir ein Drittel ab, ca. 11,6 %. Laut MM verkaufen wir 10 % unseres Stroms, bleibt ein Minus von 1,6 %. Selbst das könnten wir kompensieren wenn es endlich weiterginge mit den Windkraftanlagen, da liegen 40 % der genehmigten Projekte auf Eis durch die Einsprüche der Gegner. Es gibt ja auch noch die Strombörse in Leipzig für die Deckung 1,6 %. Mit Giga und Tera habe ich mich nicht mehr beschäftigt, meine Giga ist die augenblickliche Nettolast und Deine Tera die Jahresproduktion. In % der Anteile wird es unerheblich ob GW oder TW.
Ihr solltet Euch einigen, ob Ihr über Leistung oder Arbeit reden wollt.
GW ist Leistung, TWh ist Arbeit (oder Leistung mal Zeit)

63TWh entspricht in etwa der Strommenge, die wegfallen würde, da hat Stechus recht.
Das sind aber nicht 40%, sonder nur 25% des regenerativen Stroms und etwa 10% der Gesamtmenge. Bezüglich der Einordnung in die Größenordnung stimmt Rayers Darstellung.

Angeichts brachliegender Gaskapazitäten, steigender regenerativer Energien, des Exportanteiles und eventueller Einsparmöglichkeiten halte ich das bis Ende 2022 für ambitioniert, aber nicht unrealistisch.
Wie auch immer. Für mein Verständnis deckt sich das in etwa mit ing, es sollen rund 10 % des Gesamtaufkommens abgeschaltet werden, also etwa das was man an der europäischen Strombörse verkauft. Die stillen Reserven aller Kraftwerke zusammen möchte ich gar nicht wissen, am Ende könnte man vielleicht morgen die Kohle abschalten statt 2038.
Die Braunkohlenreviere in NRW und im Osten rücken immer näher an die Großstädte heran. Sollen irgendwann die Berliner und die Köölner umgesiedelt werden? Die Folgen der Steinkohle sind bekannt. Und im letzten Sommer musste die Leistung der fossilien und Kernkraftwerke reduziert werden, weil das Flusswasser zu heiß wurde. Wasserkraftwerke mussten wg. Wassermangel reduziert werden. Der Import von Kohle aus dem Ausland, die ja meist über die Flüsse transportiert werden, wäre auch fraglich. Wahrscheinlich bleibt nichts anderes übrig, als Stromspeicher zu bauen. Eine Bekannte, die über einen Nachtspeicherofen als Zusatzheizung (sonst Holz aus dem eigenen Wald, gut das ist Luxus) erzählte mir, dass die Energieversorger über die Nachtspeicheröfen inzwischen wieder glücklich sind.
Bleiben wir bitte noch kurz bei der Ausgangslage: Mit Wind und Sonne werden (Zahlen von 2018) 111TWh Strom hergestellt.
Durch den Wegfall der Kohle sollen 63 TWh weniger produziert werden. Das ist schon eine Menge Holz.

Auch ist es so, dass Wind und Sonne nicht immer für ausreichende Energie sorgen können. Und es wurde doch immer dann Strom verkauft (auch gegen zusätzliche Bezahlung), wenn durch "zu viel Wind" überflüssiger Strom produziert wurde und die Netze in Gefahr waren.
Damit kann man ja nicht ableiten, dass Kohlestrom zu viel produziert wurde.

Abgesehen davon sind die Abnehmer nicht immer dort, wo auch die Windräder stehen. Und deswegen kann der Windstrom nicht dorthin geleitet werden, wo er gebraucht wird.

Daher kann nicht jeder Strom überall eingesetzt werden.

Aber zurück zur Frage. Ich habe im Programm der Grünen nirgends gelesen, wie die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, wenn obige Punkte einbezogen werden. Da lese ich sowas wie "Hambi bleibt". Aber davon kommt doch der Windstrom nicht in den Süden.

Hat einer von euch eine Quelle oder irgend etwas gesehen, wie das die Grünen lösen wollen?
Immerhin drohen sie ja ihren Proteststatus zu verlieren und müssen realistische Lösungen vorschlagen.
Ich habe noch keine gesehen, habe aber vielleicht nicht gründlich genug recherchiert.
Danke!
Du bist Meister im Ignorieren, oder? Kilo, Mega, Giga oder Tera, 10 % sind 10 %. Wo die herkommen könnten, haben ing und ich schon beschrieben. Was hättest Du gerne, dass Annalena Baerbock und Robert Habeck einen Dynamo betreiben zum Ausgleich?
Das Problem besteht darin, dass diese 10% dann verkauft werden, wenn die Windräder rennen wie bekloppt (und kaum jemand den Strom braucht). Wenn sie stehen, wird aber trotzdem Strom benötigt. Diese 10% können nicht genommen werden, um den Bedarf zu decken, weil sie dann schon "weg" sind.

