User Image User
User Image User

Noch Fragen?

Worauf gründet sich die Erwartung, nach schlecht bezahlten Berufen, die häufig in Teilzeit ausgeübt werden, eine auskömmliche Rente zu erhalten?

In Talkshows gehört es mittlerweile zum guten Ton, Putzfrauen vorzustellen, die sich überrascht zu den niedrigen Rentenerwartungen äußern.
Ist das naiv? Oder schlimmer?
Frage Nummer 3000049217
Antworten (18)
die Putzfrauen werden lediglich als einprägsames Beispiel herangezogen, weil jeder irgendwie entweder Putzfrau ist oder eine braucht.
Sie stehen als Sinnbild für eine Entwicklung, die die Rentenhöhe von zwei Seiten aus in die Zange nimmt:
a) das allgemeine Rentenniveau, das im Laufe der nächsten Jahre von über 50 auf gerade mal 43% des letzten Nettos geplant sinken soll - und auch das nur für den, der bis 67 durchhält.
b) noch vor etwas mehr als 20 Jahren Jahren hatten mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung. Wenn die in Rente gingen, konnten sie gut davon leben (und auch der jeweilige Ehepartner war abgesichert, wenn nicht durch eigene Ansprüche, dann über die Witwer/Witwenrente).
Heute sind das gerade mal etwas mehr als die Hälfte (und auch von denen müssen einige aufstocken).

Dem Rentensystem wird systematisch das Geld entzogen und anschließend darüber geklagt, dass man damit eben nicht mehr bezahlen könne und der Einzelne vorsorgen müsse.
Maschmayer hat das sinngemäß als Lizenz zum Gelddrucken bezeichnet. Maschmeyer ist Schröders Duzfreund. Honi soit, qui mal y pense!
Das Rentensystem ist unabhängig von der Beschäftigung der absolute Witz, wenn trotz 40 Jahre harter Arbeit zu jeder Zeit eine Rentenlücke besteht, es sei denn, man zahlt ordentlich in Riester und anderen Altersvorsorgen ein!
Wir sollten uns allerdings - und dies ist ausdrücklich keine Neiddebatte - ernsthafte Gedanken über die Beamtenpensionen (sowohl für hauptberufliche als auch für Wahl-Beamte) machen.

Meine Schwester ging mit 62 Jahren als ehemalige Lehrerin einer Gesamtschule in Pension; sie erhält monatlich 3.800 Euro Pension, die sie versteuern darf.

Ich frage mich schon lange, wo da der Bezug zur "normalen" Lebensrealität bleibt; scheinbar sorgt eine besondere Kaste - im Bundestag sitzen wegen der Arbeitsplatzgarantie überwiegend Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes - dafür, dass das so bleibt!
Lieber S.Q.F: Ich sehe das (natürlich) anders. Ich kann mit der Pension dieser Lehrerin locker mithalten. Und das seit meinem 50. Lebensjahr (da muss ein normaler Arbeiter noch 17 Jahre keulen). Dazu kommt die Rente meiner Frau. Aber mein Mitleid hält sich in engen Grenzen.
Ich erinnere mich noch ganz gut, als meine Schulklasse ihren Abschluss hatte, und jeder über das referierte, was seine weitere berufliche Lebensplanung betraf. Ich sehe noch -wie wenn es heute wäre- dieses mitleidige, ja hochnäsige Naserümpfen meiner Klassenkameraden vor mir, als ich sagte, dass ich Berufssoldat werden würde.
Heute nach bereits 10 Jahren Pension lache ich über die, die früher über mich lachten, und ich lache noch weitere 7 Jahre über die, die dann das Rentenalter endlich erreicht haben.
Jeder hätte es mir gleich tun können. Haben sie aber nicht. Und dann über hohe Pensionen zu lamentieren, ist nicht seriös.
Noch extremer: Einige der Jungs von früher schmissen die Schule frühzeitig, um eine Arbeit anzunehmen. Da lockte das schnelle Geld, welches um ein vielfaches höher war als die Vergütung eines Lehrlings. Heute jedoch sind es die, denen langsam, 7 Jahre vor ihrem Rentenalter, klar wird, dass ihr Weg des schnellen Geldes der falsche war.
Liber bh_ ich bin noch um einiges - zumindest zehn Jahre - älter als Du.

Allerdings, so wie Du das darstellst, ist es nur zum Teil richtig!

Richtig ist, dass zur Zeit Deines Abiturs, die Vergütung im öffentlichen Dienst noch der Vergütung industrieller Angestellter nachhinkte!

Aber seit den 60er Jahren haben die - ich schrieb davon - unter Besitzstandswahrung freigestellten Mitglieder in öffentlichen Ämtern - seien es Abgeordnete oder Vorsitzende von Verbänden - eine ganze Menge dafür getan, dass sich dies verändert hat.