Mit anderen Worten bedeutet es eben nicht, dass wir im Februar genug Strom haben werden, nur weil wir im April welchen verkaufen.

Es ist schon schwer, wenn nicht einmal die Problemstellung klar ist, sich die Leute aber schon positionieren.
Stechus Du bist penetrant. Aber gerne nochmals:
!!Die stillen Reserven aller Kraftwerke zusammen möchte ich gar nicht wissen!!
Ich bin ja bekanntermaßen in der Energiewirtschaft tätig, glaub es oder lass es bleiben, ein Kraftwerk läuft nie bei 100 %. Irgendwo bei 80-85 % lässt man die Dinger laufen, um noch Reserven zu haben. Gerne auch mal bei weniger als 60 %, wenn es gerade wie verrückt bläst oder die Sonne scheint. Der ganze Zinnober mit dem Hoch und Abfahren ist auch nur bei einem Kraftwerk von 0 % auf Leistung relevant, das geht tatsächlich nicht einfach mal so.
Und jetzt bin ich hier raus, bevor ich mir wieder eine Rüge einhandele Dich zu hart anzugehen.
stimmt, das ist ein echtes Problem!!!

Lies die Aussage oben noch einmal in Ruhe durch! Es sollen "Kapazitäten" abgeschaltet werden, das wäre dann und nur dann dasselbe wie "weniger Strom produzieren", wenn die Kraftwerke stets bei 100% laufen würden.

Tun sie nicht. Man könnte also ein paar der größten Dreckschleudern abschalten und im Gegenzug durchaus einen Teil dadurch kompensieren, dass man die Reserven der modernen Kohlekraftwerke einbezieht.
Dazu kommt eine ganze Reihe von Gaskraftwerken, die derzeit überwiegend im Leerlauf vor sich hindümpeln, weil die dreckige Kohle soviel Grundlast fährt.

Ich wiederhole gerne noch einmal: es ist ambitioniert, aber möglich, insbesondere unter Berücksichtigung der Kompromisse in unserer Konsens-Demokratie.
Wen am Ende etwas mehr als die Hälfte der Forderung durchgesetzt würde, hätten alle dabei gewonnen (außer den Besitzern der alten Dreckschleudern, die abgeschaltet werden sollen).
1. Ich will euch ja nicht ärgern, sondern nur verstehen, wie die Grünen die Versorgungssicherheit gewährleisten wollen. Danke für eure bisherigen Ideen.

2. Ich habe nun verstanden, dass ihr glaubt, dass die Grünen einerseits Kapazitäten abschalten und andererseits die übrigen (Kohle-)Kraftwerke stärker auslasten wollen.

3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Grünen das so meinen, denn wie sollte mit dieser Umschichtung von einem auf das andere Kraftwerk das Klima geschützt werden?

4. Gibt es hierzu weitere Meinungen? Vielleicht von unserem bekennendem Grünen?
Was du dir vorstellen kannst, ist der Realität nun mal egal.
Echt jetzt? So einfach ist das? Die Grünen wollen einfach die Kohle woanders verbrennen?