Und zu meinem Bedauern - ich war bis zum Ausschied aus dem Berufsleben Angestellter eines dem öffentlichen Dienst gleichgestellten Zweckverbandes - hat sich die Vergütung im Bereich der für das "Allgemeinwohl" zuständigen Beschäftigten signifikant in das Gegenteil verkehrt.

Die Frage sei schon erlaubt: was haben diejenigen, die heute ein - ihnen nicht geneidetes - Alterseinkommen weit jenseits der gesetzlichen Höchstrente (derzeit 2.765 Euro, die in Deutschland lediglich 4 (i.W. VIER) Rentner erhalten (die Rentenhöhe des sog. "Eckrentners", also Durchschnittsrentners, beträgt 2016 ca. 1.300 Euro) - erhalten, eigentlich für ihre Altersversorgung eingezahlt?

Die Antwort ist ebenso einfach wie klar: NICHTS!!

Darüber hinaus hatten und haben sie, weil Vater Staat mehr als die Hälfte des 2,3 fachen Gebührensatzes von Ärzten vergütet hat, auch erheblich geringere Krankenversicherungskosten.

Und genau aus diesem Grund haben sie in der Zeit ihres Berufslebens ein erheblich höheres Nettoeinkommen zur Verfügung gehabt!

Also: man muss die Kirche schon im Dorf lassen!

Fazit: in der Altersversorgung - ich halte auch das SPD-Modell der Verrentung ohnehin gut Verdienender und im Normalfall Betriebsrenten-Berechtigter nach 45 Beitragsjahren für schwachsinnig - liegt einiges im Argen!
Liber bh, don't you skype me.
Für mich hat die Rente 3 Grundprobleme:
1. Die Gehälter in der Privatwirtschaft sind dramatisch gesunken. Bekannte von mir, die unverschuldet arbeitslos wurden, mussten sich mit dem halbel Genhalt wieder anstellen lassen. Das von den Geerkschaften ausgehandelte ERA hat dazu geführt, dass im Metalltarif Tätigkeiten wie Buchhaltung dramatisch geringer bewertet wurden. Von den schlecht bezahlten Neueinsteigern gar nicht zu reden.
2. Viele Firmen geben keine Betriebsrenten mehr oder haben diese deutlich zurückgefahren.
3. Durch die Entwicklungen unter 1. Passt das Verhältnis zu den Beamtenbesoldungen nicht mehr. Früher war es tatsächlich so, dass während der aktiven Phase zugunsten der Pension auf Einkommen verzichtet werden musste. Heute liegen die Einkommen der Beamten schon häufig über denen in der Privatwirtschaft und die Pensionen kommen obendrauf.
Es sind die armseligen Gehälter in Deutschland, die zu den mickrigen Renten führen. In der Schweiz verdient eine Kindergärtnerin im Durchschnitt 94.000 Franken...
@StechusKaktus
Ich stimme Dir in allen Punkten zu, nur Deine Gehaltsangabe für die Schweiz ist völlig daneben. Die Einkommen sind zwar deutlich besser als in Deutschland, jedoch ist die Lebenshaltung teuer. Eine Kindergärtnerin bringt es in der Schweiz auf ca. 65 bis 75 000 Franken im Jahr und dann ist Schluss mit lustig. Für eine Wohnung legst du etwa ein Drittel des Einkommens auf den Tisch und spätestens im Supermarkt gehen dir die Augen auf. Zahlen sind gut und schön aber sie sollten den Tatsachen entsprechen. Kann jeder gockeln: Einkommensstatistik Schweiz eingeben und die Zahlen liegen auf dem Tisch.
Ich mag zwar keine Rechthaberei, aber die Gehaltsstudie stand gestern in einer Schweizer Zeitung, in der die vergleichsweise geringen Vergütungen für Lehrer im Kanton Bern moniert wurden. Brandaktuell also.
Was aber wichtiger ist: die Einkommensunterschiede in der Schweiz sind mit einem Mindestgehalt von ca. 3.700CHF geringer als in Deutschland und ALLE zahlen in die AHV ein. Die Reichen zahlen für die Armen, die Jungen für die Alten. Und weil alle einzahlen, müssen die Beträge gar nicht so hoch sein.
... Dennoch sind die Differenzen verblüffend gross. Das beginnt im Kindergarten, in dem Berner Lehrpersonen nach zehn Dienstjahren knapp 86'000 Franken im Jahr verdienen (Brutto). Um spürbar mehr zu ­erhalten, müssen sie nicht weit pendeln: Im Kanton Freiburg erhielten sie 10'000 Franken mehr, in Solothurn sogar 23'000 Franken (siehe Grafik). Noch grössere Lohnsprünge wären für frankofone Lehrpersonen im «Lehrerparadies» Genf möglich.

Aus: Langenthaler Tagblatt
Das schweizerische Vorsorgesystem basiert auf 3 Säulen.

1. die erwähnte AHV, die ein Umlageverfahren ist, das so funktioniert, wie Stechus erwähnt hat.
Die Lohnabgabe dafür ist ein Prozent-Anteil, die Auszahlung aber gedeckelt.

2. die obligatorische Pensionskasse, welche individuelle Konten für jeden hat, und dor zahlt man nur für sich ein,
je nach Kasse mit einem Beiträgemodell über die Zeit.

3. die private Vorsorge, die z.T. steuerbefreit ist (bis zu einem bestimmten Betrag pro Person).

Damit kommt man eigentlich gut über die Runden.
Stechus, du hast mit allem recht. Das mit den Schweizer Gehältern kann ich nicht beurteilen.
im Fernsehen haben die vorgeführten Leute mit den Niedrigrenten, die angeblich ihr Lebtag gearbeitet haben, meist eine verheerende Beitragsbiographie. Die Putzfrauen haben oft schwarz "zuverdient" .
Neulich war einer, der war zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen längere Zeit selbstständig und hatte da nicht eingezahlt. Und danach mußte er Schulden tilgen und konnte nicht vorsorgen. Der wurde aber auch als immer Vollzeit gearbeitet und nur 800 Euro Rente vorgeführt.

Die Leute, die jetzt in Rente gehen, oder schon sind, sind noch nicht so stark von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Das kommt erst noch. Wer jetzt eine niedrige Rente hat, hat extrem wenig eingezahlt. Und oft genug aus Sorglosigkeit. Da wurde das Geld lieber für den Zweiturlaub oder ein überdimensioniertes Auto verwendet, als fürs Alter vorzusorgen. Oder man war auch während des Erwerbslebens schon arm, weil man nur Hilfsarbeiten verrichtet hat und kam grad so mit dem Einkommen aus und machte sich keine Gedanken um das Alter.
Liebe elfigy, der sog. Eckrentner hat allerdings nach 40 (i.W. VIERZIG!) Beitragsjahren auch nur eine Rente in Höhe von 1300 Euro!
Lieber sqf. Das ist mir bekannt. Ich sage auch nicht, daß das ok ist. Es ging mir um diese Vorführungen im Fernsehen mit den extrem niedrigen Renten.
Unser Rentensytem muss grundlegend reformiert werden. Das österreichische oder schweizer Modell wäre ok.
Die Rentenerwartung ist jedem einzelnen bekannt, aber viele Leute interessiert das erst, wenn es soweit ist. Sparen fürs Alter fällt vielen Leuten schwer, weil man nicht sofort etwas davon hat. Es auch unglaublich wie dumm die Leute sind. Frauen winken ab und sagen, sie würden ja von ihrem Mann mal Rente bekommen. Die wollen gar nicht hören, daß das als Witwe dann nur 60 % sind.
Und noch was bekommt man zu hören, wenn man darüber redet. Es wird abgewunken, bis zum Alter wäre noch lange hin und wer weiss, was da sei. Und "wenn ich mal alt bin, brauche ich nicht mehr viel Geld." Viele Junge denken, man ist dann vergreist und guckt nur noch fern.
Leider wird ein Umstand, welcher das Rentensystem implodieren lassen wird, weiterhin aus politisch korrekten Gründen verschwiegen, bz. klein gehalten. Mio von Menschen zahlen keine oder nur geringfügige Beiträge ein und erhalten dennoch die Mindest- / Grund-Rente; welche oft die Rente von "Geringverdienern" übersteigt.
SternMauiLev. Das zahlt nicht der Rentenversicherungsträger. Das nannte man früher Sozialhilfe . Die grundsicherung oder Aufstockung wird nach wie vor von den Städten und Gemeinden gezahlt. Und das hat garnix mit politisch korrekt verschweigen zu tun. Das ist ein Grundrecht und zwar schon immer, seit Bestehen der Bundesrepublik. Es hat nur abwechselnd andere Bezeichnungen.
elfigy, ernsthaft betrachtet ist die Versorgung ehemaliger "Staatsdiener - soweit beamtet" inadäquat!"

Es führt kein Weg daran vorbei, das ALLE - wirklich alle - Beiträge für die Altersversorgung leisten müssen.

Einzelne Bundesländer - z. B. Schleswig-Holstein - haben schon ernsthafte Haushaltsschwierigkeiten wegen der Beamtenversorgung und können in ihren Haushalten lediglich noch über 5 % des Volumens frei bestimmen!