Ok, wieder was gelernt. Ob das die Fridayforfuture-Kids und der Rezo wohl auch wissen?
Eigentlich wollte ich nicht mehr und das ist auch reichlich kompliziert. Ein älteres Braunkohlekraftwerk hat einen Wirkungsgrad um die 35 %, ein Steinkohlekraftwerk so um die 38 %. Ein modernes Kohlekraftwerk kann da schon auf 45 % kommen. ing hat also schon absolut recht, es könnten die alten mit niedrigem Wirkungsgrad abgestellt und die neuen mit hohem Wirkungsgrad ausgelastet werden. Es ist aber nicht im Interesse der Betreiber bei billigem Brennstoff sein schlecht laufendes Kraftwerk zu optimieren, geschweige ganz vom Netz zu nehmen. Die Gewinnspanne ist so gigantisch, dass man selbst im 1 Cent Bereich pro Kilowatt, den Überschuss noch in Leipzig verscheuern kann.
Stell Dir vor, der Liter Sprit kostet an der Tanke nebenan 29 Eurocent pro Liter ( Preis aus dem Oman ), welchen Anreiz hast Du einen VW Up mit 4 Litern, oder einen VW Käfer Bj 1960 mit 11 Litern auf 100 Km zu fahren?
So ähnlich ist es bei den Kraftwerksbetreibern. Ob das kW Strom für 0,02 oder 0,022 Eurocent Brennstoffpreis zu erzeugen ist, spielt keine Rolle. Hauptsache die Mühle läuft und man kann den Strom verkaufen. Wirkungsgrad? Lächerlich.
Betonung Brennstoffpreis, die Erzeugungskosten sind was anderes.
StechusKaktus, deine Diskussionsfreude in allen Ehren, aber die zahlreichen Antworten sollten dir doch schon erläutert haben, dass es geht oder gehen könnte. Ich möchte aber noch einmal auf den Anfang zurückkommen und das ist das Wahlprogramm der Grünen. Unter "1.1 KLIMASCHUTZ FÖRDERN,
FÜR EIN EUROPA DER ERNEUERBAREN ENERGIEN, RAUS AUS KOHLE- UND ATOMKRAFT" (lange Version, nicht nur die Stichpunkte) sind einige Ausführungen gemacht worden, die ich jetzt hier nicht alle reinkopieren will. Diese Ausführungen kann man dann auch noch für blauäugig, falsch oder sonstwas halten, Fakt ist aber, dass es Ausführungen gibt. Du hast mit deiner Fragestellung impliziert, dass es im Wahlprogamm keine Antworten gibt, und das ist falsch und manipulativ.
Mönsch Jungs, seid nicht so böse mit das Kaktus.
Der überliberale Herr Lindner hat doch schon eine "praktikable Lösung" vorgestellt. Statt umweltintensiven Flugverkehr zu reduzieren, gehen wir doch auf Wasserstoff getriebene Flugzeuge, die pusten ja nur Wasserdampf aus.
Für die Erzeugung des Wasserstoffes braucht man zwar die etwa doppelte elektrische Energie, die Wasserstofftechnik steht noch in den Kinderschuhen, aber Hauptsache mal irgendwas ins Mikro geblubbert.
Sorry, dann wundern sich Parteien, wenn sie nicht mehr gewählt werden. PS. die FDP habe ich noch nie gewählt.
Allein die Tatsache, das Wind-und Solarenergie bei Überkapazität abgeschaltet wird, ist ein Unding.Es gibt genug clevere Möglichkeiten die Kapazitäten zu nutzen.
Warum werden diese nicht genutzt... ein Schelm, der böses dabei denkt !
Gehen wir mal zu der E-Mobilität : dicke schwere SUV´s die vorher keiner brauchte, gibt´s jetzt elektrisch.
Für einen kleinen Post Transporter musste ein kleines Startup herhalten, die hohen Herren der Autoindustrie waren sich zu fein dafür, eine Schande für unsere Autoindustrie.
Punkt ist, mit etwas cleverness lässt sich Energie einsparen, ohne Ende.
Bleiben wir bei den Fakten:
a) Ich habe eine Frage gestellt, die bislang niemand hier beantworten konnte
b) Es ist keine Diskussion und es war (zumindest von mir) auch keine gewünscht
c) Der aggressive Ton kommt nicht von mir
tja Stechus, dumm gelaufen.
@Stechus
Es kann keiner etwas dafür, wenn Du nichts verstehst oder verstehen willst. Deine Frage ist mehr als ausführlich beantwortet worden. Wenn Du allerdings der Meinung bist wir müssen weiter Überkapazitäten erzeugen um die Umwelt bei uns zu belasten und billig in die Anrainerländer verkaufen dann ist das so. Ich sehe keinen Bedarf im Erhalt von Überkapazitäten.
Eine Möglichkeit die unsäglichen Grünen mit ihren völlig verwirrten Ansichten blosszustellen wäre ein Aufdruck auf den Sohlen deiner Pumps, z.B mit 18%.
Bis Fukushima war Deutschland für Schwarz - Gelb auch am Ende ohne Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Komischerweise sind die Lichter nie ausgegangen und der Überschuss wird fleißig exportiert. Hauptsache man glaubt an die Parolen der Energieversorger.
Was eventuell auch helfen könnte zu verstehen, warum an ein Abschalten der Kohlekraftwerke nicht zu denken ist, wäre ein Blick auf die Eigentümerstruktur. EnBW gehört zu 46 % dem Land BadenWürttemberg und 46 % mehreren Landkreisen, nur läppische 0,38 % sind im Freefloat. RWE gehört zu 6 % der Stadt Dortmund und 3 % Essen. Alleine die beiden Konzerne stehen für 28 % der Stromversorgung. Glaubt wirklich irgendjemand, die schalten sich freiwillig die Gelddruckmaschine ab